„Das ging nicht anders“ : Wie Helfer die Flüchtlingskrise wahrgenommen haben

Helfen ist immer gut. Ein Helfer hat das Herz auf dem rechten Fleck. Und wenn eine Woge der Hilfsbereitschaft ein ganzes Land erfasst, kann das so verkehrt nicht sein. Oder doch? Ist eine schlichte Wahrheit zwangsläufig naiv?
Natürlich klingt der knapp drei Jahre alte Jubel vom „Weltmeister der Hilfsbereitschaft“ (Katrin Göring-Eckardt, Grüne) nicht erst in diesem desolaten Fußballsommer peinlich. Was damals Willkommenskultur getauft wurde, was mit Applaus auf dem Münchner Hauptbahnhof begann und mit Kleiderkammern und improvisierten Deutschkursen nicht aufhörte, war auch ein Hype. Aber wenn wie vor zwei Wochen mit Daniel Günther (CDU) ein Ministerpräsident in einer Talkshow einstreut, in Schleswig-Holstein sei man stolz auf diese Willkommenskultur, dann möchte man das Programm anhalten, zurückspulen und es bitte noch einmal hören. Und noch einmal. Weil man seinen Ohren kaum traut. Weil das sonst niemand mehr sagt. Immer nur Abschottung, Ankerzentren, Angst, AfD.
Der Wind hat sich gedreht. Die Kölner Silvesternacht, der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, die Sexualmorde an Maria L. und Susanna F.: Hilfsbedürftige werden pauschal als Kriminelle wahrgenommen. Traumatische Fluchterfahrungen interessieren so wenig wie Erfolgsgeschichten über Abschlusszeugnisse, Ausbildungsplätze, Jobs. Populisten und Hasskommentare im Netz haben das gesellschaftspolitische Klima und die Grenzen des Sagbaren so verändert, dass sich Ehrenamtliche heute rechtfertigen müssen, dass sie noch immer Flüchtlinge zu Behörden begleiten und bei der Wohnungssuche helfen. Wie kann sich dieses Land so weit nach rechts drücken lassen, anstatt sich dafür zu feiern, was alles geschafft wird?





