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Raubkunst in Rhein-Main : Billige Beute für Hitlers Kunstkäufer

Raubkunst: Der Mainzer Rathauschef Ebling (links) gibt in Höchst gefertigte Porzellanfiguren an Heinz Rauber, Chef der Budge-Stiftung, zurück Bild: Röth, Frank

Raubkunst findet sich vielerorts. Porzellanfiguren aus der Sammlung Budge hat nun das Mainzer Landesmuseum zurückgegeben. Zu den Erben zählt das Frankfurter Budge-Heim.

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          Die Frankfurter Henry- und Emma-Budge-Stiftung ist um geschätzte 2500 Euro reicher geworden. So groß dürfte ihr Anteil an dem Verkaufserlös von fünf Porzellanfiguren aus dem Bestand des Landesmuseums Mainz sein, die der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) den Erben der Emma Budge erstattet hat. Bei den Figuren aus der Porzellanmanufaktur Höchst mit einem Schätzwert von 50.000 Euro handelt es sich um Raubkunst. Die Stadt Mainz hatte die Objekte 1937 bei einer Versteigerung in Berlin erworben und dem Landesmuseum als Dauerleihgabe übergeben.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Ausdruck „reich“ ist freilich bei der Frankfurter Budge-Stiftung nicht angebracht. Reich oder zumindest wohlhabend war sie vor der Ausplünderung durch die Nationalsozialisten. Die Stiftung betrieb damals am Edingerweg im Stadtteil Dornbusch ein christlich-jüdisches Heim für alleinstehende alte Menschen. 1939 wurden aber die letzten jüdischen Bewohner vertrieben und die Stiftung zwei Jahre später zwangsaufgelöst. Nach dem Krieg zahlte die Stadt zwar Wiedergutmachung, und die Stiftung konnte mit diesem Geld auch ein Altenheim in Seckbach bauen. Doch das Stiftungsvermögen war und blieb kärglich.

          Unter Wert versteigert

          Seit einigen Jahren hängt im Foyer des Budge-Heims ein Gemälde des holländischen Meisters Adriaen Hendriks Verboom, das eine elegante Gesellschaft beim Kegelspiel zeigt. Es stammt aus der Sammlung von Emma Budge, die nach deren Tod 1937 im Berliner Auktionshaus Paul Graupe versteigert wurde. Allerdings unter Wert, wie die Kunsthistorikerin Sylvia Schieder in ihren Forschungen nachweisen konnte. Der Verkaufserlös für die etwa 1500 Objekte sei in der Regel zwischen 75 und 90 Prozent zu niedrig gewesen, stellte sie fest.

          Horst Rauber, der Leiter des Budge-Heims und Geschäftsführer der Stiftung hat den originalen Verkaufskatalog der damaligen Versteigerung mit ins Landesmuseum gebracht. Darin sind auch die fünf Porzellanfiguren verzeichnet, die Oberbürgermeister Ebling an die Erben zurückgab. „Wir haben etwas gutzumachen“, sagte Ebling. Die Rückgabe sei ethisch geboten, die städtischen Gremien hätten ihr aus innerer Überzeugung zugestimmt.

          Eine solche „gerechte und faire Lösung“ bei der Rückgabe der Raubkunst, wie sie die Washingtoner Erklärung von 1998 verlangt und wie sie Mainz jetzt praktiziert hat, ist nicht selbstverständlich. Von den etwa 1500 Objekten aus der Sammlung der Emma Budge hat der Anwalt Lothar Fremy, der die Erben vertritt, gerade einmal knapp 50 restituieren können. Das Gemälde im Foyer der Budge-Stiftung zählt dazu, aber auch ein Gobbelin, der einst im noblen Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten hing. Das Hotel ist seit dem Krieg durch mehrere Hände gegangen, der nordamerikanische Konzern der es jetzt besitzt, konnte guten Gewissens darauf verweisen, dass er für die Plünderung der Budge-Sammlung keine Verantwortung trage. Weil aber Raubkunst in seiner Eingangshalle dem Renommee des vornehmen Hauses geschadet hätte, überließ der Konzern den Gobbelin den Budge-Erben.

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