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Elefanten : Es war einmal in Afrika

  • -Aktualisiert am

Elefant im Etosha-Nationalpark: Wie viele der Dickhäuter es in Namibia noch gibt, ist unbekannt. Bild: Picture-Alliance

Als Kind hat unsere Autorin mit Stoßzähnen gespielt. Erst sehr viel später hat sie sich mit deren Herkunft beschäftigt – und sich auf Elefantensuche im Süden Afrikas gemacht.

          8 Min.

          „Südwestafrika wahrscheinlich“, hatte mein Großvater vor einigen Jahren gesagt, als ich ihn gefragt hatte, woher der Stoßzahn gekommen sei, der viele Jahre unter unserem Sofa gelegen hatte. Manchmal, wenn mich Freunde zu Grundschulzeiten besucht hatten, hatte ich ihn hervorgezerrt, wir hatten uns danebengelegt, der Zahn hat uns überragt, und wir haben über den Riesenelefanten phantasiert, der ihn mal getragen haben muss.

          An den Wänden in meinem Elternhaus hingen filigrane Schnitzereien von namenlosen afrikanischen Gesichtern und von Tierkarawanen – allesamt in Elfenbein gearbeitet. Wie viel Leid damit verbunden war und noch immer ist, habe ich erst Jahrzehnte später verstanden. Als Kind war ich ihnen mit einem Schulterzucken begegnet. Mein Großvater war einst Zimmermann gewesen und war nach dem Zweiten Weltkrieg zum Elfenbeinschnitzer geworden. Heute ist Elfenbein aus der Mode gekommen. Auch unser Stoßzahn und die Figuren waren irgendwann verschwunden. Es muss zur selben Zeit gewesen sein, als meine Freunde nicht mehr über den Stoßzahn gestaunt, sondern zu fragen begonnen hatten: Wo kommt der her? Und hast du mal darüber nachgedacht, was das mit dir zu tun hat?

          Vermächtnis des Großvaters

          Als mein Großvater starb, standen wir in seinem Keller vor einem Dutzend Stoßzähnen. Ich musste wieder an diese Fragen denken, die ich immer zur Seite geschoben hatte, stellte sie nun selbst und durchstöberte auf der Suche nach Antworten die wenigen verbliebenen Aktenordner. Mein Großvater hatte Afrika nie gesehen. Das Elfenbein hatte er von einem Großhändler aus London bekommen. Auf den letzten Cites-Zertifikaten, die für den Handel mit gefährdeten Arten ausgestellt werden, steht Zimbabwe als Ursprungsland. Der Elfenbeinhandel hat die Elefantenpopulation dezimiert, daran besteht kein Zweifel. Nur: Wie steht es heute um die Dickhäuter? Mit dieser Frage im Kopf bin ich wenig später durch den Süden Afrikas gereist. In Südwestafrika, das seit 1990 Namibia heißt, begab ich mich mit einer Reisegruppe auf den Weg durch Botswana bis nach Zimbabwe.

          Rot leuchtete die Erde der namibischen Steppe, darauf verstrubbelte Büsche. „Doch ja, manchmal sieht man Elefanten am Straßenrand“, sagte der Taxifahrer, der mich am Flughafen eingesammelt hatte, „aber nicht so oft wie früher.“ Namibia sei die Heimat von rund 22.000 Elefanten, gibt das Land an, aber die Zahl wurde nie verifiziert. 2016 hat die NGO „Elephants without Borders“ einen großen Zensus der Tiere angefertigt. Ein Jahr lang waren 19 Wissenschaftler kreuz und quer über 18 Länder Afrikas geflogen und haben gezählt – nur nicht in Namibia. Das Land hat die Fluggenehmigungen verweigert, weil man der Meinung war, die eigenen Zahlen seien ausreichend, die Elefantenpopulation stabil. So stabil, dass Namibia auf der Konferenz der gefährdeten Arten in Johannesburg 2016 gemeinsam mit Zimbabwe den erfolglosen Antrag gestellt hatte, den ausgesetzten Handel mit Elfenbein wiederaufnehmen zu dürfen. Drei Jahre später sind es wieder Namibia und Zimbabwe, diesmal gemeinsam mit Botswana, die eine Erlaubnis erwirken möchten, ihren Lagerbestand an (beschlagnahmtem) Elfenbein verkaufen zu dürfen. Auch das blieb erfolglos. Ob man irgendwo Elfenbein bekommen könne, fragte ich den Taxifahrer, der mich nur misstrauisch ansah. „Klar, tonnenweise. Die Regierung weiß gar nicht, wie sie es loswerden kann. Sie sammelt es von toten Tieren ein oder konfisziert es.“

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