FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Konfliktvermeidung an Unis :
Die samtpfötige Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit

Von
Mathias Brodkorb
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Dekret gegen die Tyrannei: Stele mit Personifikation der Demokratie, die das Volk (Demos) krönt, aus Athen, 337–336 v. Chr.AKG

Von der bayerischen Liberalität war am Ende nicht mehr viel übrig: die Ausladung des Historikers Egon Flaigs durch die Universität Erlangen ist nicht plausibel begründet. Ein Gastbeitrag.

Gerade in Wahlkampfzeiten kommt kaum eine Rede Markus Söders (CSU) ohne Beschwörung der „Liberalitas Bavarica“ aus. Man sei zwar konservativ, aus Sicht manch eines Zeitgenossen vielleicht sogar etwas bräsig, aber doch immerhin überaus tolerant gegenüber abweichenden Meinungen und Lebensstilen. Auf dem Weilheimer Volksfest brachte Söder diese Lebenshaltung erst jüngst in einer launigen Rede massentauglich auf den Punkt: „Esst, was ihr wollt, trinkt, was ihr vertragt, und singt, was ihr wollt.“

Ausgerechnet an Bayerns Hochschulen indes werden neuerdings ganz eigene Diätvorschriften für intellektuelle Nahrung etabliert, die Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit häufen sich. Davon betroffen war auch eine Tagung des Klassischen Archäologen Andreas Grüner an der Universität Erlangen, die sich vom 13. bis 15. Juli 2023 ausgerechnet dem Thema „Freiheit“ widmete. Grüner hatte auch den Althistoriker Egon Flaig zum großen Abendvortrag unter dem Titel „Individuelle Freiheit gegen politische Freiheit. Die Polis im europäischen Republikanismus“ eingeladen. Aber eine Woche vor der Veranstaltung zog der Veranstalter die Reißleine und lud Flaig wieder aus. „Leider“, wie Grüner betont. Der Grund: Sein eigener Dekan hätte ihn darum „gebeten“.

Eine offizielle Entscheidung der Fakultät gab es indes nicht. Der Organisationssoziologe und Dekan Rainer Trinczek stützt sich in seinem Handeln nach eigenen Angaben stattdessen auf ein „sehr einheitliches Meinungsbild innerhalb der Fakultät“. Wie das eigentlich zustande kam und aus welchen Gründen, erfuhr dabei nicht einmal Grüner.

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