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Meghans Hochzeitskleid : From Paris with Love

In reinem Weiß gibt Meghan Markle Prinz Harry das Jawort. Bild: AFP

In Zeiten von Instagram und Twitter gibt es nicht mehr viele Geheimnisse. Die königliche Familie und das Modehaus Givenchy haben es trotzdem geschafft, eines bis zum großen Auftritt zu hüten.

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          Wenn es klar ist, dass ein Kleid weiß sein wird, den Boden berühren und die Schultern bedecken muss, dann bleiben nicht mehr allzu viele Möglichkeiten, um vorab trotzdem Spannung aufzubauen. Genauer genommen gibt es nur jene, den Namen des Designers unter Verschluss zu halten. In der Gegend um London wird es in den Tagen vor der Hochzeit von Meghan Markle und Prinz Harry eines der tatsächlich besser gehüteten Geheimnisse gewesen sein. Damit, dass Clare Waight Keller, Kreativ-Direktorin von Givenchy, für das Brautkleid von Meghan Markle verantwortlich sein würde, hatten jedenfalls weder die Buchmacher in den Wettbüros gerechnet noch die User von Instagram und Twitter, die mit ihren Augen und jeder Zeit zum Fotografieren bereit gehaltenen Handys, heute überall sind und dabei nicht gerade weniger schamlos als die Paparazzi vorgehen. 

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So wurde damals zur Hochzeit von Kate und William im Jahr 2011 ja auch die AlexanderMcQueen-Designerin Sarah Burton enttarnt. Als sie in der Nacht vor dem großen Tag im Hotel der Braut vorbeischaute, waren ein paar Twitter-User schon vor Ort. Im Ratespiel um das Kleid von Meghan Markle aber wurden in den vergangenen 24 Stunden gleich mehrere Namen bestätigt. Die „Daily Mail“ erklärte es zur Tatsache, dass das britische Duo Ralph & Russo sich der Sache angenommen hätte, jene Designer, die schon das 50.000-Euro-Kleid entworfen hatten, das Markle auf den Bildern zur Verlobung trägt. Die „New York Post“ wiederum verkündete in den Stunden vor dem großen Auftritt Stella McCartney als Designerin des royalen Brautkleides. Beides war, in typischer Klatschblatt-Manier, falsch.

          Da konnte die Frau, die wirklich hinter dem Kleid steckte, in den vergangenen Wochen sogar hemmungslos Schnappschüsse auf Instagram posten. Dass sie zwischen London und Paris pendelt, zwischen dem Leben als Mutter von drei Kindern und dem als Chefdesignerin eines Traditionshauses, ist in der Branche schließlich nun wirklich kein Geheimnis. Und da Givenchy seinen Hauptsitz auf dem Kontinent hat, wie die Briten gerne über alles von Europa sprechen, was fernab ihrer eigenen Küstenstreifen liegt, hätte Clare Waight Keller für diesen Job genauso gut disqualifiziert sein können. Immerhin, sie ist Britin. Und trotzdem: Dass die zukünftige Herzogin von Sussex im Schloss von Windsor in dem Kleid eines Pariser Hauses Ja sagt, ist für die gesamte Londoner Designerszene die größte Schlappe der jüngeren Vergangenheit.

          Ein Kleid, das Grenzen überwindet

          Freundlicher formuliert: Meghan Markle trägt ein Kleid, das Grenzen überwindet. Wie die Fernseh-Kommentatoren der Hochzeit an diesem Tag nie müde werden zu betonen, ist das schließlich eines ihrer großen Themen. Selbst die Symbole der 53 Commonwealth-Länder sind auf dem fünf Meter langen Schleier berücksichtigt. Der ist, so viel Tradition muss sein, an einer Tiara befestigt, eine Leihgabe der Queen.

          Das Commonwealth auf fünf Metern Tüll: alle 53 Länder des Commonwealth finden symbolisch Eingang in das Design des Schleiers.

          Der Prinzessinnentraum endet hier also schon am Scheitel. Dass sich Clare Waight Keller und Meghan Markle verstehen würden, dass keine von beiden für ein Kleid zu haben gewesen wäre, das aussieht als habe da jemand seinen Prinzen gefunden, ist mit einem Blick auf ihre Lebensläufe klar. Clare Waight Keller, die Givenchy im vergangenen Jahr von Riccardo Tisci übernommen hat, als überhaupt erste Frau an der Spitze, führt das Haus nach Jahren, in denen es arg unter dem Eindruck von Streetwear gestanden hat, nun wieder sanft zu seinen Wurzeln zurück. Ohne dabei die Gegenwart zu verklären. Ihr Kleid für Meghan Markle zeigt somit auch, dass die Arbeit von Hubert de Givenchy, der die Marke im Jahr 1952 gegründet hatte, durchaus zeitgemäß sein kann. Zwei Jahre später entwarf er das Brautkleid für seine enge Freundin Audrey Hepburn. Es hatte Puffärmel und eine große Schleife am Rücken.

          Braucht Meghan Markle beides nicht, sie pflegt einen minimalistischeren Stil, der das Zeigen von Haut nicht ausschließt, der in Sachen Brautmode nun zweifelsohne so stilprägend sein wird wie der Spitzenstoff, in dem Kate vor sieben Jahren geheiratet hat. Das Kleid, das Clare Waight Keller für Meghan Markle entworfen hat, ist also selbstverständlich weiß, und es berührt den Boden. Aber der extrem weite U-Boot-Ausschnitt sorgt dafür, dass nicht mehr viel fehlt, und die Schultern wären frei.  

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