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Eintracht Frankfurt : Bergstiefel statt Ballettschühchen

Anlehnungsbedürftig: Auch Eintracht-Profi Stendera ist von der Klasse des Augsburger Keepers Hitz angetan Bild: dpa

Dem 0:0 in Augsburg kann die Eintracht viel abgewinnen. Der Abstand zu den Abstiegsplätzen wächst. Kapitän Meier mahnt trotzdem: „Jetzt nicht größenwahnsinnig werden!“

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          Das Präsent in Form von Punkten hätte großzügiger sein können. Doch Bruno Hübner und Armin Veh waren letztlich zufrieden damit, dass es beim langjährigen Angstgegner Augsburg zumindest zu einem Remis gereicht hat. Eintracht-Sportdirektor Hübner, der am Donnerstag 55 Jahre alt geworden ist, und Trainer Veh, der an diesem Montag gleichfalls 55 wird, haben ihre sportlichen Geburtstagsglückwünsche beim 0:0 zwar nicht vollumfänglich erfüllt bekommen. Doch sie können mit dem Unentschieden leben. „Wir waren die überlegene Mannschaft“, sagte Hübner in den Katakomben der Augsburger Arena. „Das war ein sehr gutes Auswärtsspiel von uns. Wir haben wenig zugelassen und viele Chancen herausgearbeitet. Gescheitert sind wir an einem überragenden Torwart.“

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Das Lob, das auf Marwin Hitz einprasselte, war mehr als berechtigt. Dreimal schickte sich die Eintracht an, durch Alexander Meier (60. Minute), Stefan Aigner (68.) und Szabolcs Huszti (85.) zumindest ein Tor zum verdienten Sieg zu erzielen. Doch dreimal stand ihnen der Torwart des FC Augsburg grandios haltend im Weg und hielt das 0:0 fest. Der Begriff „Weltklasse“ fiel mehr als nur einmal rund um das erste Rückrunden-Auswärtsspiel der Eintracht. „Man muss einfach respektieren, dass der Torhüter sehr, sehr gut gewesen ist“, sagte der abermals formverbesserte Aigner. Spiele in Augsburg, in der Heimatstadt von Veh, sind zuletzt ernüchternde Angelegenheiten für die Eintracht gewesen. Auch diesmal glückte es nicht, die Partie zu gewinnen. Doch die Tendenzen der vergangenen Wochen stimmen positiv. Veh hat Korrekturen vorgenommen und die Kurve bekommen. Spielerisch war die Eintracht die klar bessere Mannschaft.

          Seferovic hat sich selbst in Abseits gedribbelt

          Und auch die fußballerischen Tugenden, bemerkte in seiner Analyse das Vorstandsmitglied Axel Hellmann, hätten viel zum aktuellen Aufschwung beigetragen: „Wir haben Aggressivität, Zweikampfhärte und Willen gezeigt. Wir haben uns richtig in die Zweikämpfe reingeworfen und uns nichts gefallen lassen“, sagte Hellmann, der das „wichtig“ fand. „Sonst sieht man hier kein Land.“ Besonders gefiel ihm, dass man diesmal auf schwierigem Augsburger Terrain die Bergstiefel angezogen habe – und nicht wie in den Vorjahren Ballettschühchen. „Früher waren unsere Vorstellungen blutleer“, sagte Hellmann. Jetzt sind sie blutvoll.“ Trotz der verpassten Gelegenheit, in vier Jahren gemeinsamer erstklassiger Bundesliga-Zugehörigkeit endlich ein Spiel in Augsburg zu gewinnen, herrschte im Frankfurter Lager Zufriedenheit. Nur weil man rund um den Jahreswechsel in drei Begegnungen ungeschlagen geblieben ist, sei dies noch lange kein Grund, „jetzt größenwahnsinnig zu werden“, wie Kapitän Meier mahnte. „Wir sollten auch mit diesem einen Punkt zufrieden sein.“ Zumal er dazu beigetragen hat, den Vorsprung vor den beiden Abstiegsplätzen auf sieben Punkte auszubauen.

          Zufriedenheit? Davon ist in diesen Tagen bei Haris Seferovic nichts zu sehen. Der einstige Stammstürmer hat sich zuletzt selbst ins Abseits gedribbelt und seine Rolle im Team geschwächt. Dass er in Augsburg in der Nachspielzeit von Veh für wenige Sekunden eingewechselt wurde – geschenkt. Auch gegen Stuttgart, den Gegner am kommenden Samstag, deutet derzeit nichts darauf hin, warum der Trainer in der Offensivabteilung etwas an seinem Personal ändern sollte. Und falls Seferovic den unbedingten Drang verspüren sollte, sich sportlich doch noch zu verändern, dann muss er sich sputen. An diesem Montag schließt sich das Fenster der winterlichen Transferperiode.

          Wer spielt für Hasebe im Spiel gegen Stuttgart?

          Von Eintracht-Seite ist nicht mehr geplant, sich von Seferovic zu trennen. „Es gibt Anfragen und Angebote“, sagte Hübner. „Aber wir denken nur darüber nach, wenn wir eine gescheite Alternative haben. Und die gibt es im Moment nicht. Ich denke, das Thema ist abgehakt.“ Veh wird sich in den kommenden Tagen mit dem Thema Abwehr auseinandersetzen müssen. Schließlich steht seit der Nullnummer von Augsburg fest, dass die Eintracht gegen Stuttgart ohne die Stammkräfte David Abraham und Makoto Hasebe antreten muss. Der gelernte Innenverteidiger und der Aushilfs-Rechtsverteidiger sahen beide zum fünften Mal die Gelbe Karte und müssen pausieren.

          Veh könnte Marco Russ von der Sechserposition in die Defensivzentrale zurückbeordern und Slobodan Medojevic vor der Abwehr spielen lassen; und rechts hinten bekäme Aleksandar Ignjovski eine weitere Chance. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders, und der mit großen Ambitionen vom FC Schalke 04 zur Eintracht gewechselte Kaan Ayhan darf sich empfehlen. Die Eintracht zwischen wiedergefundener Balance und notgedrungener Neuausrichtung: Veh steht vor einer weiteren anspruchsvollen Arbeitswoche.

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