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Diskriminierte Bewerberin : Kopftuch ist kein Ablehnungsgrund

Samantha Elauf machte mit Kopftuch Karriere in der Textilbranche. Bild: AP

Eine Muslimin prozessierte in Amerika gegen die Modekette Abercrombie & Fitch. Denn wegen ihres Kopftuch war ihre Bewerbung erfolglos geblieben. Nun gewann sie vor dem höchsten Gericht. Für ihre Karriere hätte sie das gar nicht mehr nötig gehabt.

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          Die Modekette Abercrombie & Fitch hat die Muslimin Samantha Elauf in ihren Grundrechten verletzt, als sie deren Einstellung verweigerte. Das ist die Quintessenz eines Urteils des Höchsten Gerichts der Vereinigten Staaten. Abercrombie stellte die praktizierende Muslimin Elauf nicht ein, weil ihr Kopftuch nicht zu dem von der Firma lange vorgeschriebenen Erscheinungsbild für Mitarbeiter passte.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Elauf trägt das Kopftuch, um den Regeln ihrer Religion zu folgen. Nach Einschätzung der großen Mehrheit der Richter (8 zu 1) hat Elauf bewiesen, dass das Unternehmen sie wegen ihrer Religion und der damit verbundenen religiösen Praktiken nicht eingestellt hatte. Das Höchste Gericht stärkt damit religiöse Arbeitnehmer. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern bei deren Religionsausübung entgegenkommen, wenn das nicht den Geschäftsbetrieb in unangemessener Weise beeinträchtigt.

          Die Firma Abercrombie hatte geltend gemacht, dass sie keine Kenntnis über die Religion der Kandidatin gehabt habe, diese sei auch während der Bewerbungsgespräche kein Thema gewesen. Schon allein deshalb könne Abercrombie nicht vorgeworfen werden, die Kandidatin aus religiösen Gründen diskriminiert zu haben.

          Grundsätzlich geeignet - und trotzdem eine Absage

          Falsch, sagen die Richter. Ihnen zufolge räumt das amerikanische Recht der Religion und ihrer Ausübung eine besondere Bedeutung ein, die Arbeitgebern mehr abverlangt, als dies bei säkularen Fragen der Fall wäre. Ein Arbeitgeber verletze selbst dann religiöse Rechte, wenn er ein Entgegenkommen verweigere, ohne genaue Kenntnis über die Religion des Kandidaten zu haben, schreiben die Richter.

          Eine Abercrombie-Managerin hatte Elauf 2008 interviewt, für grundsätzlich geeignet empfunden und zugleich Vorgesetzte um Entscheidung gebeten, ob die Firmenpolitik die Einstellung erlaube. Elauf bekam schließlich eine Absage. Abercrombie hat nach eigenen Angaben inzwischen ihre Firmenpolitik, Menschen wegen ihrer Attraktivität einzustellen, ebenso gelockert wie die strengen Bekleidungsvorschriften.

          Samantha Elauf hat seit der Absage 2008 Karriere im Textilhandel gemacht. Sie ist inzwischen Managerin einer Filiale von Urban Outfitters in Tulsa.

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