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Schwund in den Gemeinden : Kommunikation und Kirchensteuer könnten helfen

Gottesdienstbesucher stehen während der heiligen Messe in der Karmelitenkirche von Straubing in den Bankreihen. Bild: dpa

Die Mitglieder der christlichen Kirchen sollen sich nach einer Studie bis 2060 nahezu halbieren. Die Kirchen sollten jetzt rasch handeln und viel besser kommunizieren.

          Wenn die neue Mitgliederprognose für die christlichen Kirchen ein Fitzelchen Positives enthält, dann dies: Je nach Region ist die demographische Entwicklung nur für ein Drittel bis die Hälfte des vorhergesagten Schwunds verantwortlich. Umgekehrt heißt das: Bis zu zwei Drittel der Mitglieder, die laut Freiburger Wissenschaftlern die Kirchen bis zum Jahr 2060 verlassen, werden das aus Gründen tun, die durch gute Arbeit an der Basis zu beeinflussen sind. Auf der Suche nach dem richtigen Weg sollten die Kirchen rasch handeln. Andernfalls wird die zu befürchtende Halbierung der Mitgliederzahlen womöglich noch übertroffen.

          Ideen gibt es schon. Wenn es zum Beispiel stimmt, dass in teuren Ballungsräumen überdurchschnittlich viele junge Berufsanfänger austreten, wäre es logisch, die Kirchensteuer für sie zumindest eine Weile lang zu reduzieren, nach dem Motto: Besser weniger Steuer als gar keine. Einmal Ausgetretene gelten für die Kirchen als dauerhaft verloren.

          Bessere Kommunikation

          Zu einer stärkeren Bindung gehört eine viel bessere Kommunikation. Warum ein katholischer Priester nicht die Familie jedes – ohnehin selten gewordenen – Täuflings kurz besuchen kann, um sich vorzustellen, versteht niemand, der jedes Jahr viel Geld für eine Institution zahlt, für die er sich in jüngerer Zeit immer wieder schämen musste.

          Nicht unterschätzen sollten die Kirchen den sehr individuellen Alltag ihrer Mitglieder. In etlichen Fällen arbeitet ein Elternteil die Woche über anderswo. Wenn der- oder diejenige am Wochenende nach Hause kommt, steht der lange getrennten Familie der Sinn oft nicht zuerst nach einem Kirchenbesuch. In vielen Single-Haushalten mit Alleinverdiener fehlt die Zeit. Und weil Arbeitnehmer öfter den Job wechseln, lässt die Bindekraft an eine Gemeinde ohnehin nach. Das merken übrigens nicht nur die Kirchen, sondern auch Vereine, Parteien und andere Träger von Staat und Gesellschaft.

          Flexibel werden

          Ein kleines Beispiel für gelebte Flexibilität lässt sich in Frankfurt finden. Weil immer mehr Familien in den Osterferien verreisen und nicht bereit sind, ihre Kinder in den Tagen nach Ostern mehrmals zum Üben zu bringen, hat die katholische Kirche reagiert: Statt auf den Weißen Sonntag als Kommuniontermin zu beharren, gibt es mehrere Termine im Mai.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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