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„Toruk“ in Frankfurt : Blauer Drachenreiter fliegt durch die Festhalle

Flugechse: Der Toruk fliegt herbei, auf seinen Rücken schwingt sich bald ein Avatar. Bild: Errisson Lawrence Cirque du Soleil

Die Show „Toruk“ des Cirque du Soleil erzählt eine infantile Geschichte in großartigen Bildern. Dabei scheinen sich die Grenzen zwischen Theater und Film beinahe aufzulösen.

          2 Min.

          Die Avatare haben die Festhalle erobert. Ralu und Entu, die beiden jungen Krieger vom Stamm der Omaticaya, versuchen zusammen mit der Häuptlingstochter Tysal, ihren Planeten Pandora zu retten und die gefährliche Flugechse Toruk zu besiegen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf dem erdähnlichen Planeten mit Vulkanen, Flüssen und Riesenbäumen, den die Bühnenmeister des kanadischen Cirque du Soleil im Innenraum der Festhalle plaziert haben, geht es zu wie bei den Indianern von Karl May. Clans, Totems und archaische Riten bestimmen das Leben auf Pandora, gefährliche Tiere wie der Viperwolf und vor allem der Flugdrache Toruk bedrohen die Völker und vor allem die drei Helden. Sie wandern von Stamm zu Stamm, um deren Totems zu sammeln, mit deren Hilfe sie die Gefahren für den Planeten bannen können.

          Zum Kreativ-Team gehört auch James Cameron. Richtig: Jener Cameron, der 2009 den Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ geschaffen hat. Geblieben von der Story sind freilich nur blauhäutige Avatare und der Drache Toruk. Ansonsten haben die Schöpfer der Show Versatzstücke von Abenteuermotiven aus der griechischen Mythologie bis zu Cornelia Funkes „Drachenreiter“ zusammengefügt und damit eine einfache Geschichte konstruiert: Drei junge Ritter ziehen in die Fremde, überwinden alle Widerstände und sorgen für ein gutes Ende.

          Üppig bis grandios

          Weil der Cirque du Soleil, anders als bei früheren, oft surreal angelegten Produktionen, den Verstandeskräften der Zuschauer offenbar nicht mehr traut, lässt er einen Sprecher jeden Gang der Handlung erklären – sprachgestisch eher uninspiriert. Das Unternehmen hätte besser daran getan, einen deutschen Schauspieler zu engagieren, der live und lebendig die Ansagetexte vorgetragen hätte.

          „Toruk“: Ein blauer Avatar an den Trommeln Bilderstrecke

          Doch davon abgesehen: „Toruk“ ist trotzdem eine großartige Show, optisch, akustisch, akrobatisch und vor allem lichttechnisch. Ebenjener Cameron und sein Unternehmen Lightstorm Entertainment zaubern Vulkanausbrüche auf die Bühne, Wasserfälle, Meereswellen – alles mit Licht. Nicht minder einfallsreich war der Puppendesigner Patrick Martel, der Höllenhunde oder seltsame Dino-Giraffen entworfen hat, die von den Darstellern wie Marionetten bewegt werden.

          Die Ausstattung von „Toruk“ muss man als üppig bis grandios bezeichnen. Es scheint so, als habe der Cirque du Soleil Hollywood Konkurrenz machen und den Unterschied von Film und Theater aufheben wollen. Die Avatare auf Pandora sprechen eine ganz eigene Sprache, die aus seltsamen Lauten zusammengesetzt ist, deren Sinn aber im Zusammenhang mit Gesten und Situationen jeder im Groben versteht. Alle sind sie geschmeidige Artisten und tänzerische Darsteller. Hin und wieder formt sich aus der Menge eine akrobatische Nummer heraus, dargeboten von einzelnen Stars oder kleinen Teams.

          Viele Luftnummern wurden in die Handlung integriert, die Künstler schrauben ihre Körper mit Hilfe von Strapaten in den Hallenhimmel, zeigen fünf Meter über der Bühne verwegene Tricks an Tüchern oder schwingen an Seilen auf eine Felswand aus Pappmaschee zu, in die sie imaginäre Löcher hacken, aus denen imaginäres Wasser fließt. Vor allem aber erzielen die Akteure zauberhafte Effekte mit Fluggeräten. Der spektakulärste Flieger ist dabei der Drache Toruk, auf dem am Ende einer der beiden Helden reitet.

          Restkarten für „Toruk“

          Restkarten gibt es nur noch für die heutige Zusatzvorstellung um 16 Uhr in der Frankfurter Festhalle

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