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Grundstein gelegt : Eine neue Heimat für die F.A.Z.

Die Zukunft hat 18 Geschosse: So soll der F.A.Z.-Tower im Europaviertel aussehen. Bild: Simulation bloomimages

Der Grundstein für den F.A.Z.-Tower im Frankfurter Europaviertel ist gelegt. 2022 soll das Hochhaus fertig sein. Für Ministerpräsident Bouffier ist der Umzug ein „starkes Signal“.

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          Die Zeitung kommt per Luftpost. Unter den acht surrenden Rotoren einer Drohne schwebt die Zeitkapsel ein, die im Grundstein des „F.A.Z.-Towers“ eingemauert wird. Das nach seiner Fertigstellung 60 Meter hohe Hochhaus wächst schon langsam aus der Baugrube im Frankfurter Europaviertel empor. 2022 soll der neue Sitz des Verlags und der Redaktion dieser F.A.Z. bezogen werden. Sollten künftige Generationen die Kapsel dereinst einmal öffnen, werden sie darin nicht nur die F.A.Z. vom Tag der Grundsteinlegung finden, sondern auch einen Speicherstick mit sämtlichen Titelseiten seit der Gründung 1949 und, als blasse Erinnerung an eine hoffentlich längst überwundene Plage, eine Corona-Maske mit Fraktur-F. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) steuert einen Füller für die „schreibende Zunft“ bei, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) legt einen Speicherstick mit seiner „unzensierten“ Rede hinzu, wie er freudig betont. Dann folgen drei Hammerschläge auf den Grundstein – zum Wohle des Baus und der Mitarbeiter.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Drohnenflug am Mittwoch verband symbolisch Altes und Neues, den in die Jahre gekommenen Stammsitz und den modernen Arbeitsplatz der Zukunft. Schon am frühen Morgen startete die Drohne auf dem bisherigen F.A.Z.-Gelände im Gallus, die Baustelle liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Dennoch wird die Nachbarschaft eine ganz andere sein. Das Neubaugebiet mit seinen Hochhäusern ist fast fertig, die letzten Gebäude nehmen Gestalt an. Nebenan entsteht ein Bürohaus, in dessen Erdgeschoss zwei Geschäfte einziehen sollen. Ob, wie ursprünglich geplant, auch ein Supermarkt darunter sein wird, sei noch nicht entschieden, heißt es beim Bauherrn UBM, der das Hochhaus und das angrenzende Gebäude gemeinsam mit der Paulus-Gruppe entwickelt.

          Platz für 1000 Mitarbeiter

          Der F.A.Z.-Tower wird nach einem Entwurf des Büros Eike Becker Architekten errichtet und auf 18 Geschossen Platz für 1000 Mitarbeiter bieten. Die F.A.Z. hat den Turm langfristig gemietet und wird dort außer den Verlagsabteilungen und der Redaktion auch ihre Tochtergesellschaften unterbringen. Das alte Areal zwischen der Mainzer Landstraße und der Frankenallee wird zu einem gemischt genutzten Quartier weiterentwickelt, in dem außer Büros auch eine Schule und vor allem Wohnungen entstehen. Die F.A.Z. werde damit ihrer Verantwortung als „corporate citizen“ gerecht, sagte bei der Grundsteinlegung am Mittwoch Geschäftsführer Thomas Lindner. Die Frankfurter Societät und der Verlag der F.A.Z. sind zur Hälfte an der Entwicklung des „Hellerhöfe“ genannten Wohnquartiers beteiligt, die sie in Partnerschaft mit der Hopp-Gruppe und dem Projektentwickler Bauwens angehen.

          Bereit: Hämmer für die Grundsteinlegung
          Bereit: Hämmer für die Grundsteinlegung : Bild: Lucas Bäuml

          Zur Grundsteinlegung waren außer Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Feldmann auch die Dezernenten für Planung und Wirtschaft, Mike Josef (SPD) und Markus Frank (CDU), auf die Baustelle gekommen. Der Neubau vermittle Zuversicht und sei ein starkes Signal in eine Branche, die im Wandel begriffen sei, sagte Bouffier und fügte hinzu: „Zeitungen haben Zukunft und werden gebraucht.“ Die freie Presse sei konstitutiv für die Demokratie. Die F.A.Z. sei ein Leitmedium für Deutschland und biete „Orientierung für unser Land“. Feldmann sprach von einem „wichtigen Ereignis für die gesamte Stadt“, die von vielfältigen und kritisch berichtenden Medien geprägt sei. In Frankfurt lohne sich keine „Geheimniskrämerei“, in der Stadt sei vieles transparent, was sich an anderen Orten verbergen lasse. „Hier wird jeder kritisiert, der Oberbürgermeister steht dabei in der ersten Reihe.“

          Für Geschäftsführer Lindner ist der Umzug ein starkes Symbol. „Das ist ein Signal an alle Zweifler, die Zeitungshäuser zu den Totgesagten zählen.“ Einige alte Verlagsbüros hätten inzwischen den Charme „alter Schuhschachteln“. Die räumliche Trennung von Verlag und Redaktion, die beiderseits der Hellerhofstraße sitzen und durch einen spöttisch „Seufzerbrücke“ genannten Übergang verbunden sind, bezeichnete er als Anachronismus. „Wir müssen da raus. Es ist Zeit für Neues. Die F.A.Z. zieht nach Westen, wie früher die Siedler nach Kalifornien.“ Das neue Gebäude werde „sehr schick, sehr cool und sehr hoch“, sagte Lindner und, an den UBM-Vorstandsvorsitzenden Thomas Winkler gerichtet: „Wir wollen lieber heute als morgen hier einziehen.“

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