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Städtische Bühnen : „Nicht vom Tisch wischen“

Marode? Die Oper in Frankfurt funktioniert jedenfalls immer noch gut. Bild: Jens Gyarmaty

Die Idee einer preisgünstigen Sanierung des Frankfurter Theaters stößt auf Interesse. Zumal die Haverkampf-Studie auf einen bisher noch wenig diskutierten Aspekt aufmerksam macht.

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          Vielleicht muss Frankfurt gar nicht eine knappe Milliarde Euro investieren, um die Städtischen Bühnen zu sanieren oder neu zu bauen. Das Gutachten des einstigen Frankfurter Baudezernenten Hans-Erhard Haverkampf hält eine Sanierung des Gebäudekomplexes am Willy-Brandt-Platz für 130 Millionen Euro für möglich. Von den verantwortlichen Frankfurter Kommunalpolitikern ist die gestern in dieser Zeitung vorgestellte Studie mit Interesse aufgenommen worden. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die für das Schauspiel und die Oper die Verantwortung trägt, hat sich aus dem Urlaub zu Wort gemeldet. Das Konzept Haverkampfs liege ihr vor, ließ die Dezernentin wissen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt wolle sie aber Einzelvorschläge nicht kommentieren.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es liege ihr aber fern, an der grundsätzlichen Seriosität der Haverkampf-Studie zu zweifeln. Für sie und ihr Dezernat stehe derzeit die Prüfung der Machbarkeitsstudie der Städtischen Bühnen im Vordergrund. Mit dieser wolle sie Einsparpotentiale ausloten lassen. Auf diesem Weg, der sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde, freue sie sich grundsätzlich über jeden konstruktiven Vorschlag. Die von Hartwig erwähnte Machbarkeitsstudie sieht zwei Szenarien vor: eine Sanierung des Domizils von Schauspiel und Oper oder den Abriss der bestehenden Gebäude zugunsten eines Neubaus. Die Kosten beider Varianten liegen dem Szenario zufolge bei 900 Millionen Euro.

          Prüfen und im Detail anschauen

          Dagegen wären die von Haverkampf angesetzten 130 Millionen Euro an Sanierungskosten eine halbwegs überschaubare Investition, die eine Stadt wie Frankfurt durchaus tragen könnte, ohne tief in eine Verschuldung zu rutschen. Alle von den Gutachtern angeführten Varianten sehen einen 100 Meter hohen Turm über dem heutigen Theaterstandort vor. In der Haverkampf-Studie wird hierzu auf eine Gefahr aufmerksam gemacht, die offensichtlich noch nicht richtig bedacht wurde. Für die U-Bahn wurde einst der Grund neben den Städtischen Bühnen ausgehöhlt. Laste eine so schwere Baumasse auf diesem Untergrund, könne, so Haverkampf sinngemäß, dessen Statik in Gefahr geraten und die U-Bahn-Röhren könnten Schaden nehmen.

          Die Statik-Frage, so heißt es, müsse eigentlich vordringlich geklärt werden, bevor es zu einer Entscheidung für einen Neubau komme. Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der wie die Kulturdezernentin und der Baudezernent Jan Schneider (CDU) qua Amt zu den entscheidenden Akteuren in der Bühnenfrage gehört, nannte Haverkampfs Gutachten einen weiteren Vorschlag, den man prüfen und im Detail anschauen müsse. Allerdings stecke eben in diesen Details der Teufel. Im Falle des Haverkampf-Vorschlags sei zum Beispiel die Frage des Brandschutzes und der Versorgungsleitungen wohl nicht genügend berücksichtigt. Baudezernent Schneider begegnet dem Gutachten ebenfalls mit Interesse: „Man darf solche Ideen nicht einfach vom Tisch wischen.“ Haverkampfs Darlegung sei „kein Quatsch“. Sein Vorschlag etwa, die Theaterverwaltung räumlich auszulagern, könne durchaus eine konstruktive Überlegung sein.

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