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Leuchtbuchstaben : Licht der Nacht

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Held: Typografisches Kunstwerk Bild: Peter Thomas, Fabian Thiele

Ob dynamisch geschwungener Schriftzug oder eine Reihe markanter Einzelbuchstaben: Historische Leuchtbuchstaben erzählen die Geschichte einzelner Geschäfte. Und werden Kunstobjekt.

          Ein hauchzarter Schlauch, in Bögen und rechte Winkel gelegt: Bis heute praktizieren Neonglasbläser die Kunst, aus klarem Glas filigrane Schriftzüge herzustellen und sie im richtigen Farbton zum Leuchten zu bringen. Das braucht handwerkliches Können und das Wissen um die passende Kombination der Edelgase (Neon leuchtet rot, Argon blau) mit dem auf der Innenseite der transparenten Glasröhren aufgebrachten Farbstoff. „Es gibt kein LED-System, das die Filigranität einer sichtbaren Neonröhre ersetzen kann“, sagt Fabian Thiele. Deshalb lässt der Frankfurter Designer und Lichtkünstler für sein Label Noneon auch beim Glasbläser neue Neonröhren herstellen, wenn er eine historische Leuchtreklame aus solch sichtbarem Glas restauriert.

          Bei der Energieversorgung setzt der gebürtige Franke aber auf zeitgenössische Technik: Statt der alten, brummenden Kupferkerntransformatoren verwendet er aktuelle Elektronik. Und geschlossene Leuchtbuchstaben mit Fronten aus Acryl oder Glas stattet Thiele sowieso mit Leuchtdioden aus. Ob dynamisch geschwungener Schriftzug oder eine Reihe markanter Einzelbuchstaben: Von historischen Leuchtbuchstaben geht eine besondere Magie aus. In mehreren deutschen Städten gibt es deshalb Anbieter, die solche Stücke als leuchtende Kunstwerke vertreiben.

          Es ist ein Stück des nächtlichen Stadtbildes, das sich die Käufer so in die Wohnung holen. Dem Frankfurter Thiele geht es nicht nur um das Objekt, sondern auch um dessen Geschichte: „Ich habe schnell gemerkt, wie wichtig das Wissen darüber ist, woher die Buchstaben kommen“, sagt der Designer. Das zeigt er auch bei der Luminale, Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung, ab diesem Sonntag: Unter dem Titel „Frankfurter Leucht-Originale“ präsentiert Noneon ein farbensattes Panoptikum von Neonbuchstaben mit Blechkorpus im Alter von 30 bis 50 Jahren.

          Leuchtendes Alphabet: Noneon von Fabian Thiele präsentiert historische Leuchtbuchstaben in authentischer Form und als künstlerisch weitergedachte Objekte. Bilderstrecke

          Die Lettern der Schau stammen von Frankfurter Traditionsgeschäften. Viele davon gibt es gar nicht mehr: Schirm Rothert zum Beispiel, oder Berufsbekleidung Schambach. Auch der Leuchten-Laden Salzner hat vor einigen Jahren auf immer geschlossen. Die Leuchtlettern erinnern an die Geschichte dieser Institutionen der lokalen Handelskultur.

          Gerade die älteren Leuchtlettern, sagt Thiele, seien sehr aufwendig gearbeitet. Diesen Objekten als Kunstwerk ein neues Leben zu schenken, sieht er als Upcycling im besten Sinne, als „Erhalt von Wert und Werten“. Thiele erweckt Einzelstücke als Objekte wieder zum Leben, aber er kombiniert auch Buchstaben aus verschiedenen Quellen zu neuen Kunstwerken oder modifiziert die ursprüngliche Gestaltung. Für den Absolventen der Offenbacher HfG fing die Sache mit den Leuchtlettern vor etwa zwei Jahrzehnten an. Damals entdeckte er Leuchtbuchstaben, die gerade von einer Geschäftsfassade demontiert worden waren. So begann die Geschichte von Noneon.

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