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Der Wandertipp : Ein Hauch von Meeresstrand

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Eine zehnköpfige Bisonherde ist die Attraktion im frei zugänglichen Wildpark am Waldrand bei Mannheim Bild: Thomas Klein

Im hessisch-badischen Grenzgebiet sind nacheiszeitliche Dünen und Nadelwälder rund um den „Glockenbuckel“ zu einem außergewöhnlichen Refugium geworden. Das Naturschutzgebiet Oberlücke lädt zu einer Wanderung ein.

          5 Min.

          Das winterliche Hochwasser hat in Erinnerung gerufen, dass Flüsse durch Begradigungs- und Schutzmaßnahmen zwar zu bändigen, aber letztlich kaum zu beherrschen sind. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wussten sich Anrainer auf die Naturgewalten einzustellen, indem sie Abstand zu den unberechenbaren Mäandern hielten. Einige Jahrtausende früher wäre das nicht ausreichend gewesen. Ausgangs der letzten Eiszeit vor 10000 bis 12000 Jahren wälzte sich der Rhein nach Schneeschmelzen mehrere Kilometer breit durch die Ebene, um sich bei Trockenheit in zahlreiche Rinnsale aufzufächern. Zurück blieben gewaltige Schotter-, Ton- und Sandablagerungen, aus denen starke Westwinde feinere Partikel lösten und jene flachwellige Landschaft formten, wie sie den rund 150 Kilometer langen Streifen zwischen Nordbaden und dem Untermain prägt.

          Der größte Sandkasten Südhessens – das Schutzgebiet Glockenbuckel bei Viernheim mit seinem aus Flugsanddünen gebildeten Profil.
          Der größte Sandkasten Südhessens – das Schutzgebiet Glockenbuckel bei Viernheim mit seinem aus Flugsanddünen gebildeten Profil. : Bild: Thomas Klein

          Festgehalten wurden die Flugsande von der mit wärmerem Klima einhergehenden Bewaldung. Erst im Mittelalter setzten großräumige Rodungen ein. Zum Schutz vor Verwehungen säte man seit dem späten 18. Jahrhundert die anspruchslose Kiefer aus. Sie bewahrte die ursprüngliche Landschaftsgestalt, den besten „Schutz“ bot jedoch die militärische Nutzung.

          Abzug der Truppen in den neunziger Jahren

          Schon im Kaiserreich schirmten Manövergelände im südhessischen Viernheim große Flächen vom Erschließungsdruck ab. Selbst der Sandabbau blieb peripher. Seit der Einstellung im Jahr 1980 lief die Grube Oberlücke nahe dem Autobahn-Dreieck von A6 und A67 voll und schuf damit ein Naherholungsraum. Wegen seiner Bedeutung als Rast- und Brutplatz zahlloser Vogelarten erhielt es schon fünf Jahre später den Status eines Naturschutzgebietes.

          Das Militärgebiet wurde mit dem Abzug amerikanischer Truppen seit den neunziger Jahren zugänglich. Von Munitionsresten, Schieß- und Betonbahnen befreit, stehen nun weite Flächen um eine der höchsten Dünen, dem sogenannten Glockenbuckel, zwischen Mannheim und Viernheim unter Natur- und Landschaftsschutz. Jetzt vermittelt es einen Hauch von Meeresstrand. Größtenteils belässt man die Bäume, und so verrät das bewegte Bodenrelief, wo einst Dünen emporwuchsen. Dass auf einigen Bisons grasen, ist keine Sinnestäuschung. Eine kleine Herde dieser Tiere bereichert den frei zugänglichen Wildpark am Mannheimer Stadtrand.

          Wegbeschreibung

          Viernheim ist auf dem Schienenweg gut an Mannheim und Weinheim angebunden. Vom Bahnhof läuft man in etwa 20 Minuten durch die Heidelberger und Karl-Marx-Straße, überwechselnd auf die Saarlandstraße, über den Ortsrand hinaus und jenseits der Autobahn bis zum Waldrand. Der dortige Parkplatz eignet sich als Einstieg für Autofahrer.

          Schon nach 300 Metern tritt der Forst an einer großen Kreuzung zurück. Vis-à-vis gelangt man über die sandige Rampe auf den 15 Meter hohen Glockenbuckel. Unterdessen ist er fast zugewachsen. Wieder abgestiegen, hält man sich nach links und folgt der Freifläche mit Linksbogen, der dann in Wald wechselt.

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          Kaum unter Bäumen, biegt man auf den ersten rechts abführenden, etwas unscheinbaren Weg für die Schleife über das Natuschutzgebiet Oberlücke. Es lässt sich aussparen, wenn man geradeaus weiterläuft. Beim Hauptweg geht es nach etwa 300 Metern wieder vor den Forst, links an einem Pferdehof kurz hinüber zur Parkfläche nahe der ausgedehnten Wochenendsiedlung. Hier wählt man den halbrechts schnurgerade zwischen den Parzellen verlaufenden Fahrweg, bald rechtsseitig für das naturgeschützte Gewässer zurückstehend. Der dichte Uferbewuchs erlaubt allerdings nur vereinzelt Einblicke. Am besten sind Schwäne und im oberen Schilfgebiet mit etwas Glück Graureiher und Kormorane zu beobachten.

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