Obdachlosen Getötet :
„Der war in Rage und hatte den Tunnelblick“

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Ort der Aufklärung: Vor dem Hanauer Landgericht muss sich ein Ukrainer wegen des Todes eines Obdachlosen verantworten.
Ort der Aufklärung: Vor dem Hanauer Landgericht muss sich ein Ukrainer wegen des Todes eines Obdachlosen verantworten.dpa

Im Mai 2025 verprügelt ein 51 Jahre alter Ukrainer einen Obdachlosen in Hanau so schwer, dass er drei Monate nach der Tat stirbt. Vor Gericht gesteht er die Prügelattacke. Doch wollte er sein Opfer auch töten?

Als Andrii K. am späten Abend des 4. Mai 2025 auf der Nürnberger Straße in Hanau an einer Apotheke vorbeiläuft, wird er angesprochen: Ein 58 Jahre alter Obdachloser, der an dem Laden kampiert, will von ihm „eine Kippe“. K. rastet aus, so sagt er, und prügelt auf den Älteren ein, immer wieder Schläge gegen den Kopf. Erst als ein Zeuge einschreitet, lässt er von seinem schon bewusstlosen Opfer ab und verlässt den Tatort. Sein Opfer wird nie mehr zu Bewusstsein kommen, gut drei Monate später stirbt der Achtundfünfzigjährige in einem Krankenhaus. Seit Mittwoch wird der Fall vor dem Hanauer Landgericht verhandelt, zu Beginn des Prozesses hat K. die tödlichen Hiebe gestanden.

Die Frage nach dem Täter wurde also schnell geklärt, andere Themen werden das Gericht unter Vorsitz von Niels Höra im Verfahren weiter beschäftigen. Zum Beispiel steht die Frage im Raum, ob der Täter betrunken war und, wenn ja, wie stark. Weiteres Thema: Wollte Andrii K. den Obdachlosen töten, mit dem er laut Staatsanwaltschaft schon früher aneinandergeraten sein soll. Zudem muss das Gericht klären, warum er schließlich von seinem Opfer abließ. War es die Einsicht, dass er zu weit gegangen war, oder die Angst vor der Polizei, mit der ihm der Zeuge drohte? Von diesen Fragen hängt ab, wie das Urteil gegen den Ukrainer ausfallen wird.

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K., ein stämmiger Mann, dem man sein Training als Kraftsportler ansieht, stammt aus der Ukraine. In Deutschland lebt er seit 2012, heißt es in seiner von Anwalt Sebastian Schmidt verlesenen Erklärung. Demnach folgte er seiner Frau und seinem Sohn, die schon länger hier Fuß gefasst haben. Am Abend der Tat, so lautet seine Schilderung, habe er „massiv“ getrunken, Bier und mindestens eine Flasche Wodka, nachdem er zuvor erfahren habe, dass ein Freund aus Kindheitstagen im Krieg in der Ukraine gefallen sei.

Mutiger Passant schreitet ein

Auf dem Heimweg, gegen 23.15 Uhr, habe ihn dann der Obdachlose „aggressiv angepöbelt“ und eine Zigarette gefordert. K. fühlt sich provoziert, will dem Mann „eine Abreibung verpassen“ und schlägt mit der Faust auf ihn ein.  Zu Sinnen sei erst gekommen, als ihn der Zeuge angesprochen habe und er sein blutendes Opfer sah – in Panik habe er dann die Flucht ergriffen. Später habe er überlegt, ob er sich stellen sollte, das aber aus Angst unterlassen. Tatsächlich dauert es bis zum Februar, bis ihn die Polizei wegen der Tat festnimmt, die ihm „unendlich leidtut“.

Gut möglich, dass K. weiter auf sein Opfer eingeprügelt hätte, wenn nicht ein mutiger Passant eingeschritten wäre. Der 24 Jahre alte Mann aus Frankfurt ist auf dem Weg zur Wohnung seiner Schwester, als er am Tatort vorbeikommt: „Ich habe versucht, alles aufzuhalten.“ Während ein weiterer Zeuge tatenlos bleibt und dann mit einem E-Scooter von dannen fährt, läuft der Mann zu K., schreit ihn an und zieht in von seinem Opfer weg, das K. bis dahin mit weit ausgeholten Schlägen malträtiert.

Noch einmal tritt K. den ohnmächtigen Obdachlosen, „nuschelt“, der andere sei schuld, und verlässt den Stellplatz an der Apotheke, als der Zeuge droht, die Polizei zu rufen. Dann kümmert sich der Helfer um das Opfer. Ihm sei klar gewesen, dass es um Leben und Tod gehe: Das Gesicht des Opfers sei komplett verquollen gewesen, „alles lila“ und blutig, er habe nur noch röchelnd geatmet. Ob der Täter nach seiner Einschätzung betrunken gewesen sei, fragt Höra den Zeugen. Ja, antwortet er, den Eindruck habe er wegen der Sprechweise des Manns gehabt, aber andere Anzeichen für Trunkenheit habe er nicht bemerkt: „Der war in Rage und hatte den Tunnelblick.“

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