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Die Lochis : „Schon immer kleine Rampensäue“

  • -Aktualisiert am

Stars aus dem Netz: Roman (links) und Heiko geben bei den Videodays in Köln Autogramme. Bild: dpa

Im Internet sind „Die Lochis“ Stars. Jetzt kommt der erste eigene Film der Brüder aus dem Kreis Groß-Gerau in die Kinos. Der ist nicht besonders gut, aber das macht nichts.

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          Im Sommer 2011 verschüttet Roman Lochmann Milch und lädt davon ein Video auf Youtube hoch, sein erstes überhaupt. Im Sommer 2015 fischt Roman Lochmann einen angebissenen Schokoriegel aus der Mülltonne und isst ihn auf. Der Grund: Er hat beim Schnick-Schnack-Schnuck gegen seinen Zwillingsbruder Heiko verloren. Als Roman sich übergeben muss, kann Heiko vor Lachen kaum die Kamera gerade halten, die das alles für Youtube filmt.

          „Das is so gar nicht lustig, Alter“, faucht Roman in dem Video. Eine halbe Million Zuschauer findet: Doch, das ist sogar ziemlich lustig. Roman und Heiko Lochmann aus dem Kreis Groß-Gerau, 16 Jahre alt, sind „Die Lochis“, haben auf Youtube 1,7 Millionen Abonnenten und kommen an Weihnachten mit einem eigenen Film ins Kino. Für jeden, der älter als 17 ist, muss die Frage gestattet sein: Wie haben sie das bloß geschafft?

          „Wir wachsen und die Zuschauer wachsen mit uns“

          Angefangen haben die Lochis vor viereinhalb Jahren mit Parodien auf bekannte Popsongs, zu denen sie in ihrem Kinderzimmer Videos gedreht haben. 2012 wurden sie beim Deutschen Webvideopreis ausgezeichnet. Inzwischen sind sie 16 Jahre alt und beantworten die Fragen ihrer ebenfalls pubertierenden Zuschauer zu Sex und Schule, zeigen in Sketchen „Die zehn Arten von Eltern“ oder „Die zehn Arten von Girls“. Ganz oft ist das, was sie machen sinnfreie Jungsblödelei. „Schüttet euch mal Eis in die Hose“, wurden sie zum Beispiel von einem Zuschauer aufgefordert. Dann kommt ein Schnitt und Roman steht mit einem Beutel Crushed Ice da: „Heiko, das wird jetzt richtig kalt.“

          Die Lochis gehören zu den erfolgreichsten Youtubern Deutschlands. Sie und die anderen - Mädchen, die Schminktipps geben, und Jungs, die ihre Computerspiele live kommentieren, - sind für ihre Zuschauer ungefähr das, was die „Bravo“ früher war: Ratgeber und Unterhalter.

          Für Erwachsene ist es leicht, das dämlich zu finden. Wenn dieselben Erwachsenen aber mit 15, 16 Jahren Internetvideos gedreht hätten, hätten die wahrscheinlich ungefähr so ausgesehen, wie die von den Lochis. „Wir werden nicht mit 40 noch die gleichen Videos drehen“, sagt Roman. „Wir wachsen und die Zuschauer wachsen mit uns.“ Vielleicht wachsen da gerade zwei neue Jan Böhmermanns heran. „Wir wollen uns als Künstler etablieren“, sagt Roman.

          Der Film ist wenig überraschend

          Youtube ist auch ein riesiges Geschäft. Allein mit ihrem Hauptkanal auf der Videoplattform verdienen „Die Lochis“ zwischen 3700 und knapp 60.000 Euro im Monat, das schätzen Branchenkenner. Sie sind beim Kölner Vermarkter Mediakraft unter Vertrag, und wenn sich Heiko seinen zarten Ziegenbart abrasiert, dann macht er das eben ausdrücklich mit einem Braun Series 3. „Ich finde das überhaupt nicht schlimm“, sagt Roman. „Alle Medien leben von Werbung, da muss man nur mal den Fernseher anschalten.“

          Constantin Film ist Partner von Mediakraft, und die Produzenten waren es, die auf die Lochis zugingen mit der Idee, einen Kinofilm zu machen. „Bruder vor Luder“ wurde im Frühjahr gedreht und kommt an Heiligabend in die Kinos. Die Lochis spielen sich darin selbst. Es geht um ihr ersten Konzert und um ein Mädchen, das versucht, die beiden Jungs auseinanderzubringen. Der Film ist, wenig überraschend, eine Kette pubertärer Witze und für Menschen jenseits der 25 kein besonderes Vergnügen. Aber für die ist er ja auch nicht gedacht. Gut möglich, dass der Streifen mehr Zuschauer in die Kinos locken wird als der gefloppte Youtuber-Film „Kartoffelsalat“ mit Otto Waalkes.

          Für Heiko und Roman ist „Bruder vor Luder“ ein Karrieresprung. Die beiden sind mit ihrem Erwachsenwerden berühmt geworden, nach ihrem Fachabitur im nächsten Frühjahr wird es dann darum gehen, erwachsen zu sein - wohl weiter öffentlich. „Wir waren schon immer kleine Rampensäue“, sagt Roman.

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