Neue Bürgermeisterin : Protest schon nach 100 Tagen

Lisa Gößwein ist die einzige Bürgermeisterin im Kreis Groß-Gerau. Nicht einmal drei Monate im Amt, wollen Bischofsheimer Bürger schon ein Begehren gegen eines ihrer Projekte initiieren.
Lisa Gößwein zeigt auf die Wand des kleinen Besprechungszimmers im Bischofsheimer Rathaus. Befestigungsschnüre für Rahmen hängen an den Wänden, die Bilder sind weg. Die hatte ihr Vorgänger aufgehängt, und mit seinem Ausscheiden wurden sie entfernt. Lisa Gößwein will demnächst eigene Bilder an die Wand pinnen. Nur ein kleiner Scherenschnitt mit einer Katze ist bisher zu sehen – Gößwein mag Katzen.
Die Bischofsheimerin, 37 Jahre alt und Mutter zweier Kinder, ist neue Bürgermeisterin der Gemeinde. Die SPD-Bewerberin hat den CDU-Mitbewerber und bisherigen Bürgermeister Ingo Kalweit in der jüngsten Wahl knapp mit 50,46 zu 49,54 Prozent der Stimmen besiegt. Seit dem 1. Juli sitzt sie nun im ersten Stock des historischen Gebäudes. Sie ist die einzige Bürgermeisterin im Kreis Groß-Gerau und auch die jüngste. Schwierigkeiten mit Kollegen aus den anderen Kommunen hat sie nicht. „Ich werde mich schon durchsetzen“, sagt sie selbstbewusst und lacht.
Gößwein ist noch nicht allzu lange in der Kommunalpolitik aktiv. Seit 2021 saß sie in der Gemeindevertretung, kurze Zeit später führte sie die SPD-Fraktion. Nachdem Gößwein ihre Kandidatur bekannt gegeben hatte, waren die Vorbehalte groß. Vor allem in den sozialen Netzwerken gab es nicht nur nette Kommentare. „Die kann doch nix“, „die hat bisher noch keinen Beruf richtig ausgeübt“ oder „die soll sich lieber um ihre Kinder kümmern“, war unter anderem zu lesen und zu hören.
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