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Teilzeitstudium : Auch mit 50 Prozent voll ausgelastet

  • -Aktualisiert am

Befreit: Dank des Teilzeitstudiums hat Luisa Buchner weniger Druck. Bild: Marcus Kaufhold

Hessen will die Möglichkeit zum Teilzeitstudium ausweiten. So könnten mehr Menschen Zugang zur Hochschule finden. Die TU Darmstadt geht hier als Vorbild für andere Hochschulen voran.

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          „Es war ein sehr befreiendes Gefühl, in der aktuellen Situation die Möglichkeit zu haben, mehr auf sich selbst zu achten“, sagt Luisa Buchner. Sie ist eine von rund 670 Studenten an der TU Darmstadt, die in Teilzeit studieren. Um das Teilzeitstudium zu beantragen, musste sie einen Grund angeben. Bei den meisten Studenten ist das etwa ein Beruf, der neben dem Studium ausgeübt wird, oder die Betreuung von Kindern. Buchner dagegen hat sich für das Modell entschieden, weil sie an einer chronischen psychischen Krankheit leidet. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Zu sehr seien psychisch Kranke noch stigmatisiert, zu sehr auch das Teilzeitstudium, das bedeutet, dass man ein Vollzeitstudium zumindest im Moment nicht bewältigen könne.

          Der verringerte Druck war auch für Galiana Garcia Atauchi der ausschlaggebende Grund, sich für ein Teilzeitstudium zu entscheiden. 2008 kam sie aus Peru als Au-pair nach Deutschland. Später begann sie ein Studium in Darmstadt. Sie lernte ihren heutigen Mann kennen, bekam zwei Kinder und musste mit dem Studium pausieren. Ihren Abschluss wollte die 35 Jahre alte Frau trotzdem machen. Als wegen der Corona-Pandemie die Kindertagesstätten schließen mussten, hatte sie nicht mehr genügend Zeit, um sich voll ihrem Masterstudium der Biologie zu widmen. Jetzt ist sie in Teilzeit an der TU Darmstadt immatrikuliert, belegt nur noch ein Modul statt der vorgesehenen zwei. Sechs statt zwölf Wochen je Semester hat sie nun acht bis neun Stunden Uni am Tag. Manchmal wird es ihr trotz des reduzierten Studienumfangs zu viel. „Ich bringe die Kinder jeden Tag zum Kindergarten“, sagt sie, „meistens schaffe ich es auch, sie abzuholen.“ Die Zeit, Inhalte nachzuarbeiten, fehle ihr dann manchmal: „Sobald ich die Kinder abhole, bin ich Mama.“

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