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Pickup Artist gegen Asta : Die zweifelhafte Kunst des Aufreißens

Bican E. will sich vor Gericht gegen Studierende der Goethe Universität durchsetzen. Bild: dpa

Es geht um Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechte: Seit Jahren streitet ein selbsternannter Pickup Artist vor Gericht mit dem Asta der Frankfurter Goethe-Uni – jetzt hat er vorläufig recht bekommen.

          3 Min.

          Es sind alte Bekannte, die sich an einem Donnerstag Mitte Januar am Landgericht Frankfurt wiedertreffen. Auf dem Stuhl neben seinem Anwalt sitzt Bican E., schräg dahinter auf einer Bank der Asta-Vorstand der Goethe-Universität. Eigentlich müsste man sagen, sie sind neue alte Bekannte. Denn der Streit zwischen ihnen zieht sich schon so lange hin – seit 2015 nämlich –, dass der Asta mittlerweile den vierten neuen Vorstand hat.

          Anna-Sophia Lang
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser Tag markiert E.s wiederholten Versuch, sich gegen seinen Gegner durchzusetzen. Zum dritten Mal ist die Sache vor dem Landgericht gelandet, zweimal war sie schon Thema am Oberlandesgericht. Aber Aufhören ist keine Option, für niemandem hier im Saal. Es geht um die Meinungsfreiheit, um die Pressefreiheit, um Persönlichkeitsrechte. Kurz: Um die Frage, wer öffentlich was über jemanden verbreiten darf. Und dann ist da noch der Hintergrund des Streits. Rein juristisch gesehen ist er nicht so brisant. Aber er birgt gesellschaftlichen Sprengkraft – gerade in Zeiten von „Me too“.

          Los ging der Streit zwischen Bican E. und den Studentenvertretern mit zwei Artikeln, die im Sommer 2015 in der Asta-Zeitung erschienen. Darin kritisierten die Autorinnen sogenannte Pickup Artists und deren Maschen. Die bezeichneten sie als frauenfeindlich, geleitet von einem reaktionären und sexistischen Gesellschaftsverständnis. Auch Bican E. war damals solch ein Pickup Artist. Er arbeitete in einer entsprechenden Agentur, und er kam neben anderen Pickup Artists in den Artikeln vor. Agenturen wie die von E. bewerben ihre Mitarbeiter als „Flirt-Coaches“, „Dating-Coaches“ oder „Verführungs-Coaches“. Sie sollen Männern beibringen, wie man ein echter Mann wird und möglichst viele Frauen aufreißt.

          Wobei das deutlich harmloser klingt als die Einstellung gegenüber Frauen, die sich herauskristallisiert, wenn man ein bisschen genauer hinschaut. Da ist, um nur ein Beispiel zu nennen, von Frauen als grundsätzlich manipulativen Wesen die Rede, gegen die sich Männer zur Wehr setzen müssten, um nicht finanziell von ihnen ausgenommen, permanent herumkommandiert und vor Freunden lächerlich gemacht zu werden.

          Anhänger zweifelhafter „Verführungs“-Methoden

          Dass er ein Anhänger von mindestens zweifelhaften „Verführungs“-Methoden ist, zeigte BicanE. öffentlichkeitswirksam in einem Kurzbeitrag, den die ARD für ein junges Format drehte und das anschließend zehntausende Mal angeklickt wurde. Darin stellt er sich als Mitglied der Pickup-Artist-Szene dar, die er als eine Art „Liga“ beschreibt, in der sich die Männer mit ihren „Erfolgen“ messen. Hoch angesehen seien diejenigen, sagt E., „die jedes Wochenende eine mit nach Hause nehmen“. Die Anerkennung dafür hole man sich anschließend in der „Community“, wenn man sich „damit brüstet“.

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