https://www.faz.net/-gzg-9pv1e

Spring Park Valley : In Bad Vilbel soll die Bürostadt der Zukunft entstehen

Vor den Toren Bad Vilbels: das geplante Innovationsquartier Spring Park Valley Bild: CESA Spring Park GmbH

Die Erschließungsarbeiten für das 800-Millionen-Euro-Projekt haben begonnen. In fünf Jahren sollen dort 6500 Menschen leben und arbeiten - am besten mit wenig Straßenverkehr.

          Geschäfte führen, forschen und entwickeln, wohnen und Freizeit gestalten – und das alles an einem Ort. Im Bad Vilbeler Quellenpark entsteht eine neue Art von Bürostadt, die Planer sprechen von Europas größtem Innovationsquartier, in dem 6500 Menschen leben und arbeiten sollen. Dieser Tage haben die Erschließungsarbeiten für das Großprojekt begonnen, in das die Berliner Unternehmensgruppe Cesa über eine Tochterfirma rund 800 Millionen Euro investieren will. In etwa fünf Jahren, so schwebt es dem Initiator des Vorhabens, dem Bad Homburger Projektentwickler Joerg-Peter Schultheis, vor, soll alles fertig sein.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Zunächst geht es darum, Leitungen zu verlegen und Straßen zu bauen, was wohl bis Mitte 2020 vonstattengeht. Anfang 2021 sollen die ersten Gebäude hochgezogen werden. Beim derzeitigen Stand – die Baugenehmigung wird erst noch erwartet – können die Investoren mit der Vermarktung zwar noch nicht beginnen, Laut Schultheis gibt es aber eine Liste mit etwa 2000 Interessenten. Darunter seien viele Start-ups, aber auch größere Firmen vor allem aus der Technologiebranche.

          Arbeiten, Wohnen, Erholung

          Das Quartier soll etwa 90.000 Quadratmeter groß sein. Es befindet sich im Zentrum des Quellenparks zwischen B 3, Main-Weser-Bahn und Homburger Straße. Für die Gebäude wird eine Geschossfläche von gut 240.000 Quadratmetern genannt. So soll sich in einem Stück eine große Lücke in dem riesigen Neubaugebiet Quellenpark am nordwestlichen Stadtrand schließen. Zudem erhofft sich die Stadt laut Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), dass das Quartier Strahlkraft über Bad Vilbel hinaus hat und die Stadt von Arbeitsplätzen und vielfältigen Angeboten profitiert. Der Bau von Smart City, wie die Entwickler und Planer das Quartier bezeichnen, ist für die Stadt auch lukrativ, denn sie nimmt aus den Grundstücksverkäufen nach Angaben von Stadtrat Klaus Minkel (CDU), der bei dem Projekt federführend für die Kommune tätig ist, rund 40 Millionen Euro ein.

          Entstehen soll ein intelligent vernetztes Quartier, etwa mit Datenabruf von überall und zu jeder Zeit, das den Ansprüchen nach zeitlicher und räumlicher Flexibilität in der Arbeitswelt gerecht wird, wie es heißt. Zugleich soll es Akzente für Siedlungsstrukturen setzen und Arbeiten, Wohnen, Erholung und Freizeit miteinander verknüpfen. Auch städtebaulich Akzente sollen gesetzt werden. So soll das Ensemble aus sieben unterschiedlich gestalteten und begrünten Gebäuden keine Ecken aufweisen, ovale und runde Formen sollen dominieren.

          Wenig Verkehr erwünscht

          In Richtung Bahnlinie wird die im Zentrum vielstöckige Bebauung flacher und läuft in eine Art Landschaftspark aus, der das neue Viertel mit den Wohnhäusern verbindet. Was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, ist beispielsweise vorgesehen, dass rund 20 Prozent des Energiebedarfs durch Photovoltaikanlagen an den Gebäuden gewonnen werden. Smart City soll fast ohne Verkehr auskommen. In der Nähe der B3 als Hauptzufahrt aus dem Rhein-Main-Gebiet sehen die Planer ein Parkhaus mit 1800 Plätzen vor, wo auch eine Carsharing-Station mit Elektroautos eingerichtet werden könnte. Hinzu kommt eine Tiefgarage unter dem zentralen Quartiersplatz.

          Ansonsten werden die Straßen weitgehend um den Büropark herumgeführt. Durch das Viertel selbst kommt man am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Wer mit dem Rad ins Büro kommt, findet überall Möglichkeiten zum Abstellen, es soll rund 1500 Plätze dafür geben.

          Impulse für die Arbeit

          Der Entwurf führt sieben unterschiedlich gestaltete Gebäude auf, sogenannte Themen-Domes. So sollen alle Mitarbeiter Räume vorfinden, die ihren Bedürfnissen und Aufgaben entsprechen. Inspiration für neue Ideen etwa soll der Future Dome bieten, in dem entsprechende technische Ausstattung mit ungewöhnlicher Innenarchitektur verknüpft werden soll. Im Action Dome stehe das Miteinander im Vordergrund, nicht nur, wenn es darum gehe, Impulse für die Arbeit zu geben, sondern auch bei gemeinsamen sportlichen Aktivitäten, heißt es.

          In den verschiedenen Domes sollen sich Bewohner und Mitarbeiter entspannen und auf vielfältige Weise kreativ betätigen können. Der Welcome Dome soll erste Anlaufstelle für die Smart City sein, wo Besucher empfangen und neuen Mitarbeitern ihre Büros zugewiesen werden. Wobei jedoch nicht allzu viele feste Büroräume vorgesehen sind, stattdessen sollen sich die Firmen ihre Arbeitsplätze nach Wunsch suchen.

          Die Häuser sollen an allen Tagen rund um die Uhr geöffnet sein. Neben einem Hotel mit 300 Betten soll es auch etwa 1000 Service-Appartements geben, wo Mitarbeiter von Firmen Quartier beziehen können, die für einige Wochen oder ein paar Monate bleiben wollen. Aber auch wer sich auf Dauer in der Bad Vilbeler Smart City niederlassen will, soll zum Zuge kommen. Geplant ist, etwa 350 Wohnungen einzurichten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach einem ungeregelten Brexit im Oktober könnte Joghurt wegen der erschwerten Einfuhrbedingungen und der möglichen Knappheit Seltenheitswert haben.

          Ungeregelter Brexit : Wenn der Joghurt zum Luxus wird

          Wenn Joghurt zum Luxusgut wird. Das könnte dem Vereinigten Königreich tatsächlich bei einem ungeregeltem Brexit am 31. Oktober passieren. Besonders die britische Milchindustrie fürchtet sich vor kommenden Engpässen.
          Mit virtueller Realität direkt ins Herz der Immigranten – Iñárritus Sechseinhalb-Minuten-Installation in Cannes.

          Künstliches Herz : Organ aus dem 3D-Drucker

          Forscher konstruieren eine künstliche Herzkammer und Muskelzellen, die synchron schlagen. Noch fehlt Entscheidendes, damit Ersatzorgane aus dem 3D-Drucker entstehen können.
          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.