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Abschied von Moderatorin : Cantus firmus des HR

Abschied nach über 30 Jahren: Kulturredakteurin Ruth Fühner Bild: Tobias Schmitt

Es wird ruhiger in Frankfurt. Denn die Kultur-Moderatorin Ruth Fühner verabschiedet sich vom Hessischen Rundfunk. Ein kleiner Rückblick.

          Eine Frankfurter Stimme verstummt im Äther. Ruth Fühner, Moderatorin beim Hessischen Rundfunk (HR), ist gestern zum letzten Mal auf HR2-Kultur im „Kulturfrühstück“  zu hören gewesen. Nach 35 Jahren vor dem Mikrofon in diversen Sendungen verabschiedete sich Fühner mit ihren Lieblingsmusiken von einer Hörerschaft, für die die kompetenten Ansagen, Fragen, Erläuterungen und Kommentare der Frau aus Pforzheim über viele Jahre zu ihrer kulturellen Tagesration gehörten.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einer ihrer Fans, der Opern-Dramaturg Norbert Abels, lobte in einer Grußbotschaft auf Fühners Abschiedsfeier den Klang ihrer Hebungen und Senkungen und nannte sie den „Cantus firmus“ des Senders: „Ich mag ihre Stimme nicht missen.“ Das wird er aber müssen, denn beim Hessischen Rundfunk gibt es kein Moderieren nach dem Renteneintritt.

          Kultur im HR ohne Ruth Fühner könnten sie sich nicht vorstellen, teilten die Verleger Ida und Klaus Schöffling traurig mit: „Sie wird uns fehlen.“ Und auch Manfred Beilharz, der einstige Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, weint Fühner, die als Theaterkritikerin viele seiner Aufführungen rezensiert hat, eine große Träne nach.

          Bei ihrer Verabschiedung war die Rede von der „strahlenden Königin der Kulturmagazine“ im HR. Ob „Mikado“, „Radioskop“ oder wie die Programme auf HR2 im Laufe der Jahre auch immer hießen: Fühner hat im Studio stets mit großer Souveränität ihre Gäste begrüßt und befragt, mit ihren kundigen Anmoderationen dem Beitrag meistens einen Mehrertrag hinzugefügt und immer wieder mit ausgefallenen Formulierungen und Gedanken überrascht. Auch im Fernsehen konnte man sie eine Zeitlang sehen, doch ihre wahre Berufung war das Radio.

          Dorthin ist sie im Grunde durch Zufall geraten: Eine Künstlerin, in deren Haus sie nach ihrem Umzug nach Frankfurt wohnte, gab ihr den dringenden Rat, beim Hessischen Rundfunk anzuklopfen. Dabei war Fühner als Mädchen über ihre Stimme, die man zu Hause auf Tonband aufgenommen hatte, entsetzt gewesen. Dass sie dazu berufen war, eine Kulturstimme für Hessen zu werden, hat sie erst im Sprechen vor den HR-Mikrofonen nach und nach registriert.

          „Ach, wir vermissen dich jetzt schon, Ruth“, sangen Fühners Kollegen zur Melodie von Martin Gotthard Schneiders Kirchenlied „Danke“ zum Abschied. Und der letzte Satz lautete: „Das war Radio pur!“

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