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Frankfurter Stadtderby : Comeback und Premiere

  • -Aktualisiert am

Fußballprofi zum Anfassen: Sebastian Jung macht beim Spiel der Eintracht gegen den FSV wieder mit. Bild: Jan Huebner

Jung meldet sich bei der Eintracht zurück, Rukavytsya ist erstmals für den FSV am Ball. Knapp 4300 Zuschauer sehen ein 3:2 im Frankfurter Stadtderby.

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          Erst ein Schwätzchen mit Benno Möhlmann vor dem Anpfiff, dann fünf Tore und ein Sieg: Für Armin Veh war dies ein richtig netter Ausflug, zumal der Besuch bei Freunden wörtlich zu nehmen ist. Mit seinem Trainerkollegen Möhlmann vom FSV Frankfurt verbindet ihn ein jahrzehntelange gute Bekanntschaft. Man kennt und schätzt sich, und deshalb war es für den Eintracht-Coach Veh auch eine Selbstverständlichkeit, die im vergangenen Jahr begonnene Tradition fortzuführen. Die Eintracht beim FSV, der FSV als freudiger Ausrichter eines sportlichen Vergleichs unter Nachbarn: Das Frankfurter Stadtderby hat Sinn und Zweck voll erfüllt. Die Eintracht durfte sich nach Treffern von Takashi Inui (2) und Stephan Schröck über ein 3:2 gegen den rangtieferen FSV freuen, für den Nestor Djengoue und Denis Epstein erfolgreich waren. Und für die Bornheimer war der Besuch von 4278 Zuschauern die Bestätigung dafür, dass es mit dem Derby auch in den kommenden Jahren munter weitergehen kann. Zumal immer wieder Überraschendes passiert.

          So nutzte der wochenlang wegen eines Muskelfaserrisses nicht zur Verfügung stehende Sebastian Jung den munteren Kick am Bornheimer Hang, um sich schmerzfrei in der Eintracht-Stammelf zurückzumelden. „Sebastian hat richtig schnaufen müssen“, sagte Veh, der den Rechtsverteidiger nach 66 Minuten aus der Partie nahm. Der Eintracht-Trainer war zufrieden mit Jungs erstem Auftritt seit dem Bundesligastart in Berlin - und der Spieler selbst auch. „Ich habe noch eine knappe Woche Zeit, um meinen Rhythmus für das Spiel in Bremen zu finden.“ Gut für den 23 Jahre alten Jung: „Ich habe keinerlei Schmerzen mehr und fühle mich fit. Dass heute fünf Tore gefallen sind, ist für die Zuschauer schön“, warb der Eintracht-Verteidiger für die Fortführung des Frankfurter Stadtderbys. „Gut ist auch, dass der Test für alle um die Ecke ist.“

          Trainer Möhlmann will effizienteren FSV

          Kurze Wege. Auch der neue Bornheimer Fußballstürmer Nikita Rukavytsya kennt sie mittlerweile, hat er doch unlängst den Absprung vom Mainzer zum Frankfurter FSV gefunden. Und vielleicht kommt es am kommenden Samstag im Zweitligaspiel beim FC St. Pauli ja genau umgekehrt. Dann könnte Rukavytsya der Einwechselspieler für Edmond Kapllani sein. Beim Testspiel gegen die Eintracht musste der Torjäger 68 Minuten warten, bis er Rukavytsya ablösen durfte. Doch das Selbstbewusstsein von Kapllani, der mit drei Zweitliga-Toren in sechs Spielen wieder der erfolgreichste Frankfurter Angreifer ist, ist so groß, dass er seine Position nicht gefährdet sieht. Der 31 Jahre alte Albaner sagt: „Es ist gut für den Kader, dass wir Konkurrenz dazugeholt haben.“

          Ist der erste Einsatz von Rukavytsya im FSV-Trikot der Maßstab, muss sich Kapllani auch keine großen Sorgen machen. Die Leihgabe von Mainz 05 bis zum Rundenende hätte sofort Ansprüche stellen können - wenn Rukavytsya beim 2:3 wenigstens ein Mal unter den Torschützen gewesen wäre. Aber der Australier mit ukrainischen Wurzeln schaffte es in der 40. Minute trotz freier Schussbahn nicht, Eintracht-Torwart Kevin Trapp zu überwinden. Und in der 49. Minute rutschte er schließlich in aussichtsreicher Position an einem Schuss von Markus Ziereis vorbei. „Hoffentlich läuft es beim nächsten Mal besser“, sagte Rukavytsya. Schwieriger dürfte es auf jeden Fall werden, wie Trainer Benno Möhlmann glaubt: „Im Duell mit St. Pauli werden wir nicht so viele Chancen wie gegen die Eintracht bekommen. Unsere Effizienz muss besser werden.“ Und weiter: „Das ist ein Problem, das sich durch die ganze Saison zieht.“

          Australier Rukavytsya startet Neuanfang

          Von den Angeboten, die Rukavytsya hatte, um Spielpraxis zu sammeln, war das aus Frankfurt das „interessanteste“ für ihn. Bis zum letzten Tag der Wechselfrist am 2. September rangen die Beteiligten allerdings um die Konditionen des Leihgeschäfts. Nach Darstellung der Bornheimer, bei denen sich Kapitän Björn Schlicke im Test gegen die Eintracht womöglich einen Nasenbeinbruch zugezogen hat, machte dann die Gegenseite Zugeständnisse. So oder so: „Jetzt ist bei uns ein bisschen Bewegung drin“, sagt FSV-Sportchef Uwe Stöver. „Mit diesem Gefühl kann ich besser leben.“ Rukavytsya, der beim Mainzer Trainer Thomas Tuchel keine Chance mehr hatte, soll in erster Linie als zweiter Stürmer zum Einsatz kommen. Auf den Außenbahnen hat er jedoch auch schon Erfahrung und mit seiner Schnelligkeit Punkte gesammelt.

          Seine beste Zeit in Deutschland hatte der australische Nationalspieler in der Saison 2010/2011, als er in 31 Spielen für Hertha BSC Berlin vier Tore erzielte und zwölf Vorlagen gab. Der Anteil von Rukavytsya am Berliner Bundesliga-Aufstieg war damit groß - obwohl er im Kader anfangs nur als Ergänzungsspieler vorgesehen war. Es ist wohl seine Wankelmütigkeit und Unberechenbarkeit im negativen Sinne, die ihn am großen Durchbruch gehindert haben. Seinen schwärzesten Moment erlebte Rukavytsya 2009 bei Twente Enschede. Der holländische Meister stand damals unmittelbar vor dem Einzug in die Champions League. Als jedoch die fünfte Minute der Nachspielzeit im Qualifikationsspiel gegen Sporting Lissabon lief, versäumte es der gerade erst eingewechselte Australier, den gegnerischen Torhüter an dessen erfolgreichem Kopfball zum 1:1 zu hindern. Twente war doch noch ausgeschieden und Rukavytsya dadurch im Verein in Ungnade gefallen. Ein Abstecher in die zweite belgische Liga war die Folge. Heute startet der Sechsundzwanzigjährige, der weiter in Wiesbaden wohnt, beim FSV seinen nächsten Neuanfang. Dabei wollen es ihm seine neuen Mitspieler so leicht wie möglich machen. „Wir sind alles nette Kerle“, sagt Mittelfeldspieler Michael Görlitz. Mathew Leckie kennt Rukavytsya schon. Auch sein australischer Landsmann konkurriert mit ihm um einen Platz in der Offensive.

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