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Neue Studie : Leiharbeit und Minijob schlecht fürs Privatleben

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Schwieriger Teilzeit- oder Minijob: Vor allem Frauen sind betroffen. Bild: dpa

Wer kein typisches Vollzeitarbeitsverhältnis hat, verdient weniger - das ist klar. Doch Leiharbeiter, Minijobber und Co haben auch mehr Probleme im Privatleben, zeigt nun eine Studie - die allerdings von einer gewerkschaftsnahen Stiftung mitfinanziert wurde.

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          Leiharbeitnehmer, Minijobber und Teilzeitbeschäftigte verdienen oft weniger als Arbeitnehmer in normalen Arbeitsverhältnissen. Aber das ist nicht alles: Eine neue Studie zeigt nun, dass Menschen, die jenseits der „Norm“ arbeiten auch häufiger Schwierigkeiten im Privatleben haben - in den Bereichen Partnerschaft, Familie, soziale Netzwerke oder gesellschaftliche Teilhabe.

          Die Untersuchung des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP) in Münster, die von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stifung mitfinanziert wurde, zeigt anhand von Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP): Vor allem Frauen sind die Leidtragenden und besonders häufig mit den Risiken konfrontiert, die aus atypischen Beschäftigungsverhältnissen erwachsen.

          Die Wissenschaftler um die Politikwissenschaftlerin Irene Gerlach sehen atypische Beschäftigung nicht pauschal als negativ an, betonen aber den zwiespältigen Charakter: Bei befristeten Stellen und Leiharbeitsjobs gebe es meist für die Betroffenen schlicht keine Alternative. Teilzeit- oder Minijobs würden aber oft bewusst von Frauen gewählt, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Doch dahinter steckten oft „strukturelle Zwänge“, wie etwa fehlende Möglichkeiten der Kinderbetreuung oder ein mangelndes Familienbewusstsein in der Arbeitswelt.

          Viel Zeit für Kinderbetreuung

          Beschäftigte in Teilzeit oder Minijobs investieren am meisten Zeit in die Betreuung von Kindern - im Durchschnitt zwischen etwa sieben und mehr als elf Stunden je Werktag, wenn das jüngste Kind unter drei Jahre alt ist. Diese Arbeit leisten der Studie zufolge vor allem Frauen. Zwar wenden auch Väter, die in Teilzeit arbeiten, mehr Zeit für Kinder auf als regulär Beschäftigte, aber bei den Müttern stellten die Forscher „weitaus deutlichere Effekte“ fest. Am wenigsten Zeit für die Kinderbetreuung - 2,7 Stunden pro Werktag - bringen Beschäftigte in Normalarbeitsverhältnissen auf, eine Gruppe mit besonders hohem Männeranteil.

          Frauen, die ihre Arbeitszeit zugunsten der Familie reduzieren, seien abhängiger vom Partner und damit im Falle einer Trennung schlechter abgesichert, schreiben die Studienautorn. Außerdem zeigten die Untersuchungen, dass atypisch beschäftigte Frauen in erhöhtem Maße finanzielle Unterstützung von Familienmitgliedern außerhalb des Haushalts erhalten.

          In Partnerschaften ist eine traditionelle Rollenverteilung nach wie vor weit verbreitet: „Während normalbeschäftigte Männer zumeist eine Partnerin im Hintergrund haben, die ihnen den Rücken für das berufliche Engagement freihält“, sind Frauen mit regulärem Job mehrheitlich ledig, schreiben die Forscher. Atypische Beschäftigung scheint jedoch Partnerschaften zu belasten, besagt die Studie: Nicht verheiratete Paare trennen sich deutlich häufiger, wenn ein Partner in Leiharbeit beschäftigt ist oder wenn beide Partner atypische Jobs haben. Bei Verheirateten ist dieser Effekt nicht zu beobachten.

          Große Unterschiede stellten die Forscher auch fest, wenn es um die Mitsprache im Betrieb geht: Je größer die Abweichung vom Normalarbeitsverhältnis ist, desto seltener gehören Beschäftigte einer Gewerkschaft oder einem Betriebsrat an.

          In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der atypisch Beschäftigten deutlich gestiegen. Ein großer Teil des Jobwachstums seit den 1990er-Jahren ging auf die zunehmende Verbreitung solcher Beschäftigungsverhältnisse zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2012 knapp acht Millionen Menschen atypisch beschäftigt.

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