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Gehaltssystem : In Deutschland werden gute Lehrer nicht belohnt

Wenn er gut ist, sind auch die Schüler gut. Bild: dpa

Für den Erfolg von Schülern ist nichts so wichtig wie ein guter Lehrer. Auch das ist eine Lehre aus dem Schulleistungsvergleich. Aber wie schafft man Anreize für einen guten Unterricht? Eine leistungsabhängige Bezahlung der Lehrer wäre eine Möglichkeit.

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          Die Lage war aussichtslos. Die neunte Klasse der Johannes-Schule in Malmö bestand aus einer Ansammlung von Verlierern: Lauter Bildungsversager und Schulschwänzer hockten da in einer der schlechtesten Schulen Schwedens gemeinsam im Klassenraum. Dann kamen acht der besten Lehrer des Landes und mit ihnen das Fernsehen. Vor laufender Kamera sollten die neuen Lehrer, deren Schüler über Jahre überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt hatten, diesem Häufchen Bildungselend das Denken und Arbeiten beibringen. Binnen sechs Monaten sollten sie zu einer der besten Abschlussklassen Schwedens werden. Das Experiment war aufsehenerregend – und gelang. Die Schüler wurden richtig gut. Ausgerechnet in Mathe schafften sie es bis an die Landessspitze. Der Mathe-Lehrer ist seither ein Star. Und ganz Schweden diskutierte.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das Ganze ist schon eine Weile her. Aber es zeigte, worauf es im Bildungssystem wirklich ankommt: auf gute Lehrer. Sie stehen im Zentrum des Bildungserfolges. Diese Einsicht zieht langsam auch in Deutschland Kreise. Auch die Ergebnisse des Schulleistungsvergleichs der Bundesländer, der diese Woche veröffentlicht wurde, zeigen vor allem eines: Nicht Schulform oder Klassenstärke helfen den Schülern, sondern gute engagierte Lehrer. Trotzdem weiß in Deutschland bisher niemand genau, welcher Lehrer wirklich gut ist.

          Keine Anreize, sich anzustrengen

          Die Lehrer selbst trauen sich offenbar einiges zu. Die Hälfte von ihnen will inzwischen leistungsabhängig bezahlt werden. So etwas wäre eine Revolution in einem System, das gute Lehrer nie finanziell belohnt und schlechten keine Anreize bietet, sich anzustrengen. Nach einer neuen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung wünscht sich jeder zweite Pädagoge (49 Prozent) im Schuldienst eine Differenzierung, die seiner Leistung Rechnung trägt. Nur gut ein Drittel ist explizit dagegen. Vor allem die Gymnasiallehrer (56 Prozent) sprechen sich für eine solche Bezahlung aus. Unter den Haupt- und Realschullehrern sind es 43 Prozent, bei den Grundschullehrern 45 Prozent.

          Der Volksmund weiß, was ein guter Lehrer ist: einer, der motiviert, führt, vermittelt, beseelt. Er ist gerecht, hat eine natürliche Autorität und mag Kinder und Jugendliche. Bei solchen Lehrern lernt man viel. Nur werden Lehrer nie danach beurteilt. Das Bildungssystem stuft die Lehrer nach dem Input ein: ihrem Fachwissen, der pädagogischen Ausbildung und der Erfahrung, also der Zeit, die sie im Klassenzimmer verbracht haben. Alte Lehrer werden besser bezahlt als junge, Gymnasiallehrer besser als Grundschullehrer.

          Das alles aber sagt über die Qualität des Lehrers wenig aus. Viel wichtiger wäre es, sich am Output zu orientieren, dem Lernerfolg der Schüler. Um zu wissen, wie gut ein Lehrer ist, muss man daher Schülerleistung messen. Jörg Dräger, Bildungsvorstand bei der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh, ist der Überzeugung, dass das möglich ist. „Man sollte allerdings nicht die absolute Leistung messen, sondern den Lernfortschritt eines jeden Schülers“, sagt er. Denn das soziale Umfeld spielt eine große Rolle bei den kognitiven Fähigkeiten der Kinder. Diese relative Messung hätte den großen Vorteil, dass man von der Veränderung innerhalb eines Jahres auf den Beitrag des Lehrers schließen kann. So wie in Schweden. Tests am Anfang sowie am Ende des Schuljahres könnten das deutlich machen. Schon allein die Transparenz wäre ein Leistungsanreiz für Pädagogen.

          Design für eine leistungsabhängige Bezahlung ist schwierig

          Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Denn bei der Verknüpfung von Schüler- und Lehrerleistung spielt das Design eine bedeutende Rolle, um Fehlanreize zu vermeiden. „In den Vereinigten Staaten ist genau das gerade ein ganz heißes Thema“, sagt Bildungsökonom Hendrik Jürges von der Universität Wuppertal. Misst man die Qualität des Lehrers zum Beispiel daran, wie viele Schüler es über eine bestimmte Anforderungsschwelle schaffen, dann kann es sein, dass sich Lehrer nur um die kümmern, die gerade darunter liegen. Denn da lohnt sich das Engagement. Die Überflieger und die hoffnungslosen Fälle verlöre der erfolgsorientierte Lehrer bei so einem Design aus dem Blick. So ein Lehrer wäre kein guter. Forscher vieler Disziplinen arbeiten daran, diese Designfehler zu korrigieren.

          „Wir haben so viele gute und engagierte Lehrer in Deutschland“, beteuert Dräger von der Bertelsmann-Stiftung. Angesichts dessen, was die Schüler meinen, klingt das fast beschwörend. Die bescheinigen nämlich nur jedem 5. Lehrer größeres Engagement. Dräger würde den Lehrern sogar entgegenkommen. „Ihre Leistungen, gemessen am Lernfortschritt der Schüler oder der Bewältigung großer pädagogischer Anforderungen – etwa der Unterricht an Brennpunktschulen –, müssen sich auch finanziell lohnen.“ Der Bildungsexperte spricht sich für niedrigere Einstiegsgehälter, bessere Aufstiegschancen und höhere Leistungszulagen aus.

          Dagegen, die Leistungen von Lehrern zu messen, werden indes schwere Geschütze aufgefahren. Bisher mit Erfolg. Sie führten zu verzerrten Ergebnissen, heißt es, seien ungerecht, nicht objektiv genug, brächten neue Hierarchien in den Schulen, es gäbe Neid und soziales Konkurrenzverhalten. Am Ende litten die Schüler – das Totschlagargument. Bildungsökonom Jürges wünscht sich mehr Courage in Deutschland: „Einfach mal eine mutige Schulbehörde, die sich traut, das eine oder andere Modell auszuprobieren und unabhängig evaluieren zu lassen“. Dazu braucht es natürlich einen Kultusminister, der bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen. Jeder will in Deutschland gute Lehrer. Aber keiner will ihre Leistung messen. Das Gros der Lehrer dagegen hat nach der jüngsten Umfrage von Allensbach offenbar keine Angst mehr davor.

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