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Vierschanzentournee : Die neuen Adler greifen an

  • -Aktualisiert am

Severin Freund kommt dem Ideal immer näher Bild: dpa

Mit Richard Freitag und Severin Freund hat das deutsche Skisprungteam endlich wieder Siegertypen. Das macht Hoffnung für die am Freitag beginnende Vierschanzentournee.

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          Das Hobby leidet. Er habe sich noch nicht getraut, seine Gitarre auf die Reisen mitzunehmen, gesteht Richard Freitag. „Ich bin nicht wirklich gut“, sagt der 20-Jährige, „ich will meinen Zimmerkollegen mit dem Gezupfe nicht belästigen.“ Severin Freund muss schmunzeln, als er das hört. „Vielleicht sollte ich ihm Ohrhörer schenken, dass er üben kann, sonst wird’s nie besser“, scherzt er. Bis Freitags Spielkunst hörbar ist, hat Freunds Hobby Priorität: Musik hören. Oder Filme anschauen. Zum Beispiel den Snowboard-Streifen „Art of flight“.

          Die Kunst zu fliegen - darauf verstehen sich auch Richard Freitag und Severin Freund perfekt. Und sie werden immer besser. Nicht erst seit seinem Sieg in Harrachov schaut die Konkurrenz auf den Skispringer vom SC Nickelhütte Aue. „Ich habe ihn schon im Sommer beobachtet“, sagt Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner. Bei der Grand-Prix-Serie sprang er schon zweimal aufs Podest. Deshalb sagt Pointner: „Irgendwann musste passieren, was in Harrachov passiert ist.“ Der erste Weltcup-Sieg.

          Die ersten Parallelen

          Welche Duplizität der Ereignisse. Auch Vater Holger Freitag hat in Harrachov gewonnen. Am 8. Januar 1983. Es blieb sein einziger Weltcup-Sieg. Der erst 20 Jahre alte Sohn Richard hat das Potential zu mehr. „Die Geschichte könnt ihr gleich im Köcher lassen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster beim Pressegespräch in Engelberg vorsorglich: „Richi holt mehr als einen Sieg.“ Für diese Aussage würde der Coach, wie er sagte, sogar seine rechte Hand verwetten.

          Der Generationenwechsel ist vollzogen. Richard Freitag und Severin Freund sind die neuen Adler im Team des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). Und das macht Hoffnung vor dem Auftakt der Vierschanzentournee am nächsten Freitag in Oberstdorf (ab 16:30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker). Erstmals seit dem 1. März 2002 standen in Harrachov wieder zwei DSV-Springer gemeinsam auf dem Podium. Damals waren das Martin Schmitt und Sven Hannawald. Und schon werden, wenn auch noch vorsichtig, die ersten Parallelen zwischen den beiden Schwarzwald-Adlern - der eine viermaliger Weltmeister, der andere der einzige Springer, der alle vier Springen der Vierschanzentournee 2001/2002 gewinnen konnte - und dem neuen DSV-Duo gezogen. „Mit Schmitt und Hannawald kann man Freitag und Freund noch nicht vergleichen, aber zwei neue Leute auf dem Stockerl, das tut dem Skispringen und natürlich auch der Tournee gut“, sagt der Österreicher.

          Skispringen ist auch Kopfsache

          „Richi ist ein guter Kumpel“, sagt der 23 Jahre alte Freund über seinen Zimmergenossen. Einen verbissenen Zweikampf wird es zwischen den beiden bei allem Ehrgeiz nicht geben. „Er ist nicht mehr oder weniger ein Konkurrent wie alle anderen auch“, sagt der Bayer Freund über den Sachsen Freitag. Denn auch sonst ticken die beiden Athleten ähnlich. „Man sollte nicht nur aufs Skispringen fixiert sein, man braucht auch Ablenkung“, sagt Freitag. Und bei Freund hört sich das so an: „Man sollte abseits der Schanze nicht allzu sehr um Skispringen kreisen.“

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