Bahnhof Friedrichsdorf : Mit Hindernissen zur Barrierefreiheit

Weil viele Widrigkeiten zusammenkamen, verzögerte sich der barrierefreie Umbau des Bahnhofs. Doch nun können die Friedrichsdorfer stufenfrei die Bahnsteige erreichen.
Betongrau auf Gelb prangt die Zahl an der Unterführung: 2023. Da hätte die barrierefreie Sanierung des Bahnhofs Friedrichsdorf und Endhaltestelle der S-Bahn-Linie 5 eigentlich fertig sein sollen. Das ist nicht gelungen – doch was sind schon drei Jahre angesichts jahrzehntelanger Verzögerungen bis zum ersten Baggerstich?
Zwei neue Aufzuganlagen hat der Bahnhof nun und neue Fahrradabstellanlagen. Die Bahnsteige, jetzt stufenfrei erreichbar, wurden erhöht, bekamen neue Überdachungen und Ausstattungen, bessere Beleuchtung und taktile Leitsysteme. Nun sind noch einzelne Restarbeiten zu erledigen. Am Donnerstag ist schon das erste Graffiti aus der frisch gekachelten Unterführung von zwei Männern mit Spachteln entfernt worden, während ein paar Meter weiter feierlich ein rotes Band durchgeschnitten wurde.
Insgesamt kostete die Sanierung 32,1 Millionen Euro. 17,9 kommen vom Bund über die LuFV, die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bundesrepublik und Bahn. Zehn Millionen Euro steuerte das Land bei, damit es im eigenen Bundesland schneller mit der Barrierefreiheit vorangeht. „Die Übung ist nicht ganz gelungen“, sagte Bernhard Maßberg, im hessischen Wirtschaftsministerium Abteilungsleiter Mobilität, angesichts der Verzögerungen. „Doch sonst wäre der Bahnhof vielleicht erst in zehn Jahren dran gewesen.“

Leider wisse man bei alten Bahnanlagen nicht, wie der Untergrund aussehe, und hier sei alles zusammengekommen, was zusammenkommen konnte. Sprich: herrenlose Rohrleitungen, Materialknappheit und die Schwierigkeit, Sperrzeiten zu beantragen.
Mit einer guten Million Euro hat sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund an den Planungskosten beteiligt. Für ihn ist der Haltepunkt nicht unwichtig. Eine S-Bahn und zwei Regionalzuglinien verkehren hier, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Voraussichtlich von 2028 an solle die Linie S5 bis Usingen fahren, und die RB16 zwischen Friedrichsdorf und Friedberg soll bis Bad Homburg verlängert werden.
Auch die Stadt beteiligt sich mit knapp zwei Millionen Euro. „Wir haben etwa 60-mal zum Jour fixe zusammengesessen“, sagt Bürgermeister Lars Keitel (Die Grünen). Doch er nimmt es gelassen, denn schon 1862 begannen die Bürger seiner Stadt für einen Bahnhof zu kämpfen, der erst 1895 gebaut werden sollte.
Ganz so lange dauerte es dieses Mal nicht, auch wenn die Zeit eine enorme Belastung für viele Fahrgäste war. Und so lässt sich der Bürgermeister die Gelegenheit nicht nehmen, den Blick nach Süden zu richten, wo mit Friedrichsdorf-Seulberg eine weitere Bahnstation der Sanierung harrt. „Die Stadt steht zu weiteren Gesprächen bereit“, sagt Keitel.
Im nächsten Jahr soll der Bahnhof Friedrichsdorf aber erst einmal eine goldene Plakette bekommen, die ihn als „Zukunftsbahnhof“ ausweist. Pendler finden dann alles, was sie brauchen – bis auf eine Toilette. Denn das Empfangsgebäude mit Kiosk und Imbiss gehört der Bahn schon länger nicht mehr.





