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SPD-Kandidat Oliver Strank : Der Cellospieler aus dem Ortsbeirat

  • -Aktualisiert am

Voller Blick nach Berlin: Der Frankfurter SPD-Bundestagskandidat Oliver Strank beim Wahlkampfauftritt von Martin Schulz auf dem Römerberg in Frankfurt. Bild: Frank Röth

Für die SPD ist er ein Hoffnungsträger, für das breite Publikum dagegen noch ein weitgehend Unbekannter. Doch Oliver Strank will bei der Bundestagswahl etwas reißen.

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          Während der Gedenkveranstaltung der Jungsozialisten im Juli in der Paulskirche für die von einem norwegischen Rechtsterroristen 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya Ermordeten hat Oliver Strank auf dem Cello eine Arie von Bach und Saint-Saëns „Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ gespielt. Die Teilnehmer waren ergriffen von der mit großem Ernst vorgetragenen Darbietung.

          Strank ist ein Musik-Amateur im besten Sinne. Seit seinem achten Lebensjahr hat der gebürtige Frankfurter mit großer Leidenschaft zeitweise drei bis vier Stunden am Tag auf dem Cello geübt. Nach dem Abitur stand für ihn die Entscheidung an: Cello oder Jura. Der junge Mann entschied sich für die Juristerei, das Musikmachen rückte in den Hintergrund und schlief schließlich ein. Im März hat Strank wieder zum Bogen gegriffen – das Cellospielen dient ihm ob der meditativen Wirkung mittlerweile als Ausgleich.

          Zielstrebig und ehrgeizig

          Den hat der Achtunddreißigjährige zuweilen nötig, denn schon seit seiner Nominierung beim SPD-Parteitag im November vergangenen Jahres wirbt der Neuling eifrig für sich. Kaum einer hatte ihm damals zugetraut, die Mehrheit der Delegierten für sich zu gewinnen, in der Kampfabstimmung galt er im Wettstreit mit dem Vorsitzenden der hiesigen Arbeiterwohlfahrt, Ansgar Dittmar, als Außenseiter. Seit seinem überraschenden Sieg weiß man: Dieser zielstrebige und ehrgeizige junge Rechtsanwalt will etwas reißen.

          Strank weiß, dass er am nächsten Sonntag im Wahlkreis 182 (Nordwesten) mehr Stimmen als sein CDU-Konkurrent Matthias Zimmer gewinnen muss, um Bundestagsabgeordneter zu werden. Denn auf der SPD-Landesliste belegt er nur den aussichtslosen Platz 25. Deshalb hat sich Strank schon seit Monaten mit aller Macht in den Wahlkampf geworfen. Im April bildete er mit einem Team von mittlerweile mehr als zehn Freiwilligen nach dem Vorbild der Bundes-SPD eine Kampagne, die das Werben um die Wählerstimmen systematisch organisiert. Für den Wahlkampf hat sich Strank übrigens von seiner Kanzlei beurlauben lassen, seit einigen Wochen konzentriert er sich ganz auf den Stimmenfang.

          Wahlkampf von früh bis spät

          Morgens um 7 Uhr beginnt er sein Tagwerk mit dem Verteilen von Flugblättern an U- und S-Bahnhöfen. Danach bespricht er in einer Telefonkonferenz mit seiner Mannschaft den Stand der Dinge, beantwortet Presseanfragen und kümmert sich um organisatorische Dinge. Häufig folgt dann eine Podiumsdiskussion in einer Schule. Am Nachmittag spricht Strunk in Seniorencafés mit älteren Wählern oder absolviert Besuche bei Vereinen und Institutionen. Von 17.30 bis 20 Uhr stehen in der Regel Hausbesuche auf dem Programm. Abends nimmt er regelmäßig an Veranstaltungen teil. Intensiv unterwegs ist Strank auch im Internet, so beantwortet er während eines Live-Chats auf Facebook die Fragen von Wählern in Echtzeit.

          Ein wenig erinnert Stranks Wahlkampf an den von Barack Obama. Tatsächlich ist der einstige amerikanische Präsident einer der Heroen des SPD-Bewerbers. Während eines Besuchs Obamas in Berlin hat Strank ihm 2008 die Hand gedrückt, das Foto hat er auf dem Handy gespeichert. Damals entschloss er sich, politisch aktiv zu werden. Zu Stranks Vorbildern zählen auch Willy Brandt und Helmut Schmidt, den er dreimal in Hamburg getroffen hat.

          Seit 2011 in der SPD aktiv

          Nach dem Jurastudium in Hamburg und Cambridge ist Strank 2008 nach Frankfurt zurückgekehrt, um seine Doktorarbeit zu schreiben. Damals trat er in die SPD ein, 2011 wurde er Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat1. Und seit dem vergangenen Jahr ist er ein geschätzter Ortsvorsteher und kümmert sich um die Alltagsprobleme in der Innenstadt, im Bahnhofsviertel und im Gallus. Auf seinen Antrag hin dürfen die Ortsbeiräte mittlerweile ihr Budget nicht nur für Verschönerungen, sondern auch für soziale Vorhaben verwenden. Das Boxcamp im Gallus, in dem jungen Leute sich stabilisieren sollen, ist eines der Projekte, die auf diese Weise gefördert werden.

          Freilich reichen Stranks Interessen weit über die Stadtgrenze hinaus. Während des Referendariats absolvierte er seine Wahlstation bei den Vereinten Nationen in New York, sein Interesse galt der Frage, wie sich der Kampf gegen den Klimawandel im internationalen Recht verankern lässt. Strank, dessen Mutter aus England kommt und der deshalb zweisprachig aufgewachsen ist, würde sich als Bundestagsabgeordneter gerne mit Außenpolitik beschäftigen. Sein Spezialthema sind die internationalen Freihandelsverträge wie TTIP, denen er kritisch gegenübersteht.

          Doch noch ist Strank bloß ein Kandidat, der versucht, gegen den schlechten Bundestrend seiner Partei in Frankfurt ein Direktmandat zu erringen. Zuzutrauen ist ihm das wegen seiner Zielstrebigkeit durchaus – wenn nicht in dieser Wahl, dann in der nächsten.

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