https://www.faz.net/-gyl-7ic5z

Berufsausbildung : Mustafa will es schaffen

  • -Aktualisiert am

Eine Arbeit, keine Hilfstätigkeit: Der Auszubildende Mustafa Sahin hat sich berappelt. Bild: Privat

Schlechte Schüler haben bisher am Ausbildungsmarkt nur geringe Chancen. Das ändert sich langsam, doch ohne Hilfe geht es nicht. Ein Beispiel aus Baden-Württemberg.

          5 Min.

          Mit seinen 20 Jahren ist Mustafa Sahin einer von vielen Auszubildenden im schwäbischen Schorndorf. Der türkischstämmige Sahin lernt in dreieinhalb Jahren den Beruf des Konstruktionsmechanikers und kommt jetzt ins zweite Ausbildungsjahr. Sein Ausbildungsbetrieb ist die Firma Almepro Metalltechnik. Für den Chef Alain Meyer, gebürtiger Franzose aus dem Elsass, der wegen der Arbeit mit 18 Jahren nach Baden-Württemberg kam, ist das Engagement in Ausbildung eine klare Sache. „Wir bilden aus, weil wir gute Leute brauchen.“ Obwohl das Unternehmen erst seit knapp einem Jahr existiert, ist schon viel los in der Fabrikhalle. Hochwertige Maschinenverkleidungen werden gelasert, geschweißt und gekantet. Aufträge gibt es genug für die 38 Beschäftigten.

          Mitten unter ihnen ist Mustafa Sahin, der es anfangs schwerhatte, einen Ausbildungsplatz zu finden. Seine Leistungen in der Hauptschule ließen zu wünschen übrig, entsprechend waren seine Zeugnisse. Eigentlich ein klarer Fall: keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Ein Kandidat für die vielen Warteschleifen im Übergangsbereich oder Job-Hopper auf dem Arbeitsmarkt. Das ist ein durchaus attraktiver Weg in konjunkturell guten Zeiten. In der vor Kraft strotzenden Wirtschaftsregion Stuttgart gibt es immer noch reichlich Jobs für ungelernte Arbeiter. Karriere hätte Sahin als Un- oder Angelernter allerdings wohl kaum machen können.

          Assistierte Ausbildung gibt es nur in Baden-Württemberg

          Aber der junge Türke, der in Schorndorf geboren und aufgewachsen ist, wollte nicht nur Geld verdienen. Er wollte einen Beruf erlernen. So kam er über die Arbeitsagentur mit dem Berufsbildungswerk in Waiblingen, eine Einrichtung der Diakonie Stetten, in Kontakt. „Zunächst war unklar, was Mustafa für einen Beruf erlernen wollte“, berichtet Daniel Bürzele, der sich um das Projekt Carpo, die assistierte Berufsausbildung kümmert. Der erste Versuch im Handel brachte keinen Erfolg. Das Kurzpraktikum bei Almepro zeigte, dass ein Metallberuf die richtige Wahl war. Am Ende der Orientierung wurde der Ausbildungsvertrag zum Konstruktionsmechaniker unterschrieben. Zusätzlich wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen Almepro und dem Berufsbildungswerk Waiblingen abgeschlossen. Darin werden die Regeln zwischen Betrieb und Bildungsträger festgelegt.

          Assistierte Ausbildung gibt es bislang nur in Baden-Württemberg in 18 Projektpartnern in 20 Regionen mit 1039 Jugendlichen. Es ist gedacht für Menschen, die einen Berufsabschluss im Betrieb erreichen wollen. Bürzele erklärt: „In der Vorbereitungsphase geht es um die Vermittlung in Ausbildung. Dazu werden gemeinsam Bewerbungen geschrieben. Praktika werden vermittelt. Deutsch- und Mathe-Kenntnisse gilt es aufzufrischen. Gesprochen wird auch über die Wohnsituation oder ob Schulden angehäuft wurden.“ Im Vorfeld der Ausbildung soll alles geklärt sein, was einen erfolgreichen Start erschwert oder gar verhindert. Carpo bietet Jugendlichen und Betrieben gleichermaßen Unterstützungen an. Betriebe bekommen Dienstleistung: die Auswahl des richtigen Azubis und organisierte Lernunterstützung. Der Nachhilfeunterricht wird von der Arbeitsagentur bezahlt. „Die Idee ist, chancenarmen jungen Menschen die Aufnahme und den Abschluss einer regulären Ausbildung sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit zu ermöglichen“, erläutert Berufsbildungswerk-Mitarbeiter Bürzele das Konzept. Teilnehmen können junge Mütter und Väter, Jugendliche mit Migrationshintergrund, Jugendliche, die einen geschlechteruntypischen Beruf ergreifen wollen, und junge Menschen, die seit über einem Jahr keine Ausbildungsstelle gefunden haben. Die Bildungsträger verzichten bei Carpo bewusst auf die Ausbildung in eigener Regie. Sie beschränken sich darauf, Betrieben zu helfen, eben ihnen zu assistieren, wenn sie Jugendliche ausbilden, die besondere Unterstützung brauchen.

          Weitere Themen

          Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Studie : Dax-Konzernchefs verdienen weniger

          Die Gehälter der Chefs der 30 größten Konzerne in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 2 Prozent gesunken. Das betrifft allerdings nur die gewährten und nicht die ausgezahlten Gehälter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.