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Krebserkrankungen : Hoffnung für den armen Teufel

  • -Aktualisiert am

Tasmanische Teufel sind nachtaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Aas. Bild: REUTERS

Ein ansteckender Gesichtstumor bedroht die Population des Tasmanischen Teufels. Bislang galt die Krankheit als unheilbar. Eine Art Impfung könnte das ändern.

          Schon die kleinste Rauferei kann für den Tasmanischen Teufel tödlich ausgehen. Nicht sofort, aber unaufhaltsam: Durch Bisse oder leichte Verletzungen werden spezielle Krebszellen übertragen. Ist ein Tier einmal mit Facial Tumour Disease (DFTD) infiziert, gibt es keine Rettung. Jedenfalls bisher nicht. Das Immunsystem der Teufel erkennt die Krebszellen nicht als Fremdgewebe und greift sie deshalb auch nicht an.

          Der Krebs bedroht ihre Existenz

          Der Tasmanische Teufel (Sarcophilus harrisii) gehört zur Familie der Beuteltiere, zu seinen nächsten Verwandten zählen Beutelmarder sowie Beutelmaus, die beide in Australien und Neuguinea beheimatet sind. Wildlebende Beutelteufel kommen heute nur noch auf Tasmanien vor. Sie sind nachtaktiv und ernähren sich hauptsächlich von Aas, wodurch ihnen eine wichtige Funktion im Ökosystem der Insel zukommt. Der grassierende Krebs bedroht sie in ihrer Existenz: In den vergangenen 16 Jahren sind ihm rund 80 Prozent des Bestandes zum Opfer gefallen. Als man 1996 die ersten Fälle beobachtete, lebten noch 150.000 bis 200.000 Exemplare.

          Der Verlauf der Krebserkrankung ist schmerzhaft; es bilden sich Geschwülste im Gesicht, im Mund- und Rachenraum. Sie erschweren den sonst recht gierigen Tieren mehr und mehr die Nahrungsaufnahme, praktisch verhungern sie langsam. Ein gesunder Sarcophilus harrisii verschlingt am Tag immerhin eine Futtermenge, die einem Drittel seines Körpergewichtes entspricht, was bei einem erwachsenen Männchen etwa vier Kilo bedeutet.

          Krebs austricksen, Teufel retten

          Den Niedergang des Tasmanischen Teufels wollen die Forscher nun aufhalten, indem sie den Krebs austricksen. „Wir haben herausgefunden, dass sich die Tumoren unter dem Radar des Immunsystems bewegen. Diese Tarnung heben wir auf“, erklärt Jim Kaufman von der University of Cambridge den Ansatz. Den ansteckenden DFTD-Zellen fehlen wichtige Gebilde aus Eiweißmolekülen des sogenannten Major Histocompatibility Complex (MHC), die normalerweise auf der Oberfläche von Körperzellen sitzen und diese als „eigen“ markieren. Fehlt diese individuelle Kennzeichnung, können die Abwehrzellen des Immunsystems nicht darauf reagieren und das infektiöse Material auch nicht als fremdartig identifizieren.

          Dass Tumoren auf ihren Zelloberflächen manchmal keine MHC-Komplexe bilden, ist bereits von anderen Krebsarten bekannt. Meist weisen sie Mutationen in den Erbanlagen auf, die für die Synthese der Eiweißkomplexe verantwortlich sind und nun dauerhaft ausfallen. Bei den Gesichtsgeschwulsten der Tasmanischen Teufel ist das anders: „Die Ausschaltung der MHC-Proteine ist bei ihnen reversibel, das heißt, sie kann unter bestimmten Bedingungen rückgängig gemacht werden“, sagt der Pathologe Jim Kaufman. Und das könnte die Art vielleicht retten.

          „Quasi eine Impfung“

          Das Team um Hannah Siddle und Jim Kaufman untersuchte nun in Oxford genauer, welche Mechanismen verhindern, dass MHC-Moleküle auf der Zelloberfläche präsentiert werden. Dabei entdeckten sie unter anderem eine blockierte Genaktivität der Klasse-I-Komplexe. Sogenannte epigenetische Veränderungen verhindern in den Tumorzellen offenbar, dass die Erbinformationen zu diesen Molekülbauplänen abgelesen und entsprechend umgesetzt werden. Körpereigene Botenstoffe können die Produktion aber wieder in Gang setzen. „Mit Hilfe von Interferon-Gamma ist es uns gelungen, diese Blockaden aufzuheben, sodass die Tumorzellen wieder MHC-Komplexe gebildet haben“, erklärt Kaufman. Zudem stimuliere Interferon-Gamma das Immunsystem der Teufel, das dann stärker auf die kranken Zellen reagiert. Zu Versuchszwecken hatte man fünf Beutelteufeln Gewebeproben entnommen und die Tumorzellen im Labor mit Gamma-Interferon behandelt. Auch die Zellen des Immunsystems reagierten entsprechend, allerdings nicht mit einem Ergebnis, das die Forscher zufriedenstellte: „Das Immunsystem der Tiere arbeitet noch zu langsam“, erklärt Kaufman, „die Krebszellen bleiben trotz der Behandlung zu lange unerkannt.“

          Deshalb will das Team einen Schritt weiter gehen und das Immunsystem noch vor einer Ansteckung gegen die Tumore wappnen. Sobald die Krebszellen im Labor durch die Behandlung mit Interferon-Gamma wieder MHC-I-Komplexe auf den Zelloberflächen gebildet haben, erhalten gesunde Beutelteufel davon eine Injektion. Werden die Tiere später bei einer Rauferei mit den verhängnisvollen Tumorzellen infiziert, sind ihre Abwehrkräfte darauf vorbereitet. „Man kann quasi von einer Impfung der Tiere sprechen“, erklärt Jim Kaufman das Konzept. Das Projekt befindet sich derzeit allerdings noch im Stadium der Planung, es wird dabei eine enge Zusammenarbeit mit dem medizinischen Forschungsinstitut von Greg Wood in Hobart, Tasmanien, angestrebt.

          Eine Rettungsaktion ganz anderer Art läuft bereits seit November 2012. Im Rahmen eines vier Millionen Dollar teuren Umsiedlungsprogramms wurden fünfzehn gesunde Beutelteufel auf Maria Island ausgesetzt, einer östlich von Tasmanien gelegenen Insel. In diesem Naturschutzgebiet soll eine neue, krebsfreie Population heranwachsen und so dem Tasmanischen Teufel das Schicksal des Tasmanischen Tigers ersparen, von dem das letzte bekannte Exemplar 1936 in einem Zoo verendete.

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