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Partnerschaftsgewalt : Du gehörst mir!

  • -Aktualisiert am

„Stoppt Femizide“: Femen-Aktivistinnen demonstrieren in Paris, Juli 2019 Bild: dpa

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Oft geht es dabei um Macht und Kontrolle. Auch Maria musste deshalb sterben.

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          Die letzte Nacht in ihrem Leben verbringt Maria bei ihrer Schwester. Die eine hat für die andere gekocht, man geht zusammen mit dem Hund. Am nächsten Morgen, es ist Samstag, der 8. Dezember 2018 gegen sechs Uhr, klingelt Marias Handy. Sie, Empfangschefin in einem Mittelklassehotel, muss zur Frühschicht. Eine Kollegin ist am Telefon, mit der sie sich in der Tiefgarage verabredet hat, um nicht allein durchs Parkhaus laufen zu müssen. „Sie hat mir erzählt, dass sie so froh ist, dass sie gute Freunde hat, die sich so um sie kümmern“, wird ihre Schwester später vor Gericht erzählen. Als sie von der Richterin gebeten wird, noch ein paar Sätze über Maria zu sagen, stockt ihr die Stimme: „Meine Schwester war“, sagt sie und macht eine Pause: „mein Seelenpartner, mein Tagebuch. Sie war einfach immer für mich da.“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Maria hat alles richtig gemacht. Nach der Trennung meldete sich ihr Exfreund zigmal am Tag, manchmal drohte er damit, sich umzubringen. Nachdem er ihr im Oktober 2018 bis in die Hoteltiefgarage nachstellt und gegen die Scheibe ihres Autos tritt, erstattet sie Anzeige. Beim Familiengericht erwirkt sie ein Kontakt- und Näherungsverbot nach dem Gewaltschutzgesetz. Die Polizei bindet die Zentralstelle Individualgefährdung beim Landeskriminalamt ein.

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          Maria schläft im Wechsel bei ihrer Tante, ihrer Mutter, ihrer Schwester. Wenn sie ausnahmsweise allein unterwegs ist, telefoniert sie mit Freunden oder Verwandten. „Wir haben versucht zu verhindern, was passiert ist“, so die Schwester vor Gericht. Bevor Maria an jenem Tatmorgen des 8. Dezember die Tür hinter sich zuzieht, sagt die Schwester zum Abschied: „Wenn du hier alleine bist, schließ bitte beide Schlösser ab.“

          Kurz darauf hört die Schwester einen langgezogenen Schrei. Nelson B., so heißt es in der Mordanklage, soll seiner ehemaligen Lebensgefährtin in der Dunkelheit vor dem Haus aufgelauert und so heftig auf sie eingestochen haben, dass die Messerklinge abbrach. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: „Sie musste mit dem Tod bestraft werden, weil sie sein Leben zerstört hatte.“ Barfuß, noch im Nachthemd, stürzt die Schwester die Treppen herab. „Ich wusste sofort, dass sie es ist“, sagt sie. „Und ich wusste sofort, dass er es ist.“

          Partnerschaftsgewalt kann jede treffen

          Durchschnittlich jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Ehemann, Lebensgefährten oder Expartner getötet. An den anderen beiden Tagen, so die Statistik, versucht es einer. Seit Jahren führt jeder sogenannte Ehrenmord zu einem Aufschrei, weil die vermeintlich kulturellen Gründe für die Tötung einer Frau zu Recht angeprangert werden. In den meisten Fällen von Partnerschaftsgewalt jedoch geht es nicht um Familien mit Migrationshintergrund. Fachleute wissen: Partnerschaftsgewalt kann jede treffen, und im Moment der Trennung sind Frauen besonders in Gefahr. „Dass im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung ein Lebensrisiko für Frauen in Partnerschaften besteht – die Erkenntnis hat sich noch nicht durchgesetzt“, sagt Katja Grieger, Sprecherin des Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe – Frauen gegen Gewalt (bff). Gerade erst hat ihr Verband als Teil eines breiten Bündnisses ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen gefordert, wie es die sogenannte Istanbul-Konvention vorsieht, ein Menschenrechtsabkommen des Europarats. Femizid, sagt Grieger, also die Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind, habe System: „In ganz vielen Fällen geht es darum, Macht und Kontrolle über das Leben der Frau zu haben. Die Logik dahinter heißt: Du gehörst mir.“

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