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Volkswagens Stand auf Messen : Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Hände hoch: Michael Horn, der Chef von Volkswagen in Amerika, steht auf der Messe in Los Angeles mit dem Rücken zur Wand, die ein eigentlich fröhlicher Beetle ist. Bild: AFP

Messen waren für Volkswagen einst glanzvolle Auftritte. Unter der neuen Mannschaft um Matthias Müller wird vieles anders. Jetzt sind sie Orte kleinlauter Worte.

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          Automessen sind die Orte, an denen die Unternehmen zeigen, was sie können. Volkswagen hat die Auftritte immer gern genutzt. Mal mit aufwendigen Präsentationen, mal mit sehr aufwendigen Präsentationen. Am eindrucksvollsten waren stets die sogenannten Konzernabende während der IAA in Frankfurt und des Salons in Genf, als am Vorabend der Messe der Konzern in eine Halle lud und ein Auto nach dem anderen auf die Bühne fuhr, vorgestellt in einer kurzen Ansprache vom jeweiligen Markenvorsitzenden.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das waren eindrucksvolle Defilees, hat der Konzern doch ein Dutzend Marken in seinem Portefeuille, die alle auch untereinander darum rangeln, den Wettbewerber auszustechen. Wenn Konzernchef Martin Winterkorn oder gar Ferdinand Piech dann beim anschließenden Plausch die kraftvolle Farbe des Porsche lobte, huschte ein Lächeln des Siegers über die Lippen der Zuffenhausener, und für die Mannen nebenan von Lamborghini war der Abend gelaufen. Manchem kam im Lauf der Jahre die Idee, aus der Routine könne das Unternehmen vielleicht mal ausbrechen und etwas Ungewöhnliches anstellen. Ein Berater aus dem Dunstkreis der Entscheider in Wolfsburg hat eines zurückliegenden Tages vorgeschlagen, einen Konzernabend ohne Autos zu veranstalten.

          Als Ferdinand Piëch das hörte, soll er der Überlieferung nach gesagt haben: „Kinder, macht es doch wie immer.“ Er hat dies ganz ruhig gesagt, in langsam gesprochenen, wohl gewählten Worten, wie üblich. Und wie üblich war es Befehl. Nun, die Konzernabende sind Geschichte, fortgeblasen wie die alte Führungsriege von einem Skandal um manipulierte Abgaswerte. Unter der neuen Mannschaft um Matthias Müller wird vieles anders. Nicht alles, was sich ändert, hat er freilich selbst in der Hand.

          Ende Oktober stand der erste Messeauftritt von Volkswagen nach Bekanntwerden der Manipulationen auf dem Programm. Die Reise führte nach Tokio, und weil VW dort sowieso fast keine Diesel verkauft, sollte es eigentlich nicht so schlimm werden. Doch der örtliche Statthalter kam nicht um eine Verbeugung hin, der noch recht frische VW-Markenchef Herbert Diess bat hernach ebenfalls um Entschuldigung und wurde auf dem Stand von der Schar fragender Journalisten fast erdrückt. Den Rücken hielt ihm der neu aufgelegte Tiguan frei, eigentlich ein interessantes Auto, doch in diesen schlechten Zeiten interessiert sich niemand dafür. Die Absatzzahlen von VW in Japan sackten zusammen, aber es ging eben nur um Japan.

          Jetzt ist es Mitte November, und das ist ein deutlich unangenehmeres Datum, denn zu dieser Zeit findet die Messe in Los Angeles statt. Die ist grundsätzlich von minderschwerer Wichtigkeit, ziemlich überschaubar und mit geringem Neuigkeitswert. Aber sie findet eben in Kalifornien statt, wo der Abgasskandal seinen Lauf nahm und wo die Umweltbehörde besonders wenig Spaß versteht. Vorhang auf für Michael Horn, den Vertreter von Volkswagen in Amerika.

          Unvergessene VW Buggys aus den sechziger und siebziger Jahren

          Der Stand des gebeutelten deutschen Herstellers, der sich gerade anschickte, die Nummer eins in der Welt zu werden, ist relativ bescheiden. Hinweise oder Bezüge zu Dieselgate gibt es nicht. Es steht auch kein einziges Dieselfahrzeug dort. Einzelne Motoren werden gezeigt, es sind Benziner und der Plug-in-Hybrid. Im Mittelpunkt steht die neue Passat-Limousine für Amerika, die in Tennesse gebaut wird und sich vom deutschen Modell unterscheidet. Und da ist noch der Dune Beetle, offen und geschlossen.

          Eine Variante des Beetle, die von sofort an auch in Deutschland zu kaufen ist. Sie erinnert an die unvergessenen VW Buggys aus den sechziger und siebziger Jahren, mit denen die Beachboys und -girls am Strand entlangflitzten. Doch das waren damals Bausätze zum Selbstbasteln auf Käfer-Fahrgestell, mit Käfer-Motor und Notverdeck. Der Dune Beetle ist ein vollwertiges Auto, die Preise beginnen bei 23.625 Euro, das Cabriolet kostet mindestens 27.800 Euro. Eine Dieselversion gibt es, wer hätte jetzt anderes erwartet, nicht.

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