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Krisenerprobt: Sutopo Purwo Nugroho Bild: AFP

Unglücke in Indonesien : Wenn der Katastrophenschutz-Sprecher berühmt wird

  • -Aktualisiert am

Ob es sich um ein Feuer, ein Erdbeben oder einen Tsunami handelt: Sutopo Purwo Nugroho informiert die Indonesier schnell, zuverlässig und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dabei geht es ihm selbst nicht gut.

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          Indonesien erlebt so viele Unglücke und Naturkatastrophen, dass es der umtriebige Sprecher des Katastrophenschutzes schon zur Berühmtheit gebracht hat. Ob es sich um ein Feuer, ein Erdbeben oder wie jetzt einen Vulkanausbruch mit Tsunami handelt: In der Regel sind es seine Tweets, Mitteilungen und Whatsapp-Nachrichten, die das Land mit 250 Millionen Menschen auf dem Laufenden halten. Auf diese Weise informiert Sutopo Purwo Nugroho die Indonesier schnell, zuverlässig und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und das immer auf Basis solider Daten, wie er versichert. Höchstens bedient er sich mal einer poetischen Sprache, mal humoristischer Anspielungen, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

          Häufig retten diese Informationen Leben, und sie helfen gegen die Weiterverbreitung von Falschnachrichten. Manche davon entlarvt er persönlich. Etwa, wenn in sozialen Netzwerken Bilder eines Vulkanausbruchs zirkulieren, die aus einer anderen Weltgegend stammen, oder wenn Videos angeblich den Passagierraum eines Flugzeugs vor einem Absturz zeigen sollen. Der Behördensprecher weiß, dass Transparenz das beste Mittel gegen Panik und Desinformation ist. „Wenn Journalisten im Dunkeln gelassen werden, dann führt das zu Chaos in der Informationslage, etwa zu unterschiedlichen Opferzahlen“, sagte er in einem Interview.

          Für seine unermüdliche Arbeit, seine Direktheit und seinen Humor hatte Indonesien ihn schon länger ins Herz geschlossen. Die Bewunderung wurde noch größer, als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass der 49 Jahre alte Indonesier an Lungenkrebs leidet. Doch der Sprecher verschickte auch vom Krankenbett aus seine Mitteilungen. Sein Zustand hat sich seither verschlechtert, mehr als 20 Kilo soll er abgenommen haben. Dennoch klärt er auch nun über die jüngsten Opferzahlen nach der Tsunami-Katastrophe auf Java und Sumatra auf. Bei diesem Unglück kam es allerdings auch zu einem seltenen Patzer. Anstatt einen Tsunami zu vermelden, hatte er erst von einer Springflut gesprochen. Die Falschinformation war von einer anderen Behörde weitergeleitet worden.

          Dabei hatte er die Rolle als Sprecher der Katastrophenbehörde BNPB ursprünglich mehrfach abgelehnt, da er keinen Hintergrund im Kommunikationsgeschäft besaß. Nugroho stammt aus einer armen Familie in Zentraljava. Doch er arbeitete sich hoch. Als Bester seines Jahrgangs hatte er ein Geographie-Studium abgeschlossen, bevor er seinen Doktor in Hydrologie nachschob. Danach begann er seine Tätigkeit im Katastrophenschutz, wo er im Jahr 2010 seine jetzige Position einnahm.

          Im krisengeplagten Indonesien, das am pazifischen Feuerring liegt, hat er jedes Jahr mit mehr als 2000 Unglücken zu tun. Das Jahr 2018, in dem er seiner persönlichen Tragödie gewahr wurde, war besonders reich an großen Unglücken. Da war das Erdbeben auf Lombok und das verheerende Beben mit Tsunami auf Sulawesi. Mit dem Vulkanausbruch des Anak Krakatau und der nachfolgenden Riesenwelle nimmt dieses Katastrophenjahr nun ein trauriges Ende.

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