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Konzentriert: Im Trainingsraum der Homburger Turngemeinschaft (HTG) zeigt der Sportler seine Künste. Bild: Maximilian von Lachner

Mit Rope Skipping erfolgreich : Akrobatik mit dem Springseil

Johannes Kowalski trainiert Rope Skipping im Verein und in der elterlichen Küche. Jetzt war der Schüler aus dem Hochtaunuskreis bei der Europameisterschaft in der Slowakei am Start. Mit Erfolg.

          3 Min.

          In den entscheidenden Sekunden in Bratislava hat sich Johannes einfach vorgestellt, er wäre zu Hause in der Küche. Der 15 Jahre alte Schüler kann seinen Sport an beiden Orten treiben: in den eigenen vier Wänden und auf internationalen Wettkämpfen. Johannes Kowalski macht Rope Skipping. Das ist Seilspringen, aber mit Vereinstraining und Meisterschaften – und mit viel Akrobatik. Vor Kurzem hat der Junge aus dem Hochtaunuskreis in der slowakischen Hauptstadt bei der Europameisterschaft einen sechsten Platz geholt, in seiner „absoluten Lieblingsdisziplin“: Beim 30-Sekunden-Speed gilt es, in ei­ner halben Minute möglichst viele Sprünge zu schaffen.

          Florentine Fritzen
          Korrespondentin im Hochtaunuskreis

          Der Friedrichsdorfer versetzte sich geistig in die elterliche Küche im Stadtteil Köppern und schaffte 82. Wobei nur der rechte Fuß gezählt wird, denn gesprungen wird in dieser Disziplin immer abwechselnd mit links und rechts. Das Seil ging in den 30 Sekunden also 164-mal unter Johannes’ Sportschuhen durch – und das, ob­wohl er einmal hängenblieb. Außer Küche und Wettkampfhallen gibt es noch einen dritten Ort, an dem Johannes regelmäßig seilspringt.

          Nur der rechte Fuß zählt

          Zweimal in der Woche trainiert er zwei Stunden lang bei der Homburger Turn­ge­meinde HTG. Dorthin ist er mit seiner Mutter gekommen, um seine Kunst vorzuführen. Michaela Kowalski leitet die Abteilung Rope Skipping bei dem Bad Homburger Verein, in dem fast 50 Kinder und Jugendliche seilspringen. Johannes, deutscher Vizemeister seiner Altersklasse, wärmt sich etwas auf, dehnt Arme und Beine. „Manche Elemente beim Rope Skipping beanspruchen die Bänder sehr.“

          Für die Lieblingsdisziplin nimmt er von seinen acht Springseilen ein kurzes aus Draht. Und springt. Der Oberkörper ist nach vorn gebeugt, der Blick geht starr zu Boden, das dunkelblonde Haar wippt über der Stirn. Die Beine rattern wie zwei Haken einer Maschine auf und ab, schneller, als dass Betrachter sie scharf wahrnehmen können. Fast im rechten Winkel schießen sie etwa bis Hüfthöhe und wieder herunter. Der rechte Schnürsenkel leuchtet neongelb.

          Denn nur dieser Fuß zählt. „So können die Kampfrichter ihn besser sehen.“ Johannes ist fertig und schnauft leicht. In der krummen Haltung, die er sich 2019 bei der Weltmeisterschaft in Oslo bei den Chinesen abgeschaut hat, wird die Lunge zusammengepresst. Deshalb seien 30 Sekunden Speed anstrengender, als drei Minuten aufrecht zu springen. Vor Bratislava hat er daher nicht nur Kraftübungen gemacht, sondern ist für die Ausdauer auch joggen gegangen.

          Johannes mag am Springen auf Zeit, „dass man sich dabei selbst battlen kann“. Es sei, „wie durch einen Tunnel zu fahren“. Auch beim Freestyle versucht er, sich „völlig zu konzentrieren auf diese eine Sache, alles andere auszublenden“. Darauf zu achten, was er fühle und höre. Sein Körper und das Seil melden ihm auf diese Weise, ob er noch im richtigen Takt ist oder irgendwo nachjustieren muss.

          Für die Europameisterschaft war er einer von einem Dutzend deutschen Springern. Die gesamte erste Ferienwoche hat er dort verbracht. Für die Freistil-Disziplin hatte er sich einen Ablauf zu Musik ausgedacht. „Aber leider ist mir das Seil an den Füßen hängen geblieben und nach hinten weggeflogen.“ Johannes zeigt ein paar akrobatische Sprünge, diesmal mit einem kräftigeren, längeren Seil. Aus dem Liegestütz springt er komplett hoch und „zieht das Seil durch“, wie er sagt.

          Weltmeisterschaft in Colorado im Blick

          Dasselbe gibt es mit Handstand. In den „Brezel-Kombis“ verschlingt er das Seil unter den Beinen, bei Doubles, Triples und Quads schwingt es bei einem einzigen Sprung mehrmals unter den Füßen durch. Einige Sprünge haben englische Namen aus den Initialen der Erfinder, zum Beispiel „AS“ oder „TJ“. Michaela Kowalski sagt: „Wenn du irgendwann einen erfindest, dann ist das ein JK.“

          Viele Sprünge hat er von seiner 17 Jahre alten Schwester Clara gelernt. Sie ist inzwischen schon Trainerin. Johannes, der nach den Sommerferien in die neunte Klasse der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf kommt, hat als Grundschüler angefangen. Bis heute ist er im Verein der einzige Junge in seiner Altersklasse. Vom Fußball, wofür er als Torwart bei der Teutonia Köppern ebenfalls zweimal in der Woche trainiert, kannte er das nicht. „Da sind wir nur Jungs.“

          In der vorletzten Fe­rienwoche wird er in einem Camp ein paar jüngere Jungen im Rope Skipping schulen. Vielleicht, hofft Michaela Kowalski, kann der Verein bald auch eine Jungenmannschaft zu Wettkämpfen schicken. Ihr gefällt, dass die junge Sportart so unkompliziert ist – und dass die Ju­gendlichen darin so weit kommen können. „Das hat auch in der Pandemie vielen geholfen.“

          Nächstes Jahr ist die Weltmeisterschaft in Colorado. Johannes hofft, sich zu qualifizieren. In Oslo gab es 2019 eine Novizen-Kategorie zum Schnuppern, diesmal will er als regulärer Teilnehmer mitmachen. Bei der WM könnte es schwieriger werden als bei der EM in Bratislava, meint er. Weil die Chinesen so gut seien. Deren Speed-Technik hat er immerhin schon drauf.

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