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Missbrauch in der Kirche : Vor dem Jüngsten Gericht

Gerechtigkeit, keine Rache: Kai Moritz steht im Frankfurter Dom. Bild: Frank Röth

Kai Moritz ist sieben Jahre lang von seinem priesterlichen Pflegevater sexuell missbraucht worden. Die Taten sind verjährt. Jetzt hat er den Mut gefunden, seine Geschichte zu erzählen.

          9 Min.

          Für das Böse im Leben von Kai Moritz gab es ein Codewort. Wenn er „Schnuffi“ hörte, wusste er, was ihm bevorstand. Dann wollte ihn sein priesterlicher Pflegevater wieder einmal missbrauchen. „Schnuffi“, dieses Wort kann Moritz bis heute nicht ertragen. Mehr als zwei Jahrzehnte hat der 42 Jahre alte Mann geschwiegen, hat den Schmerz und die Angst verdrängt, hat Therapien gemacht, über den Sinn des Lebens gegrübelt und versucht, sich umzubringen. Nun hat er den Mut zum Reden gefunden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer die Details seiner Tortur hört, kann es nicht glauben. Und wer erfährt, wie das Bistum Limburg mit den Vorwürfen umging, von denen Führungsfiguren seit 1996 gewusst haben müssen, ist fassungslos. Moritz schildert ausführlich, was ihm widerfahren ist im Haus seines Pflegevaters und Cousins, eines Pfarrers aus dem Bistum Limburg, in den Jahren 1986 bis 1993. Die Geschichte erzählt er nicht zum ersten Mal. Die Worte sitzen, nichts bleibt ungenau. Moritz, ein kleiner Mann mit schwarzem Vollbart und weichen, braunen Augen, ist ein guter Erzähler. Aber manchmal sieht er aus, als könnte er das alles selbst nicht begreifen.

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