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Eintracht Frankfurt : Der Kämpfer bleibt

  • -Aktualisiert am

Immer online: Bruno Hübner, sagt Heribert Bruchhagen, hat seinen Wirkungskreis erweitert. Bild: Wonge Bergmann

Bruno Hübner genießt das Vertrauen der Vereinsführung. Nun steht der Sportdirektor vor der dritten Verlängerung seines Vertrags mit der Eintracht.

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          Es waren keine Verhandlungen. Es war ein Gespräch in lockerer Atmosphäre, das Wolfgang Steubing (Aufsichtsratsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG) mit Sportdirektor Bruno Hübner kürzlich im Trainingslager führte. Und dessen Inhalt Steubing Freude bereitet hat. Hübner habe ihm gesagt, „er würde gerne bleiben“, teilte Steubing am Montag mit. „Ich würde das sehr begrüßen.“ Den Vertrag mit ihrem Sportdirektor, der im Juni 2016 endet, will die Eintracht vorzeitig verlängern. Die Gespräche mit Hübner hat der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen bereits aufgenommen. Dieser habe seinen Job gut gemacht, sagte Bruchhagen am Montag dieser Zeitung. „Es spricht alles dafür, den Vertrag zu verlängern.“ „Ich kann mir das gut vorstellen“ - das waren die Worte von Hübner. Aufgrund der beiderseitigen Bereitschaft, die Zusammenarbeit fortzusetzen, dürfte eine Einigung nicht mehr lange auf sich warten lassen. Hübner wird voraussichtlich einen neuen Zwei- oder Dreijahresvertrag unterschreiben. Seit dem Jahr 2011 ist er bei der Eintracht. Er steht jetzt vor seiner dritten Vertragsverlängerung in Frankfurt.

          Für die Eintracht ist das ein logischer Schritt. Besonders in Kombination mit dem neuen, alten Trainer Armin Veh, den Hübner zurückholte. Beide sind ein eingespieltes Team, das in den ersten drei Jahren gut harmonierte. Und das sich auch gut ergänzte. Veh weiß schnell, was er will. Er ist überzeugt von seinen Vorstellungen. Hübner hingegen wägt länger ab. Er stellt Dinge auch mal in Frage. Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit zeichnen den Vierundfünfzigjährigen aus. „Seine Geduld bei den Verhandlungen ist unendlich. Das ist Wahnsinn“, sagt Steubing. Hübner sieht seine Stärke darin, „Spieler emotional mit auf die Reise nehmen“ zu können. Sie vom Projekt Eintracht Frankfurt zu überzeugen. Beim Verhandeln und Pokern hat Hübner gute Nerven. Kevin Trapp, der nun für rund neun Millionen Euro an Paris St. Germain abgegeben wurde, ist der größte Transfer-Treffer von Hübner. Auch Haris Seferovic, Carlos Zambrano und Stefan Aigner haben die Eintracht sportlich bereichert. In diesem Sommer schicken sich Stürmer Luc Castaignos und Mittelfeldspieler Stefan Reinartz an, das Niveau der Mannschaft anzuheben.

          Bender kritisierte Hübner öffentlich

          Hübner unterliefen jedoch auch Fehler bei der Auswahl von Spielern. Sie hießen Lucas Piazon, Jan Rosenthal, Olivier Occean, Rob Friend und Martin Amedick und konnten sich alle nicht durchsetzen. Allerdings fällt die sportliche Gesamtbilanz unter der Führungskraft Hübner für Eintracht-Verhältnisse durchaus positiv aus. Nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga folgte Platz sechs. Das war die beste Plazierung seit 1995. In der Europa League schloss sich das wirtschaftlich erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte an. Und in der Vorsaison landete die Eintracht auf dem neunten Platz mit 43 Punkten - trotz der Probleme mit Trainer Thomas Schaaf. In den vergangenen 20 Jahren erreichte die Eintracht nur fünfmal mehr als 40 Punkte in einer Saison.

          Vor einem Jahr wurde Hübner noch kritisiert - vom ehemaligen Aufsichtsratschef Wilhelm Bender. Ihm erfolgte die Zusammenstellung der neuen Mannschaft zu zögerlich. Öffentlich angegangen zu werden war für den Sportdirektor neu. Der Vorwurf traf ihn. Er wusste sehr wohl, dass es den einen oder anderen Skeptiker in Reihen der Eintracht gab, der an seiner Arbeit zweifelte. Nur passierte das dann unter vorgehaltener Hand.

          Steht nicht im Glanzlicht der Öffentlichkeit

          Anfeindungen wecken in Hübner vor allem den Kämpfer. Der gelernte Industriekaufmann ist ein ehrgeiziger Malocher, der mit harter Arbeit seine Ziele verfolgt. Der Vertrauen in seine Fähigkeiten hat. Und der nach außen ruhig bleibt, wenn er einstecken muss. Dabei kann Hübner sehr emotional sein. Doch von seinen Plänen lässt er sich nicht ablenken. Bisher hat er es immer geschafft, eine wettbewerbsfähige Mannschaft mit dem Trainer zusammenzustellen - und das, obwohl er einige Spieler wie Kevin Volland (Hoffenheim) und Max Kruse (Wolfsburg) nicht für die Eintracht gewinnen konnte, weil sie woanders mehr Geld verdienten.

          In der Riege der Bundesligamanager steht Hübner, der über den SV Wehen und den MSV Duisburg zur Eintracht kam, nicht im Glanzlicht der öffentlichen Wahrnehmung. Aber es drängt ihn auch nicht in den Vordergrund. Auch wenn ihn der eine oder andere unterschätzen mag: Sein Ansehen ist gestiegen. Bei den Eintracht-Verantwortlichen besitzt Hübner eine hohe Wertschätzung. Wie er oft auch schwierige Dinge umsetze, „davor kann ich nur den Hut ziehen“, sagt Steubing. Und Bruchhagen sagt: „Bruno Hübner hat von Jahr zu Jahr seinen Wirkungskreis erweitert.“

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