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S-Bahn-Anschluss an Terminal 3 : Fraport gerät unter Druck

Tragfähig: Stelzen für die Skytrain-Verbindung zum Terminal 3 Bild: Picture-Alliance

Am Frankfurter Flughafen entsteht das Terminal 3. Nach dem hessischen Verkehrsminister fordert jetzt auch die Frankfurter CDU dass sich Fraport an den Kosten eines neuen S-Bahn-Anschlusses ans neue Terminal beteiligt.

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          Der Druck auf den Flughafenbetreiber Fraport, sich an der Finanzierung einer Schienentrasse und eines Bahnhofs am künftigen Terminal 3 zu beteiligen, wächst. Nach dem hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) hat am Mittwoch, dem 8. Januar, die CDU-Fraktion im Frankfurter Römer Fraport zu einer Beteiligung an den Kosten des Anschlusses aufgefordert. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sei als Mitglied des Fraport-Aufsichtsrats gefragt, eine Entscheidung herbeizuführen, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Nils Kößler.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Feldmanns Wort dürfte Gewicht besitzen, denn immerhin hält die Stadt Frankfurt gut 20 Prozent der Anteile an Fraport. Noch gewichtiger dürfte die Stimme Al-Wazirs sein, denn das Land besitzt sogar ein Drittel der Anteile. Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), der schon oft von Fraport eine Kostenbeteiligung verlangt hat, weist immer darauf hin, dass die Frankfurter Flughafen AG, die Vorgängerin von Fraport, 1972 die Hälfte der Kosten von 100 Millionen Mark für den Regionalbahnhof am Flughafen beglichen hat. Die andere Hälfte übernahm damals der Bund.

          Fraport hat immerhin einen Trassenkorridor für eine S-Bahn-Anbindung des im Bau befindlichen Terminals 3 freigehalten. Insofern trifft der Vorstoß Al-Wazirs für einen direkten S-Bahn-Anschluss des neuen Abfertigungsgebäudes im Süden des Flughafenareals zumindest auf keine planerischen Hindernisse. Das Land will mit 5,5 Millionen Euro die Planung für eine solche Anbindung in Gang bringen. Ein Sprecher des Flughafenbetreibers äußerte gestern, dass der Konzern den Fortschritt erfreut zur Kenntnis nehme und gerne mit der Deutschen Bahn und dem Land Hessen als Vorhabenträger eines solchen Anschlusses spreche. Die Frage allerdings, ob sich Fraport denn auch an den Kosten eines solchen Anschlusses beteiligen würde, will man derzeit im Konzern nicht beantworten. Eine Antwort darauf sei erst am Ende der Gespräche möglich.

          S-Bahn-Anbindung keineswegs nötig

          Der Fraport-Sprecher bekräftigte allerdings, dass der Konzern mit dem schon im Bau befindlichen neuen Personentransportsystem vom Norden des Flughafens in den Süden zum dritten Terminal alle Vorgaben der Planfeststellung für eine leistungsfähige Anbindung nicht nur erfülle, sondern deutlich übertreffe. Diese Einlassung spricht nicht eben dafür, dass das Management des im M-Dax notierten Unternehmens es als vordringlich betrachtet, sich an den Investitionen für einen S-Bahn-Anschluss zu beteiligen. Vielmehr hat das Fraport-Management immer wieder durchblicken lassen, dass man einen Bahnhof am Terminal 3 zwar für eine interessante Erweiterung hält, diese aber keineswegs nötig sei, um das neue Abfertigungsgebäude wie geplant zu nutzen und auszulasten.

          Verschwenkung Linie 7: Damit würde die Anreise aus Frankfurt zum Terminal 3 erleichtert werden.

          Mit der Entscheidung für den Bau eines dritten Terminals am Frankfurter Flughafen war rasch klar, dass Fraport nicht auf einen S-Bahn-Anschluss würde warten können. Vielmehr mussten die Planer sicherstellen, dass mit der Inbetriebnahme des dritten Terminals auch eine schnelle, leistungsfähige Verbindung zwischen dem neuen Abfertigungsgebäude im Süden und den beiden Terminals sowie dem Fern- und dem Regionalbahnhof im Norden bereitsteht.

          Überlasteter Regionalbahnhof problematisch

          Genau das wird nach Ansicht von Fraport mit dem autonomen Personentransportsystem entlang der Autobahn 5 der Fall sein: Die zweiteiligen Schienenfahrzeuge sollen die 5,6 Kilometer zwischen den Terminals im Norden und dem Terminal 3 im Süden in acht Minuten bewältigen können. Passagiere sollen maximal zwei Minuten auf den nächsten Wagen warten. Die neue Bahn soll von 2023 an bis zu 4000 Personen in der Stunde von den Terminals 1 und 2 und den Bahnhöfen im Norden zum neuen Terminal in den Süden transportieren.

          Die Funktionsfähigkeit dieses Transportsystems wird von niemandem bezweifelt. Minister Al-Wazir und der Rhein-Main-Verkehrsverbund weisen aber darauf hin, dass der Regionalbahnhof am Terminal 1 das Problem darstelle. Er sei vollständig ausgelastet und könne nicht weiter ausgebaut werden. Die Passagiere kämen zwar reibungslos vom Terminal 3 zum Terminal 1, müssten aber am überfüllten Regionalbahnhof Wartezeiten in Kauf nehmen. Viele, so die Befürchtung, werden deshalb das Auto vorziehen.

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