Antico Caffè San Marco : Kaffeehaus in Seenot

Viel mehr als nur Espresso und Cappuccino: Das Antico Caffè San Marco ist eine Institution in Triest. Denn hier wohnt seit hundert Jahren die Seele der Stadt.
Das Antico Caffè San Marco geschlossen? Das kann nicht sein. Die Gäste wollen es nicht glauben, als sie am 24. Dezember 2012 ihr Stammcafé an der Triestiner Via Cesare Battisti ansteuern und die Türen verriegelt vorfinden. Franco Filippi führt das Lokal seit gefühlten Ewigkeiten. Sehr untypisch für ihn, ohne Vorankündigung das „Chiuso“-Schild auszuhängen. Was könnte da passiert sein? Man diskutiert die Möglichkeiten, bis einer der Nachbarn von einem Krankenwagen berichtet, der am Vortag vorgefahren ist und den Cafetier ins Hospital gebracht hat. Dort ist Franco überraschend gestorben. Die Nachricht macht die Runde. Man betrauert den Toten und sorgt sich gleichzeitig um sich selbst: Wie würde es nun weitergehen? Das Kaffeehaus ist im Besitz der Assicurazioni Generali, der größten Versicherungsgesellschaft Italiens, 1831 in Triest gegründet. Das Los des San Marco liegt also in den Händen von Managern und Bürokraten. Würden die Damen und Herren hinter ihren Schreibtischen begreifen, was ein bald hundertjähriges Lokal wie dieses für die Stadt bedeutet? Und, noch wichtiger: Wie viel von seiner Seele zwischen den Spiegeln, Fresken und Paneelen steckt?





