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Outdoor-Messe : Bunte Vielfalt unter grauem Himmel

  • -Aktualisiert am

Ein sogenannter Slackliner unter dem Himmel von Friedrichshafen Bild: dpa

Dunkle Wolken zogen über die Friedrichshafener Outdoor: Nach Jahren fetter Zuwachsraten wirkt der Optimismus der Branche für dieses Jahr deutlich verhaltener.

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          Es war nicht nur das miese Wetter, dass in diesem Jahr als Erklärung dafür herhalten musste, dass die nur schwierig zwischen Sportmoden und Expeditions-Ausrüstung abzugrenzende Outdoor-Branche Sorgenfalten zeigt. Hersteller und Handel erleben in ohnehin nicht einfachen Zeiten einen deutlichen Strukturwandel.

          Da sind zum einen die vielen neuen Marktteilnehmer - ein Name für alle: Zalando. Erst 2008 gegründet, lässt der Internet-Versender spätestens seit seinem Einstieg bei Sportartikeln die Outdoor-Platzhirsche keineswegs vor Glück schreien. Während die großen Händler - Paradebeispiel: Globetrotter - längst im Internet und via App genauso wie über den herkömmlichen Versand aus dem voluminösen Katalog heraus und in Filialen vertreiben, entzweien Markenstores den klassischen Sportartikel/Outdoor-Handel und seine Lieferanten.

          Wichtig in dieser Jahreszeit: Schlafsäcke
          Wichtig in dieser Jahreszeit: Schlafsäcke : Bild: dpa

          Die blinde Wahl der frühen Vororder-Termine - schließlich will der überwiegend in Fernost hergestellte Schick für draußen erst einmal dort produziert und dann um den halben Globus zur Saison herangeschafft sein - sind schon seit Jahren ein strittiges Dauerthema. Nun kommt hinzu, dass immer mehr starke Marken - Vorbild ist hier Jack Wolfskin - dem örtlichen Handel in sehr guten bis besten Lagen sogenannte Monostores vor die Nase setzen. Vom Parkett und ausliegenden Prospekt bis zum Fleece-Pulli oder Regenponcho atmet dort alles das Marken-Design.

          Sechs bis zehn Markenläden will etwa Vaude im kommende Jahr eröffnen, 30 sollen es bis 2015 werden. Schöffel hat im Verein mit Lowa allein für September vier weitere Läden angekündigt, Gesamtzahl dann sechzehn. Zu dieser kräftig vorangetriebenen Entwicklung gibt es zwei Meinungen: Die Markeninhaber sagen, ihre Präsenz stärke die Marke und komme damit letztlich dem Handel zugute. Der wendet ein, dass jede Regenjacke und jeder Wanderrucksack doch nur einmal von einem Kunden gekauft werde - und zwar entweder im Outdoor-Geschäft oder im Markenstore.

          Ein Model zeigt ein Modell
          Ein Model zeigt ein Modell : Bild: dapd

          Vor diesem Hintergrund beklagt die Branche, die nach „konservativen Berechnungen“ der European Outdoor Group (EOG) im europäischen Einzelhandel zehn Milliarden Euro umsetzt - 24 Prozent davon in Deutschland, dem größten Teilmarkt - ein sehr uneinheitliches Bild: Je nach Land und Produktkategorie - 52 Prozent entfallen auf Bekleidung, weitere 24 Prozent auf Schuhe - wechseln Klagen über gesättigte Märkte und verstopfte Handelskanäle mit verhaltenem Optimismus und der Erwartung von „vielleicht 5, 6, 7 oder 8 Prozent“ Wachstum. Die Messe Friedrichshafen kann indes mit der von der EOG getragenen Outdoor zufrieden sein: 907 Aussteller aus 39 Nationen mit über tausend Marken auf mehr als 85000 Quadratmeter Bruttofläche, das war auch bei der neunzehnten Auflage wieder Rekord.

          Eher düstere Aussichten werden Outdoor-Hardware wie Zelten, Iso-Matten oder Schlafsäcken prognostiziert: „Die Kunden wollen wandern, zelten wollen nur noch die ganz Harten“, meint etwa Klaus Jost von Intersport. Dafür treibt es die längst als Alltagsmode in den Städten angekommene Funktionsbekleidung besonders bunt. Ob Wanderstiefel, kühlendes T-Shirt, Drei-Viertel-Hose mit aufgesetzten Taschen oder winddichte Jacke mit regensicheren Zippern - farblich geht so ziemlich alles: Bonbonrosa genauso wie gedeckte erdfarbene Töne, sonniges Gelb, helles Grün und Himmelblau.

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