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Ein Kontinent in Flammen : Die Wut und Angst der Australier

Ein Helikopter ist über einem Feuer nahe Bairnsdale im Einsatz. Bild: AFP

Eine solche Feuersbrunst hat Australien bislang noch nicht erlebt. Immer mehr Bürger machen den Klimawandel dafür verantwortlich. Die Regierung aber verschanzt sich – und will an ihrem Kohle-Kurs festhalten.

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          Während in Sydney das Großfeuerwerk zu Neujahr gezündet wurde, herrschte in vielen Landesteilen Australiens Angst, Verzweiflung, Wut. Denn am letzten Tag des Jahres hatten die Feuer gewütet wie nie zuvor. Die Kluft zwischen großen Teilen der Bevölkerung und Klimaaktivisten auf der einen und der Regierung auf der anderen Seite wird immer größer: Am Mittwoch, dem Neujahrstag, ließ sich Ministerpräsident Scott Morrison im Kirribilli House, seiner Amtsvilla in Sydney, sitzend inmitten erfolgreicher Cricket-Spieler fotografieren. Am Abend zuvor feierte er hier mit Freunden und Blick auf das Feuerwerk. Mehr als eine Viertelmillion Bürger hatten in einer Petition darum gebeten, das weltberühmte Spektakel abzusagen, das Geld dafür den Opfern der Brände zu spenden. Morrisons Verhalten heizt die Stimmung weiter an: Immer mehr Australier werfen dem Mann, der die Wahl im Mai damit gewonnen hatte, dem „stillen Australier“ eine Stimme zu verleihen, vor, die Katastrophe völlig zu unterschätzen, ja zu ignorieren.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Nicht nur die mehr als 3000 freiwilligen Feuerwehrfrauen und -männer kämpfen inzwischen gegen das Inferno und seine Folgen. An diesem Donnerstag, spätestens Freitag sollen zwei Landungsboote der Marine zu den Eingeschlossenen an den Stränden von Küstenstädten in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales Wasser und Lebensmittel bringen. Hubschrauber des Militärs, aber auch ein norwegisches Schiff und Hubschrauber des Ölkonzerns Esso brachten Verletzte am Mittwoch aus dem Küstenstädtchen Mallacoota heraus, das am Dienstag von einer Feuerwalze überrollt worden war. Ein Polizeiboot brachte Wasser und Diesel für Generatoren.

          Inzwischen fiel eine Gesamtfläche von mehr als vier Millionen Hektar – größer als die Niederlande – in Australien den Bränden zum Opfer. Tausende Menschen sind in zahlreichen Dörfern eingeschlossen, weil Autobahnen wie der Princess Highway und zahlreiche Landstraßen gesperrt sind. Die Zahl der Toten ist auf mindestens 18 gestiegen, unter ihnen ein dritter junger Feuerwehrmann. Sein Löschfahrzeug wurde von einem Feuertornado in die Luft geschleudert. Allein in den Feuerwalzen seit Montag haben mindestens sieben Menschen ihre Leben verloren, weitere werden noch vermisst.

          Regierung warnt vor giftiger Luft

          In Mallacoota hatten sich am Dienstag rund 3000 Feriengäste und die gut tausend Einwohner in letzter Not an den Strand gerettet. Auch südlich des für die Hauptstadt Canberra wichtigen Urlaubsortes Batemans Bay flohen Hunderte zum Strand, um den Flammen zu entgehen. Menschen, Pferde und Hunde sammelten sich im Flammenschein über Malua Beach. Gegen den beißenden Rauch, der auch über der eineinhalb Autostunden entfernten Hauptstadt hängt, trugen viele Atemmasken. Während Morrison in Sydney relativ gutes Wetter genoss, sanken die Luftwerte in der Hauptstadt am Neujahrstag auf den schlechtesten Stand seit Menschengedenken: Die Sicht betrug nur noch rund hundert Meter, auch in Restaurants und Kinos hing der beißende Qualm der Waldbrände im Umland. Die Regierung warnte vor „giftiger Luft“ bei einer Feinstaubbelastung von fast 5000  Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – die höchste Kategorie „giftig“ gilt oberhalb einer Konzentration von 200.

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