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Alternativ-Barbie „Lammily“ : Eine Puppe mit Akne und Cellulitis

  • Aktualisiert am

Eine sehr durchschnittliche Puppe: Lammily Bild: Hersteller

Fördern Barbie-Puppen den Schlankheitswahn? Einiges spricht dafür. Der amerikanische Künstler Nickolay Lamm verkauft deshalb Durchschnitts-Puppen. Sogar Pickel kann man ihnen ins Gesicht kleben.

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          Normal-Maße sind das nicht: 91-46-84. Aber die Maße sind Alltag in Kinderzimmern auf der ganzen Welt. Würde man Barbie, die Puppe aller Puppen aus dem Hause Mattel, auf Lebensgröße aufblasen, erhielte man eine überdurchschnittlich große Blondine mit ebenjenen Proportionen. Hätte man gerade ein älteres Modell zur Hand, wäre sogar noch mehr Busen.

          Ist das nun problematisch? Manche glauben das und wünschen sich für Kinder ein Spielzeug, das diesen nicht ein vollkommen falsches Bild vom Körper einer Frau vermittelt. Einer, der diese Sichtweise in den vergangenen Jahren besonders medienwirksam vertreten hat, ist der amerikanische Künstler Nickolay Lamm. Vor knapp zwei Jahren machte er mit seiner realistischen Version von Barbie Schlagzeilen.

          Mit Hilfe offizieller Daten der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC und eines 3D-Druckers hatte Lamm die blonde Plastikpuppe mit den Maßen einer durchschnittlichen neunzehnjährigen Amerikanerin neugestaltet. Das Ergebnis fiel kleiner aus als das Original und weniger dürr. Er wundere sich, warum der Puppen-Hersteller sich nicht an der Durchschnittsamerikanerin ausrichte, sagte Lamm damals. Schließlich sehe die doch so gut aus.

          Was für ein Unterschied: die echte Barbie und Nickolay Lamms Durchschnitss-Barbie

          „Wir müssen uns daran erinnern, dass Barbie ein Spielzeug ist“, stellte der Hersteller Mattel nach Lamms Aktion klar. „Mädchen verstehen, dass Barbie eine Puppe ist. Sie wurde nie nach den Proportionen eines echten Menschen modelliert.“ Die Botschaft von Barbie bleibe überdies: Du kannst alles sein und alles werden.

          Mattel nahm sich Lamms Vorschlag bekanntermaßen auch in der Zwischenzeit nicht zu Herzen, weshalb der Künstler jetzt selbst in die Puppenproduktion eingestiegen ist – per Crowdfunding. Mehr als 13.000 Unterstützer, die 19.000 Exemplare für je 25 Dollar vorbestellten, machten die Puppe mit dem Namen Lammily möglich. „Viele Leute kritisieren Barbie, aber es gab keine Alternative“, erklärte Lamm seinen Antrieb. „Nun habe ich eine hergestellt und wenn kleine Mädchen diese sehen, sie anfassen, dann fühlen sie sich, als würden sie sie schon kennen, weil sie ihnen und den Leuten, die sie kennen, viel ähnlicher ist.“

          Lammily kann auch Akne haben

          Lammily hat die Maße von Lamms erster Alternativ-Barbie behalten, ist nun aber braunhaarig, was wohl mehr zum Slogan des Produkts passt: „average is beautiful“, zu deutsch: Durchschnitt ist schön. Und Lammily ist nicht nur, was ihre Proportionen angeht, durchschnittlich. Man kann sie mit wenigen Handgriffen auch mit den Plagen des Alltags zeichnen. Für sechs Dollar ist im Online-Shop ein Päckchen mit Aufklebern erhältlich, darin finden sich unter anderem Sticker für Akne, Cellulitis und Schwangerschaftsstreifen.

          Aber ist das jetzt alles besser für die Kinder? Eine Gruppe von Forschern hat jedenfalls vor einiger Zeit herausgefunden, dass die Maße von Spielzeug-Puppen Kinder tatsächlich beeinflussen. Mädchen, die für das Experiment mit Barbies gespielt hatten, wünschten sich nachher häufiger einen extrem schlanken Körper als solche, die eine realistischere Puppe betrachtet hatten. „Solche ultra-dünnen Figuren schwächen das Selbstwertgefühl der Mädchen und bewirken, dass sie mit ihrem eigenen Körper weniger zufrieden sind und dünner werden wollen“, schrieb Studienleiterin Helga Dittmar von der Universität Sussex im Fachmagazin „Developmental Psychology“.

          Die Forscher forderten, Mädchen über die Gefahren eines unrealistischen Schlankheitsideals aufzuklären. Tatsächlich hätte nicht einmal eine von 100.000 Frauen eine Figur wie Barbie. Diese Zahl könnte wiederum sogar zu hoch gegriffen sein. Glaubt man nämlich einer anderen wissenschaftlichen Erkenntnis, dann wäre eine Frau mit Barbie-Maßen überhaupt nicht lebensfähig. In ihrem dürren Unterleib wäre schlicht nicht genug Platz für alle Organe.

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