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Corona-Vorsorge : Wenig Interesse an zweitem Booster

Stichfest: Ein zweites Mal sich boostern lassen, das machen bisher nur wenige Bild: dpa

Die an die BA.1-Variante des Coronavirus angepassten Impfstoffe werden zwar von Hausärzten bestellt, aber von Patienten kaum nachgefragt. Woran das liegt, erklärt Mediziner Saqib Cheema.

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          „In dieser Woche haben wir nur etwa ein Dutzend Personen jeden Tag gegen das Coronavirus geimpft“, sagt Saqib Cheema, der die Impfpraxis Frankfurt leitet. Im vergangenen Winter, als die Impfkampagne ihren Höhepunkt erreicht hatte, hatte er mit seinem damals 60-köpfigen Team bis zu 2000 Spritzen am Tag gesetzt. Per Mail bekomme er zwar Anfragen, aber die Interessenten wollen seiner Aussage zufolge noch auf den ganz neuen Impfstoff warten, der an die Omikron-Variante BA.5 angepasst sein soll, erzählt der Mediziner. „Damit rechne ich Ende des Monats.“

          Monika Ganster
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Auch das Gesundheitsamt Frankfurt bestätigt, dass der neue Impfstoff fast in greifbarer Nähe ist: Das Bundesministerium für Gesundheit habe mitgeteilt, dass der an die aktuelle Omikron-Variante BA.5 angepasste Impfstoff bereits am 20. September bestellt werden könne. Sobald dafür auch eine STIKO-Empfehlung vorliege, werde er Interessenten angeboten.

          Untervarianten dominieren Infektionsgeschehen

          Vor wenigen Tagen hatte die EU-Kommission den neuen Covid-19-Booster von Biontech zugelassen. Der sogenannte bivalente Impfstoff zielt sowohl auf die Untervarianten BA.4 und BA.5 als auch auf den ursprünglichen Stamm des Coronavirus ab. Die beiden Untervarianten dominieren derzeit das Infektionsgeschehen in Deutschland, sie können nach dem jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstag bei 98 Prozent aller Corona-Infektionen nachgewiesen werden.

          Es wäre das erste Mal, dass der ständig weiterentwickelte Impfstoff von Biontech/Pfizer nun auf die tatsächlich zirkulierenden Varianten abgestimmt ist. Der Wirkstoff, der in diesen Tagen in den ersten Arztpraxen in Hessen verimpft wurde, zielt dagegen noch vor allem auf die frühere Omikron-Variante BA.1, die mittlerweile fast völlig verdrängt wurde. Allerdings bekämpfen beide Wirkstoffe auch den ursprünglichen Stamm des Coronavirus.

          Für beide Omikron-Impfstoffe gibt es allerdings noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die Experten prüfen derzeit die verfügbaren Daten. Die stellvertretende ­STIKO-Vorsitzende Sabine Wicker, die am Frankfurter Uniklinikum arbeitet, stellt eine „sehr zeitnahe“ Empfehlung in Aussicht.

          Die STIKO im Blick

          Sobald die Ständige Impfkommission ihr Votum abgegeben hat, werde auch die Nachfrage nach dem Booster steigen, ist Impfarzt Cheema überzeugt. „Das war im vergangenen Jahr genauso.“ Wenn die Infektionen zahlreicher werden und Einschränkungen wie eine Maskenpflicht erforderlich machen, werde auch die gesundheitliche Vorsorge wieder in den Blickpunkt rücken.

          Viele Praxen und Impfzentren in Hessen haben von dem Angebot Gebrauch gemacht, den aktuellen, an die Corona-Omikron-Variante BA.1 angepassten Impfstoff zu bestellen. Nicht überall kam er in der geforderten Menge an. Unmut gibt es etwa im Main-Kinzig-Kreis. Von dem Impfstoff sei nur ein Bruchteil dessen eingetroffen, was der Kreis bestellt habe. „Das ist ein echtes Ärgernis. Wir haben auf vielfältigen Kanälen für die Impfung geworben, und dann erreicht uns nur ein geringer Anteil dessen, was wir geordert haben“, sagt die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD). Die überraschend stark limitierten Kontingente an den Impfstellen seien auch deshalb besonders misslich, weil eine große Zahl von Bürgern den Aufrufen gefolgt sei.

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