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Skispringen : Morgensterns kurzes Glück

Schmerzhafte Landung: Thomas Morgenstern kommt zu Fall. Bild: dpa

Erst ein Sieg, dann ein schwerer Sturz: Thomas Morgenstern trägt als Erinnerung an einen denkwürdigen Weltcup auch Schnittwunden im Gesicht davon.

          3 Min.

          Besser geht es nicht. Seit 2006 sind Sportler aus Österreich das Maß der Dinge im Skispringen. Wann immer es in den vergangenen Jahren bei Großereignissen wie Olympia oder Weltmeisterschaften um die Medaillen ging, konnte sich Cheftrainer Alexander Pointner bei der Siegerzeremonie ein zufriedenes Lächeln gestatten: Athleten aus seinem Kader landeten jedes Mal ganz vorne.

          Im Weltcup aber, dem Tagesgeschäft, war es zuletzt fast ausschließlich Gregor Schlierenzauer, der den hohen Erwartungen in Serie gerecht wurde. Seine Dominanz spiegelt sich in mittlerweile 52 Einzel-Erfolgen. Aber in der Nationen-Wertung wurden das erfolgsverwöhnte Team von vielen Konkurrenten ein- und von Norwegen sogar überholt, weil eben nur Rekordhalter Schlierenzauer für die gewünschten Resultate sorgen konnte.

          Raus aus den Klatschspalten

          Ausgerechnet bei einer Veranstaltung in Deutschland, wo die Auswahl der Gastgeber erstmals in dieser Saison ohne Podestplatz blieb, meldete sich am dritten Adventswochenende ein Österreicher in der Weltspitze zurück: Thomas Morgenstern machte in Titisee-Neustadt nach fast zwei Jahren Unterbrechung in einem Weltcup mal wieder positiv von sich reden, ehe ihn das Pech prompt aufs Neue zu Fall brachte warf.

          Der 27-Jährige, über den zuletzt in seiner Heimat hauptsächlich wegen privater Turbulenzen in den Klatschspalten der Regenbogenpresse berichtet wurde, setzte sich am Samstag mit 143,5 und 139 Metern vor Kamil Stoch aus Polen durch (137 und 141,5 Meter). Dritter wurde Simon Ammann aus der Schweiz (144/138).

          Mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus

          Morgensterns Glück wähnte aber nicht lange: Am Sonntagmittag, bei der zweiten Veranstaltung im Neustädter Schmiedsbachtal, die Stoch (142,5/ 138,5) vor Ammann (142,5/141,5) gewann, stürzte er schwer. Nach einem Satz auf 141 Meter im ersten Durchgang verkantete sein linker Ski im Schnee und verdrehte ihm das Bein.

          Nach seinem Ausrutscher, bei dem er mit dem Kopf hart aufschlug, versuchte Morgenstern im Zielbereich aufzustehen, doch er sank nach wenigen Schritten zu Boden und musste an Ort und Stelle von Helfern, darunter der deutsche Teamarzt, versorgt und auf einer Trage abtransportiert werden.

          „Brutal steiniger Weg“

          Pointner, der nach dem Unfall ins Sanitätszelt am Rande der Schanze geeilt war, berichtete „von großen Schmerzen, die Thomas hat“ und „zwei tiefen Cuts im Gesicht“. Zur weiteren Untersuchung wurde er per Hubschrauber in ein Krankenhaus in Villingen-Schwenningen gebracht.

          Dort gab es von Seiten des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) Entwarnung. Erste Diagnosen ließen vermuten, dass der Kärntner relativ glimpflich davongekommen sei, hieß es in einer Mitteilung. Bei der Computertomographie seien schwere Prellungen und Blutergüsse am gesamten Körper und ein Fingerbruch an der rechten Hand diagnostiziert worden. Dazu habe der dreimalige Olympiasieger Abschürfungen im Gesicht erlitten.

          Morgenstern sollte noch in der Nacht ins Klagenfurter Privatkrankenhaus Altis gebracht werden. Dort wird er am Montag nochmals genau untersucht. Danach wird es erste Aufschlüsse über die Dauer seiner Zwangspause geben. „Ich kann mich nur noch erinnern, wie Klitschko zu einem Schlag ausgeholt hat. Danach sind alle Lichter ausgegangen“, wurde Morgenstern zitiert, dem offenbar schon wieder zum Scherzen zumute war. „Ich habe überall am Körper ziemlich heftige Schmerzen, hoffe aber, dass es wirklich nichts Gröberes hat. Ich kann mir aber vorstellen, dass die nächsten Tage ziemlich mühsam werden könnten.“

          Morgenstern hatte nach seinem Coup von einem „brutal steinigen Weg“ gesprochen, der hinter ihm liege: „Viele Hürden sind mir im Weg gestanden, ich habe schon selbst aufgehört, daran zu glauben“, sagte der Kärntner. Ohne eine verlockende Perspektive, Olympia in Sotschi, wäre er möglicherweise kaum noch einmal mit größerem Ehrgeiz in die Vorbereitung auf diesen Winter eingestiegen.

          Eifriger Edelmetallsammler

          Morgenstern besitzt an Veranstaltungen im Zeichen der fünf Ringe beste Erinnerungen: 2006, in Turin, wurde er Sieger von der Großschanze und im Teamwettbewerb; vier Jahre darauf, in Vancouver, wiederholte er das Kunststück mit der Mannschaft. Überhaupt gilt er mit vierzehn Goldmedaillen bei Olympia, Nordischen und Skiflug-Weltmeisterschaften als aktuell eifrigster Edelmetallsammler Österreichs.

          Seinen gelungenen Auftakt im Schwarzwald kommentierte er noch überschwänglich. Morgenstern sprach von einem „sehr emotionalen Moment“ seiner Karriere. Es sei ein befreiendes Erlebnis, obwohl er schon länger das Gefühl habe, „dass wieder alles möglich ist“. Keine 24 Stunden später bestätigten sich seine Worte. Auf unangenehme Art.

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