https://www.faz.net/-gy9-9b2au

Fahrbericht Kia Picanto : Heiter bis schnattrig

Kleiner Kraftmeier: Kia Picanto GT mit 100 PS Bild: Hersteller

Der Kia Picanto mit Dreizylinderturbo hat Ambitionen der quirligen Art. 18.260 Euro fordert Kia für unsere sportliche Nachwuchskraft. Das ist stramm.

          2 Min.

          Die Fußball-Weltmeisterschaft ist da. Das bedeutet, Kia auch. Die Südkoreaner stellen als Sponsor die vierrädrige Flotte für Spieler und Offizielle in Russland, 424 Fahrzeuge an der Zahl. Nur einer darf nicht mit, der kleine Picanto. Dabei schwingt sich die kecke Kiste gerade zur Sportskanone auf.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Kia hat sie uns in der GT-Linie mit dem neuen Dreizylinder-Turbobenziner zugeführt, der aus einem Literchen Hubraum 100 PS holt, was für Neugier sorgt. Die Maschine gibt sich erst gar keine Mühe, ihren Kampf gegen die motorischen Ungleichgewichte zu kaschieren, sie wackelt im Leerlauf wie einst Opas Dackel auf der Hutablage und geht, dem Gasbefehl Folge leistend, schnatternd-entschlossen zu Werk. Wer mag, darf den Klang als kernig bezeichnen, wer nicht, als aufdringlich. Unzweifelhaft macht die Maschine sich mit ihren nur 172 Newtonmeter Drehmoment mit quirliger Vehemenz um Vortrieb verdient, es geht eben nichts über geringes Gewicht. Der Picanto bringt leer nur rund eine Tonne auf die Waage.

          Durch die Stadt und über Land lässt sich damit der ein oder andere ausdribbeln, auf langer Strecke gerät ein kleiner Wagen naturgemäß an Grenzen. Der Standardsprint soll in 10,1 Sekunden gelingen, die Höchstgeschwindigkeit um 180 km/h liegen. Ersterer fühlt sich heiter an, Zweitere ist drin, braucht aber Anlauf und oberhalb der Autobahnrichtgeschwindigkeit Geduld. Wer den Picanto bei Laune halten möchte, dreht die auf etwas weiten Wegen ordentlich einrastenden fünf Gänge bis zu 6500 Umdrehungen in der Minute aus, dann läuft es. Allerdings läuft dann auch der Kraftstoff, wer sich anstrengen muss, bekommt halt Durst. Wir ermittelten die durchschnittliche Verfeuerung von 6,4 Litern Superkraftstoff, so richtig super ist das nicht, relativ gesehen aber ordentlich.

          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

          Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

          Mehr erfahren

          Freilich trumpft der nur 3,60 Meter kurze Picanto mit Talenten auf, die sich mit denen eines Fiat Panda oder Volkswagen Up messen lassen müssen und dies auch können. Hartplastik allerorten gehört in dieser Sparklasse zum schlechten Ton, doch Kia richtet selbiges soweit möglich adrett her. Tasten und Schalter fühlen sich ordentlich an, der berührungsempfindliche Navigationsschirm steht angenehm hoch im Raum, und das Bild der Rückfahrkamera ist klar und groß, kein Vergleich zu der armseligen Lösung im VW Up.

          Nur der Klimaregler mit seiner schlecht ablesbaren Anzeige haust tief, man kann darüber hinwegsehen. Silberfarbene Pedale und roter Zierrat verleihen gar einen Touch sportlicher Noblesse. Praktische Ablagen, Sitzheizung und Multifunktionslenkrad machen ein Paket komplett, das einige Verführungskraft entwickelt.

          Der Standardsprint soll in 10,1 Sekunden gelingen. Bilderstrecke
          Der Standardsprint soll in 10,1 Sekunden gelingen. :

          Murks sind indes die Luftausströmer, die Öffnen, Schließen und Windrichtung mit einem Griff zu erledigen versuchen. Das klappt nie gescheit, auch andere Hersteller verfallen auf diese Unsitte. Schade ist auch, dass sich das Lenkrad nur in der Höhe verstellen lässt, das erschwert eine entspannte Position insbesondere für größer gewachsene Fahrer. Kurzstrecken aber sind auf allen Plätzen gut zu bewältigen, der Fußraum hinten ist eng, doch nicht eingeengt, und das Kofferabteilchen entpuppt sich als passgenau für Kabinengepäck oder Singleshopping. Falls jemand mehr Last benötigt, fällt die Rückbank um wie Stürmer im Sechzehner. Dass das Fahrwerk ein wenig knochentrocken abrollen lässt, verbuchen wir unter dem Kapitel GT-Linie.

          18.260 Euro fordert Kia für unsere sportliche Nachwuchskraft, das ist stramm, ambitionierte Spieler haben ihren Preis. Es gibt natürlich billigere Einstiegsmöglichkeiten in die Picanto-Welt. So beginnt die Preisliste schon bei 9990 Euro für das Basismodell in der Ausstattungslinie Attract. Auch hier gibt es nur einen Liter Hubraum, ohne Turbo. 67 PS müssen genügen. Mehr Kraft – 84 PS – hat ein 1,2-Liter-Benziner, er kommt als „Edition 7“ für 12 150 Euro ins Haus. Mit denen aber wird garantiert niemand Weltmeister.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          2:2 gegen Ungarn : Ein denkwürdiges deutsches Drama

          Es ist ein Abend des puren Nervenkitzels: Lange droht dem DFB-Team ein Debakel wie bei der WM. Der eingewechselte Leon Goretzka verhindert das EM-Vorrundenaus mit dem späten Ausgleich gegen Ungarn.
          Hoffnung auf Herdenimmunität: Menschen in der Fußgängerzone der Münchener Innenstadt

          Neue RKI-Zahlen : Immer mehr Delta-Infektionen

          Die Inzidenzen sinken weiter. Doch laut RKI hat sich der Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen seit vergangener Woche fast verdoppelt. Dennoch: Die Bundesländer bleiben gelassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.