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Staatssekretär Nimmermann : Re-Import von der Küste

Aus Kiel nach Wiesbaden: Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Bild: dpa

Der neue Staatssekretär im Ministerium von Tarek Al-Wazir ist sozusagen ein Re-Import. Im Frankfurter Nordend ist er aufgewachsen, an der Goethe-Universität hat er studiert, Eintracht-Mitglied ist er seit Ewigkeiten.

          Kommt da einer von der fernen Ostseeküste an die Binnengewässer von Rhein und Main? Ja und nein. Es stimmt: Bevor Philipp Nimmermann vor wenigen Wochen sein Büro als Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium bezog, war er vier Jahre lang in gleicher Funktion im Finanzministerium Schleswig-Holsteins tätig. Es stimmt aber auch, dass der Dreiundfünfzigjährige sozusagen ein Re-Import ist. Denn bevor er nach Kiel zog, war er als Chefvolkswirt der BHF-Bank in Frankfurt tätig. Mehr noch: Nimmermann ist Frankfurter durch und durch. Im Nordend ist er aufgewachsen, an der Goethe-Universität hat er studiert, Eintracht-Mitglied ist er seit Ewigkeiten, einst kämpfte er in der Rugby-Mannschaft des Vereins. Und demnächst zieht er mit der Familie zurück in die alte Wohnung ins Nordend. Die Waterkant bleibt eine Episode in seinem Leben.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Aber es sind vier Jahre, in denen er sich einen äußerst guten Ruf erarbeitet hat. Nimmermann war dort vor allem mit der Privatisierung der HSH Nordbank befasst, die nach der Finanzkrise 2009 zunächst mit Staatshilfen gerettet werden und dann an private Investoren verkauft werden musste. „Mr. Nordbank geht“, hieß es im Regionalteil der „tageszeitung“, als der Wechsel zurück nach Hessen publik wurde, die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, Nimmermann habe den Verkauf des Kreditinstituts praktisch im Alleingang verhandelt. „Ohne Nimmermanns Expertise, auch da sind sich im Kieler Landeshaus viele einig, stünde Schleswig-Holstein im Umgang mit der milliardenschweren Altlast ziemlich blank da“, urteilten Kollegen von der „Welt“.

          Ein rares Exemplat

          Jemand mit Führungserfahrung in einer Bank, der sich in die Niederungen der Politik begibt, ist schon selten. Dass es dann noch ein Mitglied der Grünen ist, macht Nimmermann vollends zu einem raren Exemplar. Doch Sympathie für die Partei hatte er schon lange, kein Wunder bei einer Sozialisation in einem Kinderladen im Nordend, der „Kinderschule“ an der Eschersheimer Landstraße. Während des BWL-Studiums an der Goethe-Universität engagierte er sich in der den Grünen nahestehenden Hessischen Gesellschaft für Demokratie und Ökologie, irgendwann vor zwei Jahrzehnten trat er der Partei bei. „Ich war schon immer politisch, aber im Hintergrund“, berichtet er.

          Die Entscheidung, die BHF-Bank zu verlassen und in das von der Grünen-Politikerin Monika Heinold geführte Finanzministerium in Kiel zu wechseln, sei spontan gewesen, er habe diesen Schritt aber niemals bereut. Dass sich Anfang des Jahres die Möglichkeit ergab, eine nicht weniger spannende Tätigkeit in seinem Heimat-Bundesland zu übernehmen, fand er dann aber auch gut. „Es ist doch etwas anderes, Politik zu machen in dem Land, in dem man aufgewachsen ist“, sagt er.

          Auch für Finanzplatz zuständig

          Die Landesbeteiligungen allerdings werden auch in Hessen vom Finanzministerium verwaltet. Im Wirtschaftsministerium ist Nimmermann jedoch für die Wirtschaftspolitik in ihrer ganzen Breite zuständig und damit auch für den Finanzplatz. Das Superministerium Tarek Al-Wazirs (Die Grünen) ist das einzige mit zwei Staatssekretären; Nimmermanns Kollege Jens Deutschendorf kümmert sich um die Verkehr, Energie- und Wohnungspolitik.

          Redet man mit Nimmermann über die Zukunft des Finanzplatzes, kommt er sehr schnell auf das Green-Finance-Cluster zu sprechen; die Tatsache, dass Banken auch Geld für nachhaltige Investments bereitstellen, versöhnt Grüne ein wenig mit der Finanzwelt, der viele doch etwas fremd gegenüberstehen. „Nur Gewinn-Maximierung kann es nicht sein“, sagt denn auch Nimmermann, „man kann auch Gutes tun und Geld verdienen.“ Mit Bankern kann man über alles reden, auch darüber; sie werden es zu schätzen wissen, dass da einer kommt, dem der Ruf vorauseilt, selbst schon einmal einen Deal gemacht zu haben. Und mehr noch: der tatsächlich Banken auch von innen kennt.

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