https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kommentar-desaster-fuer-den-rmv-14513354.html
 

Kommentar : Desaster für den RMV

  • -Aktualisiert am

Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist am umstrittenen Tarif-System: RMV-Chef Ringat Bild: Wolfgang Eilmes

Das geplante neue Tarifsystem des RMV ist tot. Denn ohne Frankfurts Zustimmung geht nichts. Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist.

          1 Min.

          Der Kunde zahlt nur die Strecke, die er gefahren ist. Dieses Versprechen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) klingt verlockend. Einlösen sollte es der neue Smart-Tarif, der zurzeit von Testkunden in einem Pilotprojekt mit Smartphone-Tickets erprobt wird.

          Nun stellt sich heraus, dass das Versprechen von mehr Gerechtigkeit bei den Fahrpreisen für manche eine veritable Preiserhöhung nach sich zieht. RMV-Geschäftsführer Knut Ringat hat zwar immer hervorgehoben, dass das geplante neue Tarifsystem das Fahren mit Bussen und Bahnen nicht generell verbilligen wird. Es würden zwar die exorbitanten Tarifsprünge an manchen Stadtgrenzen, zum Beispiel zwischen Offenbach und Frankfurt, wegfallen, doch es könne auch an der einen oder anderen Stelle teurer werden.

          Tatsächlich würde es nicht nur, aber auch in Frankfurt für viele nicht nur ein wenig, sondern entschieden teurer. Die Zahlen, die der Frankfurter Verkehrsdezernent jetzt vorgelegt hat, nämlich Preiserhöhungen auf wichtigen U- und S-Bahn-Strecken von 20, 50, ja sogar 100 Prozent, dürften viele Fahrgäste schockieren. Kommunalpolitiker, die einem solchen Tarifsystem zustimmen würden, begingen politischen Selbstmord. Die Ablehnung des neuen Systems bedeutet, dass das sich in Erprobung befindliche neue Tarifsystem tot ist. Ohne Frankfurt geht im RMV nichts.

          Ein paar Fragen bleiben offen: So hat der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Vorsitzender des RMV-Aufsichtsrats ist, dem Smart-Pilotprojekt zugestimmt. Wusste er nicht, was er tat? Hat er sich nicht genügend informiert über den neuen Tarif? Oder wurde er nicht genügend informiert? Vor allem aber: Hätte er nicht mit einer stillen Intervention dafür sorgen können, dass der Pilotversuch nachgebessert wird?

          Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist. Der RMV muss das geplante neue Tarifsystem so ändern, dass es nur wenige geringe Preissteigerungen gibt. Nur so kann der Verbund zu einem gerechten Entfernungstarif kommen, bei dem der Kunde nur zahlt, was er gefahren ist. Ob es dazu kommt, steht nach dem harten Vorgehen Frankfurts in den Sternen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Roboter schweißen ein Auto in einer Fabrik in Peking.

          Industrie in China : Das Reich der Roboter

          In chinesischen Fabriken stehen mittlerweile mehr Roboter als in den USA. Die Automatisierung der vergreisenden Volksrepublik rast voran – auch wegen der ständigen Lockdowns.
          Kurzer Lichtblick zwischen zwei Tunnelstrecken: ICE auf Testfahrt über die neue Filstalbrücke.

          Ein Stück Stuttgart 21 : Alb-Traum

          Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember wächst das ICE-Netz um 60 schnelle Kilometer. Es ist der Anschluss an die Neubaustrecke des noch nicht fertigen, umstrittenen Projekts Stuttgart 21.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.