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Entwicklung eines Skischuhs : Fuß-Noten

Für jede Schuhgröße werden am CAD-Rechner Tausende Flächen modelliert. Bild: Wille

Stück Plastik mit Schnallen und Futter – so simpel ist das natürlich nicht. Die Entwicklung eines Skischuhs dauert Jahre und kostet Millionen. Blick hinter die Kulissen bei Salomon.

          5 Min.

          Es begann mit einem Heckeinsteiger. SX 90 hieß der erste Salomon-Skischuh von 1979. Was viele nicht wissen: Er ist ein Bruder des Hochgeschwindigkeitszugs TGV. An der Gestaltung war in beiden Fällen Roger Tallon beteiligt, ein Designer aus Paris, der im Verlauf seines Berufslebens Produkte von der Leuchte über den Fernseher bis zum Fahrzeug entwarf. Mit Tallon, der 2011 starb, nahm die Geschichte der Skischuhe von Salomon ihren Anfang – vor 40 Jahren.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das Unternehmen selbst ist älter. Gegründet wurde es 1947 in Annecy, wo noch heute das Hauptquartier und die Entwicklungszentrale ansässig sind. Anfangs fertigte Georges Salomon in seiner kleinen Werkstatt Sägeblätter. Der Schritt zu Stahlkanten für Skier lag nahe, bald kamen Skibindungen hinzu und später auch Skier für Abfahrt und Langlauf. Drei schneearme Winter in Folge in den neunziger Jahren waren der Auslöser für eine abermalige Geschäftserweiterung: Weil damals niemand Langlaufschuhe kaufen wollte, nahm Salomon Wanderschuhe ins Programm auf.

          Von 1997 an gehörte Salomon eine Weile zu Adidas, wurde nach der Trennung 2005 Teil der Amer-Sports-Gruppe, gemeinsam mit Marken wie Atomic, Wilson, Arc’teryx und Suunto. Rund 850 Millionen Euro betrug der Umsatz eigenen Angaben zufolge vergangenes Jahr, ein Drittel davon mit Wintersportartikeln erzielt. Der Rest fällt in die Rubriken Laufen und Outdoor. Deutschland ist der drittgrößte Markt für die Franzosen, dichtauf hinter den Vereinigten Staaten und dem Heimatland.

          Heckeinsteiger-Historie: SX 90 Bilderstrecke

          Dem SX 90 folgte 1984 ein Stiefel, an den sich wahrscheinlich jeder erinnert, der seinerzeit irgendetwas mit Skifahren zu tun hatte: Der markante SX 91 war ein Heckeinsteiger mit zahlreichen Verstellmöglichkeiten. Die Werbeleute sprachen vom „programmierbaren“ Skischuh. Heute unvorstellbar: Die als Pantoffel in Erinnerung gebliebenen Heckeinsteiger wurden sogar im Rennsport eingesetzt. Wer sich einmal in diese Zeit zurückversetzen lassen und über skurrile Verfolgungsjagden auf Monoski amüsieren möchte, googelt nach dem Film „Apocalypse Snow“. Skifahren und Snowboarden – das konnten sie damals. Sah nur komisch aus.

          Dem Heckeinsteiger als solchem trauerte manch einer lange hinterher, doch erwies sich der Schnallenstiefel als die bessere Wahl im Sinne des festen Sitzes und der Kraftübertragung. Bequemer wurde er mit der Zeit obendrein. Der X-Wave, ein Vierschnaller aus dem Jahr 2000, war der erste Salomon, der mehr als eine Million Mal abgesetzt wurde. Thermoverformbarer Schaum zur Anpassung des Innenschuhs debütierte in diesem Modell. Salomons größter Verkaufserfolg bis heute ist der 1,3 Millionen Mal produzierte X/Pro von 2013, mit dem der Hersteller „Custom Fit 3D“ einführte, eine dreidimensional geformte Partie des Futters rund um die Knöchel, also dort, wo es oft drückt. Solche Schuhe passen vielen Kunden von vornherein schon recht gut.

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