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Hausmannskost mit Geschichte : Das Museum Judengasse bittet zu Tisch

Aperitif mit der Gastgeberin: Kuratorin Sonja Thäder eröffnet den Abend. Bild: Wonge Bergmann

Einmal im Jahr speisen Freunde des Museums Judengasse gemeinsam. Dabei führen sie sich nicht nur jüdische Hausmannskost sondern auch die Geschichte der Judengasse zu Gemüte.

          Auch die Rothschilds haben klein angefangen. Etwa beim Essen. Als Mayer Amschel Rothschild, der Begründer der Bankdynastie, noch nicht Oberhofagent des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel, sondern ein ordinärer Münz- und Antiquitätenhändler war, kam wohl eher einfache jüdische Hausmannskost auf den Tisch. An Diners mit sieben oder acht Gängen, wie sie später sein jüngster Sohn James de Rothschild in Paris für die Reichen und Mächtigen gab, war damals in der Judengasse nicht zu denken.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Menü, das den drei Dutzend Gästen beim Rothschild-Dinner im Museum Judengasse aufgetischt wurde, konnte sich in Opulenz und Raffinesse gewiss nicht mit den Festmahlen des Bankiers James messen, aber gewiss mit den Mahlzeiten, die bei Mayer Amschel und seiner Frau Gutle Schnapper auf den Tisch kamen. Vorspeisen wie „Gebratene Gemüse mit marinierten Käsevariationen und Petersilienpesto“ kannten die beiden wohl nicht. Pesto dürfte damals in Frankfurt kaum bekannt gewesen sein, dafür aber Grüne Soße.

          Verbote, an die sich niemand hielt

          Es war das zweite Mal, dass das Jüdische Museum zu Tisch gebeten hatte. Weil das Rothschildpalais derzeit eine Baustelle ist, ließen sich die Gäste im schmalen, aber umso höheren Eingangsflur des Museums Judengasse an einer langen Tafel nieder. Zwischen den einzelnen Gängen wurden sie vom stellvertretenden Museumsdirektor Michael Lenarz sowie von der Kuratorin Sonja Thäder mit amüsanten Geschichten unter anderem von der Lebensmittelversorgung in der Judengasse und gewissen Luxusverboten unterhalten.

          So untersagte zum Beispiel die 1715 erlassene Gasterei-Ordnung, bei Gastmahlen in der Judengasse „welsche Hühner“, also Truthähne, sowie Torten, Pasteten, Konfekt und trockenes Obst aufzutischen – woran sich nach Meinung Lenarz’ wohl niemand hielt. Denn solche Luxusverbote waren für die Judengasse, aber auch für das christliche Frankfurt immer neu von der Obrigkeit erlassen worden, was darauf hindeutet, dass sie nie richtig durchgesetzt werden konnten.

          Nicht einmal den religiösen Fastengesetzen mochten alle Bewohner der Judengasse streng folgen. Sie kurten während dieser kargen Tage einfach in einem Taunusbad, wo sie bei ihren Genusstätigkeiten nicht von den Nachbarn beobachtet werden konnten. Isidor Krakauer, der Historiker der Frankfurter Judengasse, notierte etwa: „Im Fastenmonat Av war das Besuchen des beliebten Ortes Bad Schwalbach verboten, weil man annahm, dass es schwer, ja fast unmöglich wäre, dort die Trauerzeit wegen der Zerstörung des Tempels mit allen gebotenen Einschränkungen kulinarischer Genüsse richtig einzuhalten.“

          Streit über Genussmittel

          Zwischen den Bewohnern der Judengasse, dem Rat der Stadt und dem Frankfurter Handelsstand hat es in der neueren Zeit immer wieder Streit über den Verkauf der neuen Genussmittel aus den Kolonien, also Kaffee, Tee, Zucker, Branntwein und Tabak, gegeben. Juden durften mit diesen Produkten zwar handeln, aber nur en gros. Der Detailhandel war den christlichen Kaufleuten vorbehalten. Doch diese Regelung konnte der Rat letztlich nicht aufrechterhalten.

          Schlemmer und Völler waren die Rothschilds der ersten und zweiten Generation – mit Ausnahme des erwähnten James – offenbar nicht. In einem Brief an seine drei Brüder klagt Salomon Rothschild, dass die Familiengeschäfte ihn unentwegt hierhin und dorthin trieben, weshalb er keinem Vergnügen nachgehen könne. In seinem noch nicht astreinen Hochdeutsch fährt er fort: „Schlechte Magens habe wir auch. Keine Fressers sein.“ Geld zu scheffeln, das lernen die Teilnehmer des Rothschild-Dinners daraus, macht reich, aber nicht unbedingt glücklich.

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