Führungskrise :
Wohin geht die Reise für die Großkanzlei Weil?

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Seit mehr als 25 Jahren in Deutschland aktiv: Die US-Großkanzlei Weil, Gotshal & Manges befindet sich in einer strategischen Krise.
Seit mehr als 25 Jahren in Deutschland aktiv: Die US-Großkanzlei Weil, Gotshal & Manges befindet sich in einer strategischen Krise.Inga Klöber

Der Rückzug der designierten Chefin Ramona Nee legt den Führungsstreit der US-Kanzlei Weil, Gotshal & Manges offen. Nach einigen Partnerabgängen sucht Weil den Weg, um nicht den Anschluss zur Marktspitze zu verlieren.

Ihre Anwälte sind gefragte Berater bei Megadeals und komplizierten Restrukturierungen. Die amerikanische Kanzlei Weil, Gotshal & Manges – im Branchenjargon kurz „Weil“ genannt – gestaltet die Industrie- und Unternehmenslandschaft entscheidend mit. Doch die Kanzlei selbst steuert auf eine unsichere Zukunft zu. Seit einigen Monaten tobt intern ein Deutungsstreit über die Zukunft von Weil.

Zahlreiche wichtige Partner aus den Kernbereichen Gesellschaftsrecht und Transaktionen (M&A) haben die Kanzlei in diesem Jahr verlassen; jüngst wurde zudem eine zukunftsweisende Fusion mit der direkten Konkurrentin Willkie Farr & Gallagher abgesagt. Seit diesem Wochenbeginn muss sich Weil zudem nach neuen Optionen für ihre künftige Kanzleispitze umsehen.

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Ramona Nee, aktuell Ko-Geschäftsführende Partnerin und vom kommenden Jahr an designierte globale Chefin von Weil, will ihren Posten nicht antreten. Die renommierte Private-Equity-Anwältin aus Boston habe dem Verwaltungsausschuss mitgeteilt, dass sie im Januar nicht wie geplant auf den langjährigen Kanzleichef Barry Wolf nachfolgen werde, heißt es in Medienberichten. Marktbeobachter deuten ihre Entscheidung als Ausdruck der großen internen Schwierigkeiten, einen geeigneten Nachfolger für Wolf zu finden und zugleich die Interessen der globalen Partnerschaft von Weil auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Auf eine schriftliche Anfrage der F.A.Z. reagierte ein Sprecher der US-Kanzlei nicht.

Wolf ist seit mehr als 16 Jahren für die Geschicke von Weil verantwortlich. Seitdem hat er die Kanzlei mit ihren Schwerpunkten Private Equity, Gesellschaftsrecht, Restrukturierungen und Prozessen im vergangenen Geschäftsjahr 2025 zu einem globalen Rekordumsatz von mehr als zwei Milliarden US-Dollar geführt. In diesem Frühjahr hatte Wolf seinen Rückzug aus dem weltweiten Management im Laufe des Jahres 2027 angekündigt. Dadurch sollte eine Übergangsphase hin zu seiner Nachfolgerin Nee gesichert und die Verantwortung in die Hände einer jüngeren Partnergeneration gelegt werden. „Nichts würde mich glücklicher oder stolzer machen, als wenn sie diese Kanzlei zu noch größeren Höhen führen würde“, sagte Wolf im Mai gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg mit Blick auf die Übergabe an Nee. „Das ist, was ich erreichen möchte.“

Machtkampf eskaliert, viele Partner verlassen die Kanzlei

Mit der Personalentscheidung spitzte sich jedoch der schon länger schwelende Streit um die Kanzleistrategie zu. Weil ist global mit mehr als 1200 Anwälten an 16 Standorten präsent, darunter auch in Frankfurt und München. Das Management wollte im Wettbewerb mit anderen profitablen US-Kanzleien wie Kirkland & Ellis, Latham & Watkins und Skadden nicht weiter in Rückstand geraten. Das Umsatzwachstum von Weil fiel zunehmend geringer aus, und in anderen Kanzleien gab es deutlich höhere Gewinnausschüttungen an die Partner.

Ein aggressives Wachstum, getragen von der Aufnahme umsatzstarker Teams aus anderen Kanzleien, sollte dieses Problem lösen. Dagegen wollte ein Lager um Corporate-Chef Michael Aiello die Kanzlei noch stärker auf das hochpreisige Transaktionsgeschäft zuschneiden, ohne neue Partner aufzunehmen. Kanzleichef Wolf setzte sich in dem Machtkampf durch. Seitdem haben in den USA und London viele M&A-Anwälte Weil verlassen. Allein die Konkurrentin Cravath, Swaine & Moore nahm sechs Partner auf, darunter auch Aiello.

Die Kanzleifusion des Jahres findet nicht statt

Auf die zeitgleich aufkommenden Gerüchte einer möglichen Fusion reagierte Weil zunächst mit der branchenüblichen Zurückhaltung. Konkrete Gespräche gebe es nicht, hieß es noch vor wenigen Wochen. Doch seit Monatsbeginn verdichteten sich die Anzeichen für einen Zusammenschluss mit einer anderen US-Kanzlei. Am vergangenen Freitag, also kurz vor Nees Verzicht auf die Nachfolge, wurde bekannt, dass Weil intensive Gespräche mit Willkie geführt, einer Fusion aber eine Absage erteilt hatte.

Ein Zusammenschluss beider Kanzleien hätte Auswirkungen auf die Konsolidierung der Branche über die Grenzen ihres amerikanischen Heimatmarkts hinaus gehabt. Mit einem kumulierten Umsatz von mehr als 4,1 Milliarden US-Dollar und 2500 Anwälten wäre die neue Einheit in den Kreis der größten Kanzleien vorgerückt. Vom Scheitern der Fusionspläne sollen Mitarbeiter von Weil per E-Mail erfahren haben. Zugleich soll das Management dazu aufgerufen haben, Ruhe zu bewahren. Auch dazu wollte sich die Kanzlei am Dienstag nicht äußern.

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