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Braunkohlestaub-Anlage : „Wir unterschreiten alle deutschen Grenzwerte“

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Saubere Sache: Weylchem-Geschäftsführer Rafael Reiser weist die Kritik am geplanten Braunkohlestaub-Kraftwerk in Frankfurt zurück.. Bild: Marcus Kaufhold

Das Unternehmen Weylchem will künftig in Frankfurt-Griesheim mit Braunkohlestaub Dampf erzeugen. Geschäftsführer Rafael Reiser versteht die Aufregung darum nicht, im Interview verteidigt er das Vorhaben.

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          Sie wollen im Industriepark Griesheim zum Ärger vieler Anwohner ein Braunkohlestaub-Kraftwerk bauen lassen. Warum muss es dieser Brennstoff sein?

          Rafael Reiser: Ganz einfach: Es ist der einzige in Deutschland verfügbare Brennstoff, der noch international wettbewerbsfähig ist. Alles andere ist deutlich teurer und zu teuer. Braunkohlestaub zu verwenden ist möglich und erlaubt. Und er wird nach den neuesten Standards verfeuert. In Anbetracht der technologischen Möglichkeiten arbeitet die von uns gewählte Anlage sehr sauber. Genau genommen bauen wir kein Kraftwerk, sondern eine recht kleine Dampferzeugungsanlage.

          Die Verbrennung von Gas gilt aber als sauberer.

          Gas ist etwa doppelt so teuer wie in den Vereinigten Staaten, und wir stehen im Wettbewerb auf den Weltmärkten. Das gilt auch dann, wenn ein Kunde von uns in Deutschland sitzt. Der kennt auch die Preise, die internationale Konkurrenten von uns aufrufen.

          Sie sagen, die geplante Anlage gleiche dem Kraftwerk auf dem Gelände der Allessa in Fechenheim, die demselben Investor gehört wie Weylchem, und arbeite sauber. Kritiker bezweifeln das. Was sagen Sie denen?

          Wir sagen, dass wir die schon anspruchsvollen deutschen Grenzwerte stark unterschreiten. Das gilt etwa für Schwefel- und Stickoxide oder auch für Feinstaub. Was wir bauen lassen wollen, ist eine der modernsten Braunkohlestaub-Anlagen, die es gibt. Sie hat einen Wirkungsgrad von 91 Prozent – das ist im Vergleich zu anderen Technologien sehr viel. Deshalb wird diese Technologie gegenwärtig immer stärker im Ausland nachgefragt.

          Das neue Kraftwerk wird aber mehr Kohlendioxid ausstoßen als das bestehende. Muss das sein?

          Zum einen ist Kohlendioxid ein weltweites Thema. Zweitens: Wir als Unternehmen müssen bei jeder Entscheidung zwischen dem ökologisch Wünschenswerten und dem ökonomisch Vernünftigen abwägen. Das haben wir getan. Wir emittieren lediglich rund zwölf Prozent mehr Kohlendioxid als mit der bestehenden Anlage.

          Das Frankfurter Umweltdezernat hofft gleichwohl darauf, dass Sie zusätzliche Filter einbauen lassen. Werden Sie diese Hoffnung erfüllen?

          Wir wissen gar nicht, was wir noch filtern sollten. Auch bei Quecksilber unterschreiten wir sogar die noch strengere amerikanische Norm deutlich. Wir sehen weder inhaltlich noch rechtlich eine Notwendigkeit für zusätzliche Filter.

          Verstehen Sie die Aufregung unter Anliegern des Industrieparks Griesheim?

          Nein, wir verstehen sie nicht – und zwar aus verschiedenen Gründen. Wir haben frühzeitig mitgeteilt, was wir bauen lassen wollen, und alle Nachweise erbracht, was die Anlage an Schadstoffen ausstößt. Wir haben allen Kritikergruppen Gespräche angeboten, die es auch gegeben hat. Die Aufregung stützt sich nach unserer Einschätzung nicht auf Fakten, sondern auf Gefühle. Dass dies auch nach den Gesprächen noch so ist, können wir nicht verstehen. Zudem irritiert uns, dass die wirtschaftlichen Belange aus unserer Sicht nicht genügend gewürdigt werden. Bei Weylchem in Griesheim geht es um 210 Arbeitsplätze, am gesamten Standort um 750. Man muss auch die Interessen von Firmen und Mitarbeitern sehen.

          Kritiker fordern von Ihnen, erneuerbare Energie einzusetzen. Warum tun Sie das nicht?

          Erneuerbare Energien sind nicht wettbewerbsfähig, sie leben von der staatlichen Unterstützung. Wir erhielten nicht ausreichend Förderung, um die Lücke zur Wettbewerbsfähigkeit zu schließen. Zudem: Wir brauchen große Mengen Dampf – wir reden über 25 bis 30 Tonnen je Stunde in der Spitze, rund um die Uhr, im Sommer wie im Winter. Dies kann gegenwärtig mit erneuerbaren Energien nicht geleistet werden.

          Als das Regierungspräsidium Darmstadt das Braunkohlestaub-Kraftwerk in Fechenheim genehmigte, stand ein FDP-Mann der Behörde vor, nun leitet ein Grünen-Mitglied die Behörde. Erwarten Sie deshalb Gegenwind im anstehenden Genehmigungsverfahren?

          Nein, den erwarten wir nicht. Wir vertrauen darauf, dass deutsche Behörden deutsches Recht vollziehen.

          Die Fragen stellte Thorsten Winter.

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