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Transgender-Outing : Manuela heißt jetzt Felix

Von Teddy zu Tilly, von Manuela zu Felix: Felix und Tilly wurden beide im falschen Körper geboren Bild: Junker, Patrick

Eine Erzieherin outet sich als Transmann und heißt jetzt Felix. Die Kinder haben damit kein Problem. Bei manchen Eltern sieht die Sache anders aus.

          Ein uralter Baum streckt seine Äste aus, um ein wenig Schatten zu spenden. Felix Mayer und die Kinder lesen gemeinsam in einem Buch. Es geht um den Bären Teddy, der furchtbar unglücklich ist und seinem Freund beichtet: Ich wär’ so gern eine Frau. Ich wär’ viel lieber Tilly! Er glaubt nicht, dass er sonst je wieder fröhlich sein könnte. „Genauso“, sagt Felix Mayer, „ging es mir, als ich Manuela hieß.“

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Bis zum Herbst war Felix Mayer noch Manuela Mayer, Erzieherin im Leitungsteam des Kinder- und Familienzentrums Riederwald in Frankfurt, als Referentin aktiv und in einer lesbischen Partnerschaft, mit erwachsenen Kindern aus der ersten Ehe der Frau und einem Hund namens Rüdiger.

          Die „Lindenstraße“ stößt alles an, ausgerechnet die „Lindenstraße“. Manuela und ihre Frau mögen die Sendung, sie ist ein festes Sonntagsritual. Eine Transfrau outet sich in der Serie, und plötzlich sitzt Manuela vorm Fernseher und weint und weint. Stundenlang spricht sie darüber mit ihrer Frau. Nur dass sie schon lange keine Sie mehr ist, vielleicht noch nie eine war. Manuela kann es nicht anders erklären als: Das ist es, was ich fühle. Später geht er mit Rüdiger ins Freie, und plötzlich rennt er und rennt und rennt mit dem Hund um die Wette. So befreit hat er sich noch nie gefühlt, so leicht ums Herz und so schnell in den Beinen. Von da an kann ihn nichts mehr aufhalten.

          „Wir sind die Zukunft“: Felix Mayer und seine Schützlinge machen Musik

          Felix und seine Frau arbeiten in den Weihnachtsferien einen Plan aus. Nachdem er sich vor seinen Kollegen, dem Pfarrer, der evangelischen und der angrenzenden katholischen Gemeinde geoutet hat, schreiben sie einen Brief an die Eltern. Mit den Kindern werde er nicht über die körperlichen Umstände sprechen, schreibt Felix. Er müsse aber, er könne nicht anders, auf sein Herz hören.

          Am nächsten Morgen kommt er zum ersten Mal in Männerkleidung in den Kindergarten. Das fällt nicht so auf, weil er auch als Manuela nicht auf Blümchenkleider stand. Im Stuhlkreis liest Felix den Kindern die Geschichte von Teddy und Tilly vor, die sie seither immer wieder hören wollen. Er will derjenige sein, der die Kinder aufklärt. „Einige Eltern fürchteten, dass ihr Kind eine Frage stellt, die sie nicht beantworten können.“

          „Felix hat alles richtig gemacht“

          Robert Landwehr lehnt sich an den Stamm des Baums mit der rissigen Rinde und beobachtet Erzieher und Kinder. „Von den Eltern hat eigentlich niemand ein Problem damit“, sagt er über Mayers Coming-Out. Sein Sohn Alex ist fünf und geht seit mehr als drei Jahren in das Kinderzentrum. Alex kannte Manuela, und er kennt Felix. „Felix hat alles richtig gemacht“, sagt Landwehr. „Er hat mit allen betroffenen Stellen zuerst gesprochen, er hat die Eltern vorab informiert. Und die Kinder akzeptieren ihn so, wie er ist.“

          Und sein Sohn? „Alex kam nach Hause und meinte: ,Manuela ist jetzt Felix.‘ Damit war für ihn die Sache klar. Mehr Gesprächsbedarf gab es nicht.“ Haben denn die Eltern Angst, die Entwicklung der Kinder könne durch Mayers Geschlechtsangleichung beeinflusst werden? „Dafür sind die Kinder noch zu jung“, sagt Landwehr. Seiner Meinung nach spielen Geschlechterfragen in diesem Alter noch keine so große Rolle. „Wären die Kinder in der Pubertät, würde das Ganze schon anders aussehen. Aber so lernen sie auch Toleranz für andere Lebensformen.“ Ihm ist es als Vater allerdings wichtig, dass den Kindern feste Partnerschaften vorgelebt werden. Sie sollten lernen, dass es „nicht cool“ sei, wechselnde Sexualpartner zu haben.

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