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Kanzleiumsätze 2021 : Wirtschaftsanwälte weiter auf der Erfolgswelle

Die Wirtschaftskanzleien zeigen sich in Krisensituationen äußerst robust. Bild: obs

Im Ergebnis ist der Markt der 100 umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien in Deutschland auf 8,3 Milliarden Euro gewachsen. Überzeugen konnten zuletzt vor allem die Büros der amerikanischen Kanzleien.

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          Die Wirtschaftsanwälte in Deutschland haben im Jahr 2021 deutlich von der Erholung der Industrie nach dem pandemiebedingten Einbruch profitiert. Waren die Juristen im ersten Corona-Jahr noch vor allem als Krisenberater und Restrukturierer gefragt, konnten sie ihre Mandanten im Folgejahr wieder mit ihrer gesamten fachlichen Breite bei Transaktionen und Projekten beraten oder Prozesse vor Gerichten führen. Im Ergebnis wuchs der Markt der 100 umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien in Deutschland auf 8,3 Milliarden Euro.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit konnten die rund 14.100 Anwälte, die der Kölner Fachverlag Juve in seiner alljährlichen Recherche für dieses Marktsegment zusammenfasst, den Gesamtumsatz im Vergleich zum Geschäftsjahr 2020 um 6,5 Prozent steigern. Trotz eines hart umkämpften Bewerbermarktes und weniger Juraabsolventen konnten die Einheiten personell um 3,4 Prozent zulegen.

          Kaum Veränderung

          Deutlich weniger Bewegung gibt es an der Marktspitze. So kann Freshfields Bruckhaus Deringer mit 467 Millionen Euro abermals den Spitzenplatz mühelos verteidigen. Als Zweitplatzierte überspringt CMS Hasche Sigle , nach Mitarbeitern die größte Wirtschaftskanzlei hierzulande, erstmalig die Hürde von 400 Millionen Euro. Nach Hengeler Mueller (305 Millionen Euro) werden die Abstände unter den Wettbewerbern jedoch deutlich kleiner. Mit Clifford Chance (202 Millionen Euro) und White & Case (199 Millionen Euro) schaffen zwei internationale Kanzleien die Rückkehr in den elitären Kreis.

          Unter den zehn umsatzstärksten Einheiten ist White & Case die einzige originäre US-Kanzlei – noch. Denn in den weiteren Kategorien wie Umsatzwachstum und Umsatz je Berufsträger überzeugten im Jahr 2021 gerade die Büros der US-Kanzleien. Dank ihres Geschäftsmodells – schmale fachliche Aufstellung und Einbindung in globale Netzwerke – konnten viele dieser Wirtschaftskanzleien ein zweistelliges Umsatzwachstum vermelden. Hinsichtlich der Produktivität, des tatsächlichen Umsatzes eines Einzelanwalts, heben sich die amerikanischen Sozietäten ohnehin vom Rest des Marktes ab: Die Berufsträger von nunmehr 12 US-Kanzleien erzielten einen Jahresumsatz von einer Million Euro – beim deutschen Klassenprimus Hengeler Mueller erwirtschaftete ein Anwalt im Durchschnitt 946.000 Euro im Jahr.

          Die Umsätze bestätigten den globalen Trend, wonach sich die Wirtschaftskanzleien seit 2020 als äußerst robust erwiesen haben. So war erst vor wenigen Tagen bekannt geworden, dass der Kanzleimarkt in Großbritannien zuletzt sogar um 11 Prozent gewachsen ist. Es ist die größte Steigerung seit der Weltfinanzkrise vor bald 15 Jahren.

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